Ein unvergesslicher Abend Dresdner Kreuzchor zeigt in der Martin-Luther-Kirche seine Klasse

Der Dresdner Kreuzchor ist weltberühmt. Und bei ihrem Gastspiel in der Martin-Luther-Kirche zeigten die jungen Sänger unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile, warum das so ist.

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Eine Klasse für sich: der Dresdner Kreuzchor und sein Dirigent Roderich Kreile in der Martin-Luther-Kirche. Foto: Volkmar Könneke

"Singen? Dann aber richtig!" Mit diesem Slogan wirbt der Dresdner Kreuzchor, einer der ältesten und renommiertesten Knabenchöre der Welt, im Programmheft um talentierte Nachwuchskräfte zwischen 6 und 9 Jahren. Man kann nur hoffen, dass die Eltern sängerisch begabter Kinder, die am Sonntag das singuläre Konzert des seit nunmehr fast 800 Jahre bestehenden Chores hören durften, sich jetzt nicht von der Ehrfurcht gebietenden Weltklasse abschrecken lassen, die das Ensemble in der sehr gut besuchten Martin-Luther-Kirche zeigte.

Mit eigenen Tour-Bussen waren sie angereist, die jungen Knaben und ihr Leiter Kreuzkantor Roderich Kreile, die von ihrem Heimatstützpunkt aus - der Kreuzkirche am Dresdner Altmarkt - längst die ganze Welt erobert haben.

Und dass ihnen ihr Ruf zu Recht vorauseilt, daran ließen die Akteure von Anfang an nicht den geringsten Zweifel. Im Zentrum des Konzertes standen Motetten-Kompositionen diverser Meister, vor allem aus dem Umfeld des Barock-Zeitalters: Giovanni Gabrieli, dessen einleitende achtstimmige Motette "Jubilate Deo" gleichsam auch das hymnische Motto des Abends lieferte, weiterhin Hans Leo Haßler, Johann Hermann Schein, Felice Anerio und selbstverständlich auch Johann Sebastian Bach, der die Kunst der Motette mit "Komm, Jesu, komm" (BWV 229) zu einem Gipfelpunkt geführt hat.

Das eigentliche Gravitationszentrum des auch unter dramaturgischen Gesichtspunkten klug disponierten Konzerts bildeten aber vier Motetten von Heinrich Schütz, dem wohl bedeutendsten Komponisten des Frühbarocks. Von 1629 bis 1657 lebte Schütz am Neumarkt in Dresden und in dieser Stadt ist er 1672 auch gestorben. Seine Grabstätte ging beim Abriss der alten Dresdner Frauenkirche 1727 verloren. Doch der Kreuzchor errichtete seinem Komponisten ein stimmliches Epitaph der Sonderklasse: "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" , "Unser Herr Jesus Christus in der Nacht, da er verraten ward", "Jauchzet dem Herren, alle Welt" und zum grandiosen Abschluss die Motette "Das ist je gewisslich wahr" aus der "Geistlichen Chormusik" von 1648. Mit "Herr, höre mein Gebet" von Günther Ramin (1898-1956) war auch eine gemäßigt moderne Motette aus dem 20. Jahrhundert zu hören. Für die Auflockerung zwischen den Motetten sorgten zwei Orgelwerke, makellos dargeboten von Philip Hartmann: der "Marsch Babacou" von Thomas Åberg, in dem sich Bach, Bartók und Couperin gleichsam die Hand reichen, und die Komposition "Bachs Strathspey" John Campbell Maclagans, die ausgehend von Bachs berühmter d-Moll-Toccata Ausflüge in die Welt des Swing und Blues unternimmt. Ein unvergesslicher Abend!

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