Ein Ulmer Markttag im Frühling

18 Grad sind angesagt. Das lässt kaum einen in der Stube hocken. Die Ulmer zieht es ins Freie. Der Münsterplatz und die Ufer der Donau sind beliebte Treffpunkte. Was sich der höchste Kirchturm der Welt und der Ulmer Spatz wohl zu sagen hätten über das neue Leben in der Stadt? Ein imaginäres Zwiegespräch.

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Samstagmorgen. Um 8 Uhr zeigt das Thermometer bereits neun Grad. Ein Traumtag kündigt sich an. Könnten das Ulmer Münster und der steinerne Spatz auf seinem Dach kommunizieren, hätten sie sich viel zu sagen. Das klänge etwa so: „Heute ist Markttag“, sagt das Münster. „Wie jeden Samstag“, erwidert der Spatz und fragt gähnend: „Was ist so besonders daran?“ Das Münster schließt genüsslich die Augen. „Es ist Frühling. Die Ulmer sind fröhlich und genießen die Wärme. Und heute ist das große Basketball-Turnier, weshalb ich schon die ganze Nacht so schön orange erleuchtet war.“ Den sonst so aufgeweckten Spatz überzeugen heute weder Sonnenstrahlen, noch Basketball.

„Ah“, ruft das Münster, „da sind ja Lydia und Ingeborg.“ Wie jeden Samstag genießen die zwei Ulmer Damen ein Glas Prosecco am Rande des Münsterplatzes. „Das ist einfach das Schönste – der Markt, der Blick aufs Münster“, sagt Lydia. „Da möchte ich noch mal rauf“, erwidert Ingeborg sehnsuchtsvoll. „Mit 72 Jahren wird das nichts mehr“, antwortet Lydia und lacht. Beide stoßen mit ihren Gläsern an und blicken zufrieden. Gegen zehn Uhr sind die Tische im Freien des Café Tröglen beinahe fast alle besetzt.

Das Münster beobachtet das bunte Treiben genüsslich. Es riecht nach Tulpen, sonnengereiften Erdbeeren und frischem Brot. Noch kommen die Erdbeeren aus Italien. „Zwei Schalen für drei Euro“, ruft ein Marktschreier. Der Chicoree, den es für 50 Cent das Stück zu kaufen gibt, kommt jedoch schon ausschließlich aus Deutschland. Ebenso der Ackersalat – 100 Gramm für 1,50 Euro. Gegen elf Uhr ist es kaum mehr möglich, in Ruhe zwischen den Ständen zu schlendern. Zu viele Besucher drängeln sich in den Gassen. Das Brot ist schon beinahe ausverkauft. Wer auf dem Markt einkaufen will, muss früh aufstehen und Zeit mitbringen.

„Herrlich, findest du nicht?“, schwärmt das Münster. „Du hast wohl zu viel Feinstaub geschnüffelt?“, grummelt der Spatz. Er kann sich nicht auf die Marktplatzidylle konzentrieren. Ihn nerven die Möwen, die gierig auf der Donau nach einem Stück Brot schreien. Möwen – was denen wohl einfällt? Eine junge Familie füttert die Vögel. „Zum Glück stehen sie auf Neu-Ulmer Seite“, sagt der Spatz in spitzem Ton.

Am Jahnufer lässt Uta Burghardt mit ihrer zweijährigen Enkelin und Marvin, dem Sohn ihres Lebensgefährten, Steine übers Wasser springen. „Wir genießen die Sonne, die frische Luft“, sagt sie. Die 52-Jährige wohnt seit Januar in Neu-Ulm. „Ich bin noch immer dabei, die Stadt zu entdecken und bin total begeistert.“ Am Nachmittag will sie sich ein Fußballspiel von Marvin in Blaubeuren anschauen. „Dann feuern wir ihn so richtig an“, sagt Uta Burghardt mit Vorfreude.

„Fußball. Das ist ein ordentlicher Sport“, freut sich der Spatz. „Als ob du dir auf die Spatzen was einbilden könntest“, sagt das Münster. Zwischen frisch aufgeblühten Narzissen haben einige eine Decke niedergelegt, lesen, sonnen sich oder beobachten eifrige Jogger. „Fußball begeistert jeden und kann überall gespielt werden.“ Er deutet auf die Friedrichsau. Dort positioniert sich gerade Georgios Kavallaris auf dem Rasen nahe der Donau. Im hellblauen Trikot fixiert er den Ball, fasst das Tor – bestehend aus zwei Fahrrädern – ins Auge, läuft an und schießt direkt in die Arme seines Sohnes Leo. „Ich bin kein so guter Schütze“, sagt Kavallaris lachend. „Wir versuchen jeden Samstag raus zu gehen, spielen Fußball oder Federball.“ Leo steht längst wieder bereit. Noch ein Versuch. Wieder hält der Elfjährige. Nach drei Treffern wollen die beiden ihre Positionen wechseln.

Münster und Spatz beobachten Vater und Sohn noch eine Weile. Langsam bekommt auch der Spatz gute Laune. Zugeben will er das aber nicht. Die Marktstände werden abgebaut, Cafés und Biergärten bevölkert. „Schön“, seufzt das Münster. „Endlich wieder Frühling in Ulm.“
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