Ein Souvenir, ein Souvenir: Süße und würzige Erinnerungen

Socken für Trinkflaschen, eingeschweißte Lachsforellen, Blumensamen und Medikamente - nichts ist so vielfältig wie Mitbringsel. Wir haben uns bei reisefreudigen Ulmern und Neu-Ulmern umgehört.

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Caroline Schwarz hatte in Tokio alle Hände voll zu tun, um Zeitschriften, Hello-Kitty-Mundschutz und Trinkflaschen-Socken zu kaufen. Foto: Matthias Kessler

Ein Souvenir ist in der Regel etwas Landestypisches, das man als Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis, einen Ort oder eine Person mitnimmt. Man kann das Mitbringsel für sich aufbewahren, aufessen oder weiterverschenken. Hier eine kleine Sammlung.

Ein Tim Tam besteht aus zwei Biskuitlagen in geschmolzener Schokolade, dazwischen eingebettet ist eine leichte Schokoladencreme. Die australischen Kultbiskuits gibts dann in so leckeren Geschmacksrichtungen wie "Mint Crisp", "Sweet Surrender Choc Hazelnut Flavoured Mousse" oder "Choco Strawberry". Und sie schmecken alle. Davon überzeugen konnten sich die Mitarbeiter der Tourist-Info im Stadthaus Ulm Ende Februar.

Kollegin Corina Michelberger (29) hatte ein ganzes Sammelsurium an Nervennahrung von ihrer Rundreise in Australien mitgebracht, wo sie vier Wochen mit dem Camper unterwegs gewesen war. "Süßigkeiten aus dem Urlaubsland sind unser klassisches Kollegen-Mitbringsel", sagt die Ulmerin. In Melbourne hat sie übrigens eine ausgewanderte Bekannte besucht. Auch für sie gabs Mitbringsel. Allerdings keine Ulmer Spezialitäten, sondern Medikamente. "In Australien ist längst nicht alles erhältlich, was es bei uns gibt", sagt Corina Michelberger. Und ein Schokoladenkeks kann zwar trösten, aber eben längst nicht alles heilen.

Wo gibt es so abgefahrene Dinge wie Hello-Kitty-Mundschutz, Fächer, Kimonogürtel oder Socken für Trinkflaschen? Genau, in Japan. Im März war Caroline Schwarz für fünf Tage in Tokio - und hat sich voll dem Souvenir-Rausch hingegeben. "Ich konnte kaum aufhören", sagt die 47-Jährige. Wofür aber, haben wir die Ehinger-Schwarz-Geschäftsführerin gefragt, braucht man Trinkflaschen-Socken? "Die braucht man überhaupt nicht", sagt sie und lacht. Mutmaßlich seien die Flaschen-Socken wohl für Erstklässler gedacht. Aber ihre beiden Töchter, 16 und 19 Jahre alt, hätten sich sehr wohl über die Überzüge mit Affen- und Eulen-Motiv gefreut.

Auch Freunde und Mitarbeiter wurden bedacht: Für sie gab es "Augen zum Ausmalen". "Das erste Auge malt man für einen Wunsch aus - und wenn er sich erfüllt, das zweite." Dieser Tage steht für Caroline Schwarz ein Italien-Urlaub an. Man darf gespannt sein, was sie dort für Mitbringsel auftut.

Dagmar Engels, Leiterin der Volkshochschule, fährt im Urlaub immer an den Chiemsee zum Segeln. Für ihre Nachbarn, die in ihrer Abwesenheit ihre Kräuter gegossen haben, hat sie etwas mitgebracht: Graved Lachsforelle von Chiemsee-Fischer Florian Kirchmeier in Seebruck. "Schmeckt sensationell gut und ist eingeschweißt ein super Mitbringsel", sagt Dagmar Engels. Nun gibt es im Chiemsee keine Lachsforellen, Kirchmeier kauft sie in einer Fischzucht. Er beizt sie nach Art des skandinavischen Graved Lachs, erzählt sie. "Dazu verkauft er eine süße Senfsoße - zusammen der absolute Hit." Die vh-Leiterin schlägt sich damit immer im Urlaub den Bauch voll, "ich habe das in drei Wochen bestimmt fünfmal gegessen". Das erklärt, weshalb sie sich selbst keine Graved Lachsforelle mitgebracht hat - zumal Dagmar Engels demnächst wieder an den Chiemsee fährt.

Wirtin Lisa Geiger vom Wiley Club in Neu-Ulm hat erst vor kurzem ihre Verwandtschaft in Ungarn besucht und zwar auf dem Land, 25 Kilometer von Budapest entfernt. "Meine Onkel und Tanten sind noch Selbstversorger", erzählt sie. Deshalb waren die selbst gemachte Aprikosenmarmelade und die kleinen scharfen Paprikaschoten eher Geschenke von der Verwandtschaft statt Souvenirs - oder beides bis zum nächsten Besuch.

Die Marmelade wird Lisa Geiger selbst zum Frühstück essen. Die Paprikaschoten, die man gut trocknen kann, will sie weiterverschenken an Freunde und Nachbarn. "Denn ich koche selbst nicht, ich hab ja ein Lokal", sagt sie. Und was nimmt sie wiederum ihren ungarischen Verwandten als Mitbringsel mit? "Außergewöhnliche Gemüse- und Blumensamen, denn die sind in Ungarn sehr teuer."

Peter Schmidt, der Verkaufsdirektor des SÜDWEST PRESSE und Hapag Lloyd-Reisebüros in Ulm, liebt Mexiko "über alles". Obwohl er oft dort ist, hat er sich aus Chichen Itza, mitten im Urwald in Südmexiko, zwei handgefertigte Figuren aus einem schwarzen glänzenden Stein - "wie Onyx" - mitgebracht. Diese Art Inkafiguren stehen auf seinem Schreibtisch im Reisebüro, so dass Schmidt nicht nur in Form von Reisekatalogen immer etwas Mexiko um sich hat.

An jedem Urlaubsort, an dem er erstmals kommt, kauft Klaus Mager einen Kaffeebecher. "15, vielleicht 20" hat der Geschäftsführer des Schuhhauses Werdich mittlerweile. In diesem Jahr kamen Tassen mit Lissabon- und Hamburg-Schriftzug zur Sammlung dazu, genauer: "Die Tasse aus Hamburg steht noch bei meinem Bruder. Er bringt sie mir im Herbst mit."

Jeder Becher wird im Hause Mager auch benutzt, und zwar mit Bedacht. Wenns regnet, greift er zum Beispiel zur Berlin-Tasse. "Als ich dort war, war es kalt und nass. Es hat nur geregnet, und ich habe mir eine dicke Erkältung eingefangen." Bei schönem Wetter wie jetzt trinkt er seinen Kaffee gern aus der Lissabon-Tasse - auch der noch frischen Erinnerungen wegen: "Lissabon ist wunderschön und nur zu empfehlen."

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