Ein Rothko als Kulisse

Gleich zweifach wird die Kunsthalle Weishaupt "bespielt". Zur neuen Ausstellung "American Idols" mit Werken aus der Sammlung wird ein Stück über Mark Rothko aufgeführt. Direkt neben den Originalen.

|
Wolfgang Schukraft wird seinen Mark Rothko in "ROT" unmittelbar bei dem roten Rothko-Original in der Kunsthalle spielen. Foto: Volkmar Könneke

Jede Liebesbeziehung beginnt mit einem Bekenntnis. Das von Wolfgang Schukraft ist entwaffnend ehrlich. Das Werk von Mark Rothko, das habe er gar nicht gekannt, bevor er das Stück "ROT" von John Logan sah. Vielleicht ist der Leiter der Theaterei Herrlingen ja gerade deshalb so enthusiastisch über sein neues Projekt: Er wird das Schauspiel über den bedeutenden abstrakten Expressionisten Mark Rothko aufführen. Und zwar neben den Originalen.

Mit dem Künstler selbst kann auch die Sammler-Familie Weishaupt nicht dienen, dafür aber mit einem wunderbar roten Bild des 1970 verstorbenen, heute unbezahlbar teuren Malers, der mit der suggestiven Macht der Farbe arbeitet; bis auf 45 Zentimeter sollte der Betrachter an das Bild herantreten, riet Rothko. Sein Werk hängt jetzt eigens im zweiten Stock der Kunsthalle Weishaupt, denn hier wird auch die Bühne für die mehr als 20 Aufführungen der Theaterei Herrlingen errichtet. Das Werk bildet das schwindelerregend rote Herz und den Ausgangspunkt der neuen Ausstellung. Schukrafts Idee, das Stück hier zu zeigen, war der "gegebene Anlass, unsere Amerikaner wieder ins Licht zu rücken", wie Kathrin Weishaupt-Theopold sagt.

Für die Schau "American Idols", die bis Mitte Oktober zu sehen ist, haben die Weishaupts ihre Stücke "von Basquiat bis Warhol" aus dem Depot geholt. Der Untertitel zeigt es an: Chronologie ist nicht der Leitfaden dieser Präsentation von Werken aus den 1950er Jahren bis 2000, unter denen sich wieder etliche alte Bekannte finden.

Wenn Schukraft sich im zweiten Stock als Rothko mit einem Kunststudenten dialogisch duelliert, dann wird er das umrundet von einer kunsthistorisch bedeutungsvollen Kulisse tun. Zwei Rothkos sind flankiert von Kollegen aus dem abstrakt-expressionistischen Umfeld: Kenneth Noland, Morris Louis und Willem de Kooning. Doch - ein "Combine Painting" von Robert Rauschenberg deutet es an - Rothko ist zugleich konfrontiert mit dem rein größenmäßig übermächtigen Kontrahenten aus der Pop Art: Warhols "Last Supper" mit dem frech gedoppelten Jesus prangt riesenhaft an der "Altarwand" der Kunsthalle. "Diese Künstler bringen mich um", zitiert Wolfgang Schukraft unvermittelt seine Rothko-Figur. Was nichts daran ändert, dass die angrenzenden Räume Basquiat, Michael Ray Charles, Andy Warhol und Keith Haring gehören - letzterer hängt schön vom Tageslicht ausgeleuchtet, sprühend vor Farb-Energie in den hellen Eingangsräumen des zweiten Stocks. Überhaupt ist die Hängung dieses Mal viel gelungener als in der Sammlungspräsentation zuletzt: Sie bietet mehr Licht für die Bilder, die es brauchen, und lässt vor allem mehr Luft für starke Einzelstücke.

Die Vorteile der Beschränkung zeigen sich auch ein Stockwerk tiefer, das dem ganz anderen, dem Minimalismus und seinen Verwandten gehört. Donald Judds kupferglänzend übereinander hängende Platten und zwei Lichtobjekte von Dan Flavin haben einen ganzen Raum, um zu wirken; Peter Halleys "Flow Control" ist eine erfreuliche Ergänzung. Drei Bilder von Josef Albers nebeneinander bringen mehr Erkenntnis über das Quadrat, als es ein vereinzeltes Bild in der Masse leisten kann. Ein eigener Raum ist den Linien gewidmet. Agnes Martins weiße Bilder lassen Sammler Siegfried Weishaupt emotional werden, wie er sagt. Tatsächlich sollte man sich seine Zeit nehmen, um vor den zarten Linien der Serie "On a Clear Day" zu meditieren.

Umgekehrt, auf Schwarz, arbeitet Frank Stella in "Black Series II", was die Künstlerin Elaine Sturtevant dann ins Großformat hebt, in "Stella - Getty Tomb". Ihr Verfahren, andere Künstler zu "wiederholen", gibt auch dem großen Raum nebenan eine intelligente Doppelbödigkeit. Gleich um die Ecke von Lichtensteins "Perfect Painting" hängt ihre Lichtenstein-Version "Modern Painting with nine Panels". Darüber schwebt Reproduktions-Artist Andy Warhol, der seine Leonardo-Adaption allerdings mit dem Pinsel bewerkstelligte, die verlaufenden Farbspuren demonstrieren es. Was Mark Rothko wohl dazu gesagt hätte? Das wiederum wird man von Wolfgang Schukraft zu hören bekommen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Der neue Ulmer Theater-Intendant stellt sein Leitungsteam vor

Kay Metzger, der künftige Intendant, hat sein Leitungsteam vorgestellt. Den Schauspielchef kennt das Publikum: Jasper Brandis hat im Großen Haus schon „Kasimir und Karoline“ inszeniert. weiter lesen