Einfach mal die Klappe wechseln

Heute Kuhfell, morgen Objektplane, übermorgen indischer Wandbehang: Sigrid Sigel produziert in ihrem offenen Atelier in Ulm Taschen, deren Optik mit wenigen Handgriffen verändert werden kann.

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    Dezent oder bunt: Sigrid Sigels Taschen sorgen für Abwechslung. Fotos: Lars Schwerdtfeger
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Frauen kennen das Problem. Taschentücher, Schlüssel, Stifte für Lippen und Notizen, Adressbuch, Kaugummi - eben alles, was frau braucht, steckt in der roten Tasche. Und jetzt sollen heute grüne Pumps an die Füße. . . Was also tun? Option eins: Andere Schuhe anziehen. Option zwei: Den kompletten Tascheninhalt in ein geeignetes Modell umräumen. Option drei: Sie ist in Besitz einer Tasche von Sigrid Sigel. Dann nämlich kann man einfach die Klappe wechseln. "Aus Schwarz wird Weiß, aus bunt wird uni. Aus Stoff wird Leder, aus Filz Fell, ganz nach Lust und Laune", erklärt die studierte Gestalterin ihr Handwerk. "Je nach Look, Lust und Laune." Ein Klettverschluss an der Rückseite der Tasche machts möglich.

Angefangen hat alles vor acht Jahren mit Johanna. Sigrid Sigel hatte, damals mitten im Zusatzstudium an der Ulmer Akademie für Gestaltung, die Markttasche aus festem Wollfilz entworfen und an der Nähmaschine produziert. Ihr Clou: Das Volumen ließ sich bei Bedarf vergrößern. Und wohin auch immer Johanna die heute 52-Jährige begleitete, fiel sie auf. Und war gefragt. Also kaufte die Mutter zweier inzwischen erwachsener Söhne in den Semesterferien Filz, nähte das Modell Johanna in allerlei Farben. Es folgten Anna, ein Shopper, und Hanna, ein kleines Täschlein, Jo, eine Umhängetasche, Leon und Leonie, Schultertaschen mit Reißverschluss. . .

Entwurf, Produktion, Verkauf, alles aus einer Hand. So ist es noch heute. Denn für Sigrid Sigel, die früher als Erzieherin mit lernbehinderten Kindern gearbeitet hat und später als Gesundheitsberaterin, war es der Beginn einer Erfolgsgeschichte. 2010 richtete sie sich im Hafenbad 3 über einem italienischen Café ein luftiges Atelier ein. Ursprünglich war das nur zum Arbeiten gedacht, denn die Taschen sollten nur auf Kunsthandwerkermärkten und Designerausstellungen an die Frau (und durchaus auch an den Mann) gebracht werden.

Doch nun lässt die Künstlerin sich drei Tage die Woche bei der Arbeit über die Schulter schauen. Sie mag den Umgang mit den Kunden, sagt sie, berät gerne. "Denn eine Tasche ist immer auch Ausdruck der Persönlichkeit."

Steht die Atelier-Türen offen, hängt Sigrid Sigel bunte Taschen vor die Fenster im ersten Stock. Wer dann die Treppe nach oben steigt, dem eröffnet sich ihr buntes Reich: Riesige Filzrollen, Stoffe aller Herren Länder und Couleur, ein überdimensionaler Spiegel und helle Regale mit Taschen aller Art, allesamt "Klakos", eine Kombination der Worte Klappe und Korpus. 2006 hat sie die erste Tasche mit austauschbarer Klappe geschneidert. Und ist dabei geblieben. Gemein ist allen Taschen das meist orangene Filzröllchen mit Sigrid Sigels Logo "si" und der Korpus aus neutralem Filz. In verschiedenen Größen, immer aber wasser- und schmutzabweisend und formstabil. "Ich mag unterschiedliche Materialien, liebe Stoff", sagt die Neu-Ulmerin und streicht andächtig über ihre neueste "Eroberung", ein hochwertiger indischer Wandbehang aus reiner Seide mit Perlen und allerlei glitzernden Pailletten. Eine Freundin hat den Stoff aus Indien mitgebracht.

Auch Sigrid Sigel bringt aus fast jedem Urlaub und von jeder Reise Material für ihre Klappen mit. "Der schwarze Stoff mit Federborte aus Paris war ein Renner. . .", erinnert sie sich. Eine ihrer Lieblingsklappen, geschneidert aus einem Gobelin, den sie in Venedig entdeckt hat - zeigt die Jungfrau Maria.

Neben (besticktem) Filz und schick gemustertem Polsterstoff verwendet die 52-Jährige aber auch Materialien aus dem Alltag. Bei den Klappen aus Fahrradschläuchen etwa werden sogar Männer schwach. Ebenfalls beliebt: das Modell große Lkw-Planen-Öse trifft bunten Filz, Leder oder echtes Kuhfell in braun/weiß und schwarz/weiß. Auch Ausschnitte aus großen Objektplanen verarbeitet Sigrid Sigel liebend gern zu Unikat-Klappen, derzeit ein Exemplar, das bei der Landesgartenschau in Neu-Ulm zu sehen war.

Ideen und Stoffe gehen Sigrid Sigel so schnell nicht aus. Und damit macht sie nicht nur viele Frauen froh. Die Zahl der Männerbesuche im Atelier steigt vor Weihnachten sprunghaft an. "Eine neue Klappe ist einfach immer eine gute Geschenkidee. . ."

Info Atelier-Öffnungszeiten: mittwochs 10 bis 14 Uhr, donnerstags 14 bis 18 Uhr, in der Regel samstags von 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung. Die kleine si-Tasche ist ab 95 Euro erhältlich, die große ab 140 Euro. Zusätzliche Klappen kosten in der Regel 35 bzw. 45 Euro.

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