Ein kleines Krankenhaus feiert

Schöpferisch altern. Diesem Thema widmete sich Altersforscher Andreas Kruse in seinem Vortrag zum 100-jährigen Bestehen der Bethesda Klinik.

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Vor 100 Jahren, am 1. Juli 1913, übernahm die Diakonnissenanstalt Bethesda Elberfeld die ehemalige Privatklinik am Zollernring. Das wurde gestern Vormittag in der kleinen Klinik - sie bietet 90 Betten und 24 Plätze in der ambulanten Pflege - gefeiert. Mit einem Festakt, in dem natürlich die Stadtprominenz und Klinikmitarbeiter anwesend waren. Aber auch einige Patienten, die Alten, waren dabei. Sie hörten von den einzelnen Stockwerken aus zu, die zum Lichthof führen. Auf die wechselvolle Geschichte der Klinik - zunächst war es ein Entbindungsheim, dann kam die Chirurgie dazu, heute ist das Bethesda eine Klinik für Altersmedizin - ging auch der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner ein. Für ihn bedeute 100 Jahre Bethesda "100 Jahre Begleitung der Menschen in guten wie in schlechten Tagen".

Altern heißt nicht nur Einbußen hinnehmen bei körperlichen, geistigen und sozialen Aktivitäten. Altern heißt auch "die schöpferische Kraft des Menschen in den Vordergrund zu stellen und seine Verletzlichkeit zu akzeptieren". Das sagte Andreas Kruse in seinem Festvortrag. Kruse macht sich schon von Berufs wegen Gedanken ums Alter. Er ist nämlich Direktor des Instituts für Gerontologie der Uni Heidelberg. Und der Alterswissenschaftler berät als Vorsitzender der Altenberichtskommission die Bundesregierung.

Seine Ansicht: Was altern bedeute, darüber sollte man bereits in der Mitte des Lebens nachdenken und stets verantwortungsvoll mit dem Körper umgehen. "Erkenne auch in der Arbeitswelt deine körperliche Verletzlichkeit." Ein 60-Jähriger müsse nicht so leistungsfähig sein wie ein 30-Jähriger. Er selbst, als 58-Jähriger, könne nur sagen, dass er im Alter seine Seele differenzierter wahrnehme. Falten, Haarausfall - "das ist für mich kein Problem", sondern eher ein Zeichen, dass "ich durch die Zeit schreite". Und das Alter bringe Wunderbares mit sich, nämlich "Kinder, Enkelkinder - das genieße ich".

Der Geschäftsführer und Chefarzt der Agaplesion Bethesda Klinik Ulm, Thorsten Nikolaus, dankte Kruse ausgesprochen herzlich für seinen Vortrag. Kruses Bücher seien ihm stets Inspiration gewesen: "Mit 40 Jahren konnte ich sicher mehr Medikamente runterbeten, aber heute, im höheren Alter, kann ich Menschen besser behandeln."

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