Ein Besuch bei den Frühschwimmern am Ludwigsfelder Baggersee

Der Morgentau am Ludwigsfelder Badeseee ist noch nicht verdunstet, schon kommt Thomas Schönnenberger aus dem Wasser.

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  • Überaus erfrischend ist so ein frühmorgendliches Bad im Ludwigsfelder See. Dieser Meinung sind viele Schwimmer. 1/2
    Überaus erfrischend ist so ein frühmorgendliches Bad im Ludwigsfelder See. Dieser Meinung sind viele Schwimmer. Foto: 
  • Wer nicht weit entfernt wohnt, radelt gleich im Badeanzug hin. 2/2
    Wer nicht weit entfernt wohnt, radelt gleich im Badeanzug hin. Foto: 
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Der Arbeitsvermittler hat sein Sportprogramm abgespult und macht sich mental bereit zur Nahrungsaufnahme. "Erst eine Runde durch den See, dann geht's zum Frühstück." Üblicherweise ist er um diese Zeit beim Arbeiten, doch an diesem Tag hat er frei und gönnt sich ein erfrischendes Bad im gefühlten 23 Grad warmen Wasser. Was er regelmäßig tut: "An Wochenenden ist das fast obligatorisch, das ist meine Liturgie." Balsam für die Seele und ein Hauch von St. Tropez am Baggersee: "Das ist wie ein Urlaubstag." Und er ist nicht der einzige, der sich um diese Zeit ins Wasser wagt. "Es gibt etliche, die herkommen", weiß er um die Anziehungskraft des Gewässers.

Um "Dreiviertel Acht" sind Carola und Egon Hitzler Richtung See losgeradelt. Das Ehepaar wohnt um die Ecke und steigt im Prinzip regelmäßig in die morgendlichen Fluten. Warum? "Weil es Spaß macht und man sich wohl fühlt." Abgesehen von der positiven Begleiterscheinung, "dass es vor allen Dingen kostenlos ist." Beim Alibi-Plantschen belassen es die beiden nicht: "Wir schwimmen zur Insel in der Mitte des Sees und wieder zurück." Wobei die jahrelange Übung ihre Auswirkung auf das Temperaturempfinden nicht verfehlt hat, wie Egon Hitzler sagt: "Das Wasser hat über 20 Grad, das ist recht angenehm."

So wie sie empfinden es viele Frühschwimmer, wie die verstreuten Kleidungsbündel am Ufer zeigen. Wobei Alter offenbar nicht vor Frühsport schützt: "Die ersten sind schon um sieben Uhr da, darunter auch eine Dame um die 80." Carola Hitzler hat den Satz kaum beendet, da tritt Lisa Mehrer in adrettem Badeanzug auf den Steg. Die Frau ist 77 Jahre alt, sieht aus wie Anfang 60 und hat einen Esprit wie ein Teenager. "Es gibt nichts Schöneres, als morgens schwimmen zu gehen", sagt sie, "das sollten Sie auch einmal probieren." Es gibt nahezu nichts, was sie von ihrer lieb gewonnenen Passion abhalten könnte. Schon gar nicht das Wetter: "Ich gehe auch baden, wenn es regnet." Dafür nimmt sie auch längere Wege in Kauf, zumal sie nicht in Ludwigsfeld, sondern in Söflingen wohnt. Nur im Winter bleibt sie dem Jungbrunnen Baggersee fern: "Dann schwimme ich im Westbad."

Nachwuchs-Sorgen haben die Frühschwimmer nicht. Mit Timo Fernwagner feiert gerade ein neuer Badegast Premiere. Er ist eben erst nach Ludwigsfeld gezogen, hat denn See erspäht und ihn sofort genutzt - Wassertemperatur hin oder her: "Wenn es so ist wie an diesem Morgen, kostet das keine Überwindung." Jochen Mahlmann geht da kein Risiko ein und schlüpft in einen Neoprenanzug. Nicht etwa, weil er empfindlich ist, sondern zu Testzwecken. Mahlmann ist Höhlentaucher und hat gerade einen Unter-Wasser-Scooter zu Wasser gelassen, der ihn mit bis zu sieben Stundenkilometern durch die Fluten schleppt. "Morgen tauche ich im Blautopf und möchte das umgebaute Gerät testen", klärt er auf. Dafür sei der Ludwigsfelder Baggersee bestens geeignet, weil der Einsatz einer derartigen Schlepphilfe bis elf Uhr erlaubt sei, im Gegensatz zu anderen Seen. Und schon taucht er ab und wird wie von Geisterhand durchs Wasser gezogen, was der Szenerie einen Hauch von James Bond oder Mission Impossible verleiht.

Von den Frühschwimmern hat davon keiner mehr etwas mitbekommen, denn die suchen das Weite, sobald die normalen Badegäste das Ufer bevölkern. Mit ihnen ist erst wieder kurz nach Sonnenaufgang zu rechnen.

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