Ein Geschäft mit Emotionen

An einem Messestand will ein Unternehmen sich und seine Produkte präsentieren. Das geht am besten über Emotionen - Jürgen Fey erklärt, wie. Fey Messedesign vertritt Kunden weltweit.

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    Kennt sich aus mit Messeständen: Jürgen Frey. Foto: 
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    Ein Eisblock am Messestand der Nagel-Gruppe.
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    Ein Stand für den Trailerhersteller Burg Silvergreen.
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Ein Messestand ist nicht einfach nur ein Messestand. Jedenfalls nicht, wenn er mehr sein soll als nur ein banaler Verkaufsplatz der Firma XY. Ein Messestand muss eine Botschaft senden, sagt Jürgen Fey. Und die heißt: "Erleben Sie uns, genießen Sie es!"

Eine Idee ist wichtig, sagt der 53-Jährige, der mit seinem älteren Bruder Horst die Firma Fey Messe & Objektdesign führt. Egal ob Messestand oder VIP-Loge in Stadien oder Veranstaltungshallen: Wann immer eine Firma sich präsentiert, müssten Emotionen erzeugt, Menschen berührt werden. Mit ausgefallenen Ideen, überraschenden Effekten, ausgeklügelter Lichtführung. . . Wie das aussehen soll? Zum Beispiel so:

Für den Messestand der Nagel-Gruppe aus Ulm hat Fey einen drei Meter hohen und anderthalb Meter dicken Eisblock entworfen, in dem Kunden-Produkte eingefroren waren. Der Eisblock an sich war schon ein Hingucker, und mit dem langsamen Abschmelzen wurden Tag für Tag die Produkte sichtbarer. Fey ist überzeugt: "Das ist etwas Besonderes, daran erinnern sich die Besucher." Damit der Eisblock langsamer schmolz, wurde er über Nacht mit Trockeneis gekühlt.

Auf der Messe ITMA in Barcelona hat Fey für die Firma Groz-Beckert, dem Weltmarktführer von industriellen Maschinennadeln, einen teils zweistöckigen Stand mit 800 Quadratmetern Fläche realisiert. "Dieser Stand wurde ein halbes Jahr später nach China verschickt", erzählt Fey. "Dort wurde er 1:1 wieder aufgebaut." Dafür arbeitet er vor Ort mit Partnern zusammen.

Oder die VIP-Loge von Peri, des Weißenhorner Weltmarktführers für Schalungen und Gerüste, für den Fey weltweit tätig ist: Wie wärs mit einem Bauwagen? Er passt zu Gerüsten, zum Bau überhaupt, findet Fey. Er entwarf eine Loge mit Elementen aus einem Bauwagen, Spinden zum Beispiel. Mit der Einladung, ein Spiel der Ulmer Basketballer in der Peri-Loge zu verfolgen, sollen die Gäste einen Schlüssel erhalten. Er passt zu einem der Spinde, in dem sie dann Werbeartikel und Infomaterial von Peri finden.

"Man muss ins Gespräch kommen", sagt Fey. "Dazu muss man auch mal ins Risiko gehen." Ideen hat er genug, während des ganzen Gesprächs zeichnet er immer wieder auf einem Block vor sich hin. Aber decken sich die Ideen auch mit den Vorstellungen des jeweiligen Kunden? Kommt darauf an, sagt der 53-Jährige. "Die Geschmäcker sind verschieden. Was schick ist, definiert jeder anders."

Für Fey ist deshalb wichtig, ein Unternehmen und seinen Chef erst einmal kennen zu lernen. Bei familiengeführten Unternehmen etwa spiele Tradition eine größere Rolle, Konzerne unterliegen mehr dem Wandel. "Der Kunde muss die Idee mitentwickeln und mittragen. Nur dann steht er dahinter."

Die Brüder Fey beschäftigen 40 Mitarbeiter, darunter Designer, Architekten, Monteure und Berater in den beiden Geschäften in der Dreiköniggasse und am Hauptsitz im Buchbrunnenweg im Junginger Gewerbegebiet. Sie planen, entwerfen und bauen die Messestände und Logen, richten Praxen, Kanzleien und Büros ein. Dabei profitiert Fey von den exklusiven Möbeln, die das Unternehmen ebenfalls verkauft. Ein weltweites Netzwerk sorgt dafür, dass ein einmal entworfener Messestand immer wieder an unterschiedlichen Orten identisch aufgebaut werden kann.

Dieses Netzwerk und die mehr als 30-jährige Erfahrung machen einen großen Teil des Erfolgs ihres Unternehmens aus, meint Jürgen Fey. "Unsere Kunden erschließen sich neue Märkte überall auf der Welt. Wenn wir da nicht mitziehen könnten, wären wir schnell weg." Zu den Fey-Kunden zählen das Ulmer IT-Unternehmen Fritz & Macziol, Wacker Chemie, die Deutsche Post und der Transportdienstleister UPS.

Im Messestandbau hat sich viel verändert. Statt Metall, Holz oder Kunststoff verwendet Fey heute oft Stoff. Abgeteilte Kabinen für ungestörte Gespräche aus einem mit Stoff bespannten Alu-Rahmen statt Gipskarton-Wänden haben zwei Vorteile: "Sie wirken emotionaler und sind schallgedämpfter." Der Stand, den Fey für den Günzburger Trailerhersteller Burg Silvergreen (inzwischen: CIMC Silvergreen) auf der IAA verwirklicht hat, bestand zu 80 Prozent aus Stoff. Ein solcher Stand hat relativ wenig Gewicht - ein weiterer Vorteil, wenn er aufbewahrt, transportiert und am anderen Ende der Welt wieder aufgebaut werden soll.

Fey erzählt und zeichnet. Er erzählt und entwirft nebenbei den Eingang eines Messestandes. Worte reichen ihm nicht, er will das, was er im Kopf hat, dem Gegenüber sofort zeigen. "Der Eingang ist wichtig", sagt er. "Die Menschen müssen geführt werden, müssen begrüßt werden." Und zwar von anderen Menschen: "Das Persönliche gehört dazu, Gesichter, Köpfe, Charme." Da ist es wieder, sein Credo: Mit Emotion Inhalte rüberbringen. Oder eben: "Erleben Sie uns, genießen Sie es!"

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