Ehrenamt trotz Handicap

Obwohl Martin Maier im Rollstuhl sitzt, arbeitet er ehrenamtlich. Mit seinem Verein "Kulturloge" ist er einer von 60 Ausstellern, die bei der 4. Freiwilligenmesse zeigen, wie individuell man sich in Ulm engagieren kann.

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    Martin Maier arbeitet ehrenamtlich im Verein "Kulturloge". Foto: 
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    Gabriele Mreisi sagt, Freiwillige sind dringend gesucht. Foto: 
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"Die Kulturloge ist eine einfache und geniale Idee", sagt Martin Maier. Der 50-Jährige ist Mitglied im Vorstand des Vereins, der seit einem Jahr existiert. Die Kulturloge vermittelt an sozial Schwache Freikarten für Veranstaltungen, die Theater oder Museen nicht mehr verkaufen können.

Martin Maier ist wegen einer Virusinfektion seit seinem 17. Lebensjahr querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Er selbst fühlt sich nicht benachteiligt, spielt seit 26 Jahren in der 2. Mannschaft der TSG Söflingen Rollstuhlbasketball und hält sich für "sehr beweglich". Selbstverständllich ist für ihn die ehrenamtliche Tätigkeit bei der Kulturloge: "Es war einfach jemand nötig, der mithilft." Und Kultur, besonders Theater, Ballett und Rockmusik, schätzt er selbst. "Viele haben eine Hemmschwelle, für Kultur Geld auszugeben, wenn es eh vorne und hinten nicht reicht", erklärt Maier.

Drei bis vier Stunden in der Woche verwaltet er, neben seinem Vollzeitjob als Abteilungsleiter bei der Firma Weishaupt in Schwendi, das Programm der Kulturloge: "Das Programm ist der Dreh- und Angelpunkt der Vereinsarbeit." Es beinhaltet Informationen über die Gäste und Veranstaltungen. Wichtig ist, dass Maier die Reihenfolge der Kartenvermittlung im Blick hat, sodass "nicht immer die gleichen Personen Karten bekommen". 340 Gäste hat die Kulturloge zwischenzeitlich. "Gäste" sind Inhaber der Lobbycard oder Personen, die weniger als 1200 Euro brutto im Monat verdienen. Sie müssen dies mit entsprechenden Nachweisen von Sozialamt oder sozialen Einrichtungen belegen. "Das Angebot wird sehr gut angenommen", ist Maier zufrieden, "wir haben eine hohe Vermittlungsrate".

22 Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich in der Kulturloge. Und es dürften noch mehr sein, deshalb stellt sich der Verein am Samstag, 2. März, mit 59 anderen Einrichtungen auf der 4. Ulmer Freiwilligenmesse im Einstein-Haus vor. "Wir wollen Menschen für das ehrenamtliche Engagement gewinnen", erklärt Gabriele Mreisi, Leiterin des Vereins "Engagiert in Ulm" und Mitorganisatorin der Freiwilligenmesse. Nach wie vor sind es viele Rentner, die sich engagieren, aber auch junge Studenten und Berufstätige. "Engagement ist flexibel", sagt Gabriele Mreisi. Auch das Ehrenamt gehe mit der Zeit und sei nicht mehr zwingend ein Vollzeit-Job. "Viele wollen sich engagieren, aber vielleicht nur drei oder vier Tage im Jahr", sagt die Messeorganisatorin. Auch das ist möglich, denn starre Zeiträume für ehrenamtliches Engagement seien kein Thema mehr, sondern eher die Frage: "Wo möchte ich mich einbringen?".

Gabriele Mreisi schätzt, dass 40 Prozent der Ulmer ein Ehrenamt ausüben. Die Beweggründe sind unterschiedlich: "Viele machen es für sich selber. Andere möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben, weil es ihnen gut geht." Man sammle aber auch neue Erfahrungen und komme mit anderen Menschen und Lebenswelten in Kontakt. "Es ist für alle Beteiligten eine Bereicherung."

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