Neues Aufnahmehaus: Ein sicherer Hort für obdachlose Frauen

Vier Einzelzimmer und psychologische Betreuung: Mit dem neuen Aufnahmehaus in Wiblingen schließt das Deutsche Rote Kreuz eine Lücke. Am 1. August ziehen die ersten Bewohnerinnen ein.

|
Vorherige Inhalte
  • Vor allem ältere Sozialhilfeempfängerinnen mit psychischen Problemen und ohne soziales Netzwerk sind zunehmend von Obdachlosigkeit bedroht. Für sie gibt es mit dem DRK-Aufnahmehaus im Wiblinger Lustgartenweg ein neues Angebot. 1/2
    Vor allem ältere Sozialhilfeempfängerinnen mit psychischen Problemen und ohne soziales Netzwerk sind zunehmend von Obdachlosigkeit bedroht. Für sie gibt es mit dem DRK-Aufnahmehaus im Wiblinger Lustgartenweg ein neues Angebot. Foto: 
  • Schlüsselübergabe: Von rechts DRK-Vorsitzende Ronja Kemmer, Vermieterin Renate Graf, Psychologin Iolanda Olah. 2/2
    Schlüsselübergabe: Von rechts DRK-Vorsitzende Ronja Kemmer, Vermieterin Renate Graf, Psychologin Iolanda Olah. Foto: 
Nächste Inhalte

Wie viele obdachlose Frauen es im Raum Ulm gibt? „Schwierig herauszufinden, die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Karin Ambacher, Leiterin des Übernachtungsheims des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Frauenstraße. Weibliche Obdachlosigkeit sei vielfach versteckte Obdachlosigkeit. „Wohnungslose Frauen lassen sich oft auf Deals mit Männern ein, die sie bei sich einziehen lassen, aber dafür sexuelle Gegenleistungen fordern.“ Pro Jahr seien es jedoch zwischen 25 und 30 Frauen, die in der Frauenstraße aufschlagen  und dort in einem separaten Mehrbettzimmer des DRK-Heims untergebracht  werden. Für viele sei es aber ein Problem, Zeit in einer von männlichen Bewohnern dominierten Einrichtung zu verbringen. „Bei fast jedem Schritt, den sie tun, müssen sie an Männern vorbei.“ Gerade für Frauen mit hohem Schutzbedürfnis purer Stress.

Für sie hält das DRK ab 1. August ein neues Angebot parat. Im neuen Aufnahmehaus im Wiblinger Lustgartenweg 17 finden maximal vier Frauen ein Zuhause, die akut von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Bei Bedarf werden sie zudem im Alltag von einer Diplom-Psychologin des Roten Kreuzes (siehe Infokasten) unterstützt.

Die Zustände muten im Vergleich zum bisherigen Status geradezu paradiesisch an – nicht nur, weil das von Privat ans DRK vermietete Einfamilienhaus in einer gut bürgerlichen Gegend nahe des Klosters liegt. Auch das Interieur ist ansprechend.  So gibt es vier Einzelzimmer, drei Bäder, einen Gruppenraum und eine Küche. „Das ermöglicht Gemeinschaft und Privatsphäre zugleich“, sagt Ambacher.  Zielgruppe sind vor allem ältere Frauen, von denen es nach Beobachtung der DRK-Verantwortlichen immer mehr gibt. „Frauen, die ohnehin psychisch angeschlagen sind, kein soziales Netz haben und infolge von Mietschulden gekündigt werden“, wie Ambacher erläutert.

Erstaufnahme- und Vermittlungsstelle bleibt das Übernachtungsheim in der Frauenstraße. Schwierigere Fälle – etwa jüngere Frauen mit Drogen- oder Alkoholproblemen – sollen nach wie vor dort untergebracht werden. Das Wiblinger Haus ist vor allem für Frauen gedacht, die einen geschützten Raum brauchen, um eigenverantwortliches Leben wieder zu lernen, und letztlich wieder in einer eigenen Wohnung unterzukommen. Deshalb ist auch eine relativ lange Verweildauer  von bis zu 18 Monaten möglich.

Die Frauen erhalten keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung, sagt Diplom-Psychologin Iolanda Olah. Es gehe darum Vertrauen zu schaffen, etwa durch gemeinsames Kochen oder Basteln. Auch Begleitung und Hilfe bei Jobsuche, Haushaltsführung sowie frauenspezifischen Problemen gehörten zum Angebot. „Es geht schlichtweg darum, den Alltag zu meistern.“

Betreuung Zuständig für die Unterstützung der Bewohnerinnen ist Diplom-Psychologin Iolanda Olah. Sie hat mehrere Jahre im DRK-Übernachtungsheim gearbeitet und war zudem in der Flüchtlingssozialarbeit tätig.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

31.07.2017 08:17 Uhr

Deutschland geht es so gut wie nie zuvor.

Ich frage mich, wem es so gut wie nie zuvor geht ?
Ich freue mich sehr, über dieses Haus für Frauen !!!!
Bitte mehr davon.

Man liest so viel von Kinderarmut, Obdachlosigkeit der Frauen steigt ... Altersarmut ( die auch mich ganz konkret betreffen wird ), junge Menschen, die kaum noch eine Perspektive haben.
Man denkt an viele Dienste an Roboter zu vergeben, die gerade entwickelt werden ..
????
Wem also geht es gut ?

Der Wirtschaft ? Freuen die sich auf die billigen Arbeitskräfte ?

Aber wer soll denn die hergestellte Ware kaufen, wenn viele aus der Bevölkerung immer weniger verdienen dürfen und mancha gar nichts mehr ?
Wenn man die Errungenschaften der Gewerkschaften in manchen Bereichen kippen will ?

Was geht hier vor, in diesem Land ?

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Kripo-Beamter der Ulmer Polizei vor Gericht

Wegen Strafvereitelung und Unterschlagung von Geldbußen in zig Fällen muss sich ein Polizist vor der Justiz verantworten. Der Angeklagte bestreitet alles. weiter lesen