Drogensucht führte zu Einbrüchen

|

Das überraschte. „Frohe Weihnachten noch!“ Gerd Gugenhan hat als Vorsitzender Richter des Ulmer Landgerichts ja schon einiges gesehen, aber selten einen mutmaßlichen Räuber, der seinem Opfer schöne Feiertage wünscht. Zumal das dem 27-Jährigen selbst wohl nicht vergönnt sein wird. Ihm wird unter anderem zur Last gelegt, vergangenen Sommer eine Apotheke in der Olgastraße überfallen und den Betreiber mit einem Teppichmesser bedroht zu haben. Darüber hinaus soll er für mehrere Einbrüche in Dietenheimer Arztpraxen verantwortlich sein.

Taten, die der mehrfach vorbestrafte Angeklagte zwar einräumt, aber dafür eigentlich nicht verantwortlich sein will. „Gehirngulasch“, sprich seine Drogensucht, sei der Grund für die Delikte gewesen. „Polytoxisch“ sei er und süchtig nach Alkohol, Medikamenten und Drogen. „Die haben mich kontrolliert. Ich habe kein Bargeld gesucht, sondern Medikamente.“ Und: „Ich war kaputt“, sagt der Mann, der mit seinem akkuraten Haarschnitt und der Brille eher wie ein Gymnasiast daher kommt. Gleichwohl hat der Spätaussiedler aus Sibirien hierzulande nie recht Fuß fassen können. Sein Strafregister weist einige Ladendiebstähle und kleinere Drogenvergehen auf. Dazu gesellen sich etliche gescheiterte Entzugsversuche. Mit seiner Aufnahme in das Methadonprogramm sollte alles besser werden, doch „dann kam der Rückfall“. Und mit ihm alte Gewohnheiten: „Viele Tabletten, dazu Jägermeister, damit es noch mehr knallt.“

Den Schuss bei seinem gescheiterten Überfall hatte er offenbar dennoch nicht gehört. Damals konnte er gerade noch flüchten, nachdem der Apotheker ihn schon überwältigt hatte. Ein Jahr später verließ ihn das Glück. Eigentlich wollte er zur Substitutions-Praxis, die im selben Haus ist wie die Apotheke, verwechselte aber die Türklingel. Es öffnete der Pharmazeut und der erkannte den gescheiterten Räuber prompt wieder. Als der nach der Arztpraxis fragte, ließ sich der Apotheker den Überweisungsschein zeigen und erfuhr so den Namen des bis dahin Unbekannten. Das brachte den 27-Jährigen letztlich auf die Anklagebank und den Apotheker in den Zeugenstand, wo er nicht nur die Weihnachtsgrüße entgegennehmen konnte, sondern auch eine ausdrückliche Entschuldigung.  Der Prozess wird am heutigen Freitag fortgesetzt. Bernd Rindle  

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

52-Jähriger tötet Freundin und springt von Autobahnbrücke

Ein kreisender Hubschrauber hat am Mittwochabend im oberen Filstal für Aufsehen gesorgt. Ein 52-Jähriger hatte sich vom Maustobelviadukt in den Tod gestürzt. Zuvor hatte er im Landkreis Ludwigsburg seine Freundin getötet. weiter lesen