Ein Verfechter der Lyrik bei Gondrom

Michael Krüger ist Chef des Haser-Verlags, aber auch Autor und ein Verfechter der Lyrik. In der Buchhandlung Gondrom las er aus seinen Gedichten.

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Ein Meister der geformten Sprache: Michael Krüger. Foto: Sophie Krauss

Es gibt selten solche Abende, die der reinen Poesie gewidmet sind: Ein Genuss, der geformten Sprache zu lauschen, hinzuhören, mitzugehen in plötzlich entstehende neue geistige Ebenen, die Denkanstöße vermitteln und trotzdem ein Innehalten ermöglichen, um noch einmal neu die gehörten Wörter zu betrachten - als Reflexion in einem inneren Spiegel. Das ist das Wunder, das einem guten Gedicht innewohnt: hinsehen, erstaunen, zulassen, wirken, wandeln, weiterleben.

Sein Verlegerleben lang hat sich Michael Krüger für Dichter eingesetzt, manche davon sind später als Nobelpreisträger in die Literaturgeschichte eingegangen - etwa der Schwede Tomas Tranströmer, Nobelpreisträger 2011, dessen lyrisches Werk relativ schmal ist, sich aber durch extreme Verdichtung sprachlicher Bilder auszeichnet.

Michael Krüger schreibt selbst Gedichte, Romane, Novellen und Erzählungen. Bei Gondrom las er Gedichte aus verschiedenen Bänden. Sein lyrisches Werk ist geprägt von zwei Themen: "Was sieht man, wenn man sieht?" "Was ist an der Natur noch Natur?" Alltägliche Situationen können ihm Anlass für ein Gedicht geben: Wellen, Wasser, Wolken, Pflanzen, Bäume, Tiere, Gerüche, Vergänglichkeit, Musik. Im Gewöhnlichen entdeckt er Details, die ihm als Teil des Ganzen, ja der Weltgeschichte erscheinen. Spielerisch leicht kreisen Worte um den "Bruch zwischen himmlischer und irdischer Welt".

Geprägt vom Großvater, der hundert Vögel an ihrer Stimme erkannte und Hasenherzen schlagen hörte, fasziniert von der Großmutter, die sich vor ihrem abendlichen Dialog mit Gott stets frisierte, wuchs Michael Krüger in Berlin auf, absolvierte eine Lehre als Verlagsbuchhändler, wurde Verlagslektor beim Carl Hanser Verlag und später dessen Geschäftsführer. Ende dieses Jahres gibt er die Verlagsleitung an Jo Lendle ab. Vorher muss er aber noch die 5000 Bücher in seinem Büro, mit denen ihn eine jeweils individuelle Geschichte verbindet, unterbringen. Und bei dem Stellenwert, das ein einzelnes Buch für Michael Krüger hat, ist das gar nicht so einfach.

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