Ein bisschen Wärme: Katie Melua in Wiblingen

"Typisch englisches Wetter" bescheinigte Katie Melua dem Wiblinger Klosterhof. Die britisch-georgische Sängerin spielte aber trotzdem volles Programm - inklusive ihrer größten Hits.

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Verträumter Weltstar: Katie Melua im Wiblinger Klosterhof.  Foto: 

Am Ende, wir sind schon beim Zugabenblock, da trauen sich zwei sehr junge Mädchen in den Mittelgang. Offensichtlich sind sie ziemlich beste Freundinnen und deshalb müssen sie natürlich eng umschlungen stehen, als Katie Melua "Nine Million Bicycles" singt.

Bei dem Anblick der zwei Mädchen wird einem hilflos warm ums Herz. Auch wenn die Füße kalt sind und man sich kaum zwei Stunden vorher noch heimlich belustigt hat über die von den Veranstaltern versprochenen "Gänsehautmomente". Für Gänsehaut hätte sich Katie Melua am Samstagabend nun wirklich nicht eigens in den ohnehin nicht ausverkauften Wiblinger Klosterhof bemühen müssen - die brachte der Regen freihaus mit. Kuscheln, wie von Veranstalterseite eingangs empfohlen? "Geht nicht", brummt die Sitznachbarin, bewegungsunfähig eingeschweißt ins Regencape. Von innen heraus ist schon gar nichts zu machen, denn der Glühwein ist ja längst ausverkauft, als nach der lokalen Vorband Blue Notes endlich die georgisch-englische Sängerin die Bühne betritt. Im Gepäck eine Gitarre sowie eine verdächtig heiß aussehende Tasse.

Der letzte Glühwein? Nein, selbst Katie Melua scheint keinen mehr abgekriegt zu haben. Es sei nur Tee, wird sie später aufklären. Aber was eine anständige Britin ist, bewältigt mit einer cup of tea auch ein verregnetes Open-Air irgendwo in Deutschland. "A typical english weather" sei das eben, tröstet die hübsche junge Frau ihre "glorious audience" sanft und liebevoll, wie es ihre Art zu sein scheint. Diese Stimme schmeichelt selbst dann noch, wenn sie nur spricht.

Katie Melua ist trotz relativ leichter Gewandung offenbar guter Dinge. Rund eineinhalb Stunden wird sie heute spielen, der Sound im Klosterhof ist ja auch sehr gut, Bühnenbild und Besetzung kommen so klassisch wie sparsam daher: Hinter Schlagzeug, Bass und Piano lassen sich vier weiße Paravents von wechselnd buntem Scheinwerferlicht bespielen. Das sind wohl die "Millionen Farben" der Musik, von denen im Song "Spiders Web" die Rede ist.

Katie Meluas Musik als Farbe - das wäre wohl ein seidig schimmerndes Hellblau. Die klare, immer noch so mädchenhafte Stimme der fast 30-Jährigen streichelt Shirley Basseys "Diamonds Are Forever" ebenso gefällig glatt wie Janis Joplins "Kozmic Blues". Unter den Händen der singenden Elfe wird "Bridge Over Troubled Water" zum versöhnlichen Gute-Nacht-Lied. Das klingt alles schön - aber auch immer ein bisschen gleich. Wo Katie Melua drüberhaucht, wird jeder Herzschmerz ganz schnell wieder heile, ihr Wellness-Blues-Pop kennt keine Untiefen. Wohltuend wie ein warmer Schal und eine Tasse Grünen Tees, doch den "Moment of Madness" nimmt man Melua auch nicht ab, wenn sie sich an einem Hauch von Wildkatze versucht.

Man kann das wunderbar verträumt finden, und so scheint es dem Gros des Publikums zu gehen, das sich gern erwärmen lässt von einwandfreien Ohrwürmern wie "The Closest Thing To Crazy". Schade trotzdem, dass Katie Melua erst im letzten Drittel des Konzerts noch aufdreht. Erst jetzt kommt mit "Two Bare Feet" und "God On The Drums, Devil On The Bass" etwas Rhythmus in die Sache, zu "Shiver And Shake" fordert die Sängerin ihr Publikum zum Tanz auf.

Als Katie Melua "I Cried For You" singt, macht auch der Himmel wieder Anstalten zu weinen. Viele Menschen klatschen im Stehen und zwei sehr junge Mädchen im Mittelgang haben einen innigen Moment. Man raschelt mit dem Plastik-Cape und summt noch ein paar Takte mit. Große Hitze war nicht zu erwarten, aber ein bisschen wärmer fühlt man sich jetzt, immerhin.

Wiblinger Sommerkonzerte

Bilanz "Die Location wunderschön, hervorragende Künstler, es passt eigentlich alles - aber mit dem Verkauf bin ich nicht zufrieden." So lautet Veranstalter Carlheinz Gerns Bilanz der Sommerfestspiele 2014 im Wiblinger Klosterhof. Ritchie Blackmore lockte am Donnerstag 1800 Interessierte an, Alan Parsons am Freitag 2200 und Katie Melua am Samstag knapp 2000 - erhofft hatte er sich bei einem Weltstar wie ihr 3000 verkaufte Karten. cli

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