Eine App fürs Ulmer Museum

Vom Münsterturmjubiläum angeregt, präsentiert das Ulmer Museum eine kleine, feine Innovation: Eine App für Smartphones zeigt dem Besucher jetzt anhand von 16 Stationen den "Traum vom Himmel".

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Das soll das Ulmer Münster sein? Wie, wann, warum und wie hoch der Turm auf die Kirche kam, darüber informiert jetzt eine Smartphone-App im Ulmer Museum.  Foto: 

Max weiß, wo's langgeht. Nämlich von der Museumskasse hinter in den Fried-Bau und dann nach links: "Nehmen Sie den Aufzug ganz nach oben. Drücken Sie dazu die Taste 7 im Aufzug", erklärt der kleine Junge. Folgsamkeit wird belohnt, denn oben angekommen, findet man sich auf dem Museumsdach wieder. Dort sollte man noch einmal auf Max hören: "Suchen Sie sich eine schöne Stelle, von der aus Sie das Münster sehen."

Ob man den Turm dann auch sieht, oder ob mal wieder Nebel wabert, das kann der kleine Führer nun wirklich nicht vorhersehen, denn Max ist gar nicht da; nur seine Stimme tönt aus dem iphone in der Hand. Der Junge ist einer von zwei Sprechern, die für die jüngste Innovation des Ulmer Museums engagiert wurden: eine App.

So kompliziert die leidige Geschichte um die Baulichkeit des Museums sein mag, virtuell ist das Haus jetzt vorn mit dabei. Ab Januar können sich Besucher von insgesamt 30 Leih-Smartphones durch das Haus führen lassen. Wer kein Leihgerät in Anspruch nehmen möchte, kann auch das eigene Smartphone benutzen - allerdings leider nur, sofern es sich um ein Apple-Gerät handelt. Voraussichtlich ab Ende Januar kann man die Inhalte im App-Store herunterladen.

Zunächst geht es dabei an 16 Stationen um den "Traum vom Himmel". Die Führung fängt ja nicht zufällig mit dem Blick vom Dach an. Inspiriert sei das Thema von der Frage, wie das Museum sich am Münsterturmjubiläum beteilige, sagt Chefin Gabriele Holthuis. Und zum Thema "Höhe, Weite, Fernblick" habe man genug Exponate. "Wir machen das so modern es geht", sei das Vorhaben gewesen. Also keine Audioguides, sondern Apps, für die laut Holthuis erstmals alle drei Museumskuratoren für Archäologie, Mittelalter und Moderne zusammengearbeitet hätten.

Neben Bildern und auch einigen Videos gibt es Texte zu den einzelnen Exponaten, die das Thema im eigentlichen und übertragenen Sinn aufnehmen. Die Tour führt also zu alten Stadtplänen, zu den Patriziern - die auf der sozialen Leiter "ganz oben" standen - und zu Kokoschkas "Genfer See" mit seinem Farbenspiel am Himmel. Palmesel und Löwenmensch dürften ihre Beteiligung wohl vor allem ihrer Prominenz zuzuschreiben haben.

"Wir wollten nicht ablenken, sondern multimediale Ergänzungen zu den Ausstellungsstücken bieten", sagt Christian Geiger vom Projekt ulm 2.0, der die App mit der Firma Cortex Media aus Ulm erarbeitet hat. Tatsächlich ist die App bedienungsfreundlich und klar gegliedert. Außerdem haben sich die Entwickler dafür einer ganz neuen Technologie bedient, sogenannter "Beacons"; das sind kleine Sender, die überall im Haus verteilt sind und automatisch erkennen, wo der Besucher gerade steht. Wer von der Tour abweichen will, kann die Stationen aber auch einzeln anklicken.

20 000 Euro habe alles zusammen gekostet, sagt Geiger. Möglich wurde die Anschaffung durch Sponsoren. Die kunsthistorische "Schnitzeljagd" wird dem Museum über das Münsterturmjubiläum hinaus erhalten bleiben, Gabriele Holthuis träumt von Erweiterungen, etwa zur Goldschmiedekunst. Vom Löwenmenschen zu Kokoschka in 16 Stationen - ein "Quantensprung", findet sie. Kann man so sagen.

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