Dreiste Grabräuber in Ulm - Angehörige sind fassungslos

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Die Frau pflegt fünf Gräber auf dem Ulmer Hauptfriedhof. Ihre Erfahrung:  Blumen und Gestecke werden öfter gestohlen. Sie vermisse zum Beispiel des öfteren Astern.  Foto: 

Auf der schwarzen Erde des Familiengrabs von August Goll, dem Klostermüller von Söflingen, sind Fußabdrücke zu sehen. „Könnten von Turnschuhen stammen“, sagt eine weißhaarige Frau mit detektivischem Spürsinn und setzt ihren Fuß in die Spur. „Etwa Größe 40 würde ich sagen.“ Neben ihr steht ein Mann, der – noch immer fassungslos – erzählt, was passiert ist.

Nicht nur das Goll’sche Grab, auch das seiner Familie, direkt davor, ist in der Nacht verwüstet worden: „Das Weihwassergefäß war samt Marmorsockel herausgerissen und befand sich versenkt im Nachbargrab“, sagt er. Den dazu gehörenden Pinsel fand er im Mühlrad auf dem Goll-Grab und das ganze Beet sei zertrampelt worden. Er habe das Elend morgens entdeckt und gleich den verantwortlichen Friedhofswärter geholt: „Er hat mir nicht viel Hoffnung gemacht. Gehen Sie zur Polizei und stellen Sie eine Anzeige, sagte er.“ Aber da werde wohl nichts herauskommen.

Mit dieser Erfahrung steht der  55-jährige Söflinger nicht allein da. Häufig berichten Bürger, dass ihnen frische Blumen, Gestecke, Schalen und Vasen, Laternen und anderes von den Gräbern gestohlen werden. „Ich kenne das aus Wiblingen – von anderen und aus eigener Erfahrung“, sagt auch eine ältere Frau, die in Söflingen gerade zu einer Beerdigung geht.

Den Überblick über die Entwicklung hat Ulrich Eisenbarth, Leiter der Ulmer Friedhofsverwaltung seit rund 20 Jahren. „Wir haben keine Zahlen und natürlich kommen die Betroffenen nicht in jedem Fall zu uns, aber die Klauerei ist definitiv ein Problem. Die Leute werden immer dreister.“

Beliebt seien Rosen, wahrscheinlich für die Blumenvase zu Hause, Schnittblumen ganz im Allgemeinen und große Gestecke. Deshalb rät die Verwaltung inzwischen davon ab, auffälligen und großen Blumenschmuck vor hohen christlichen Feiertagen und auch jetzt im November zu den Totengedenktagen zu kaufen. „Lieber über das ganze Jahr verteilt kleinere Exemplare. Die animieren nicht so zum Stehlen“, empfiehlt Eisenbarth.

Rezepte gegen den Diebstahl gebe es nicht. „Wenn die Mitarbeiter jemanden mit einem frischen Strauß sehen, können sie denjenigen schlecht anhalten und nach der Herkunft der Blumen fragen.“ Manchmal kämen Leute wütend zur Verwaltung und erklärten, dass ,ihr Blumengesteck’ drei Gräber weiter zu sehen sei – „aber wie soll man das beweisen?“ Man müsse die Diebe schon auf frischer Tat ertappen.

Erinnerung gehört zum Alltag

Der Söflinger wischt mit einem Taschentuch den schwarzen Marmorblock mit dem Weihwasserbehälter sauber. Für ihn gehören die Toten und der Söflinger Friedhof zum Leben dazu. Schon als Kind sei er mit dem Vater zur Grabpflege hergekommen, erinnert sich der Mann. Und wenn er ungeduldig wurde, habe der  Vater gesagt: „Schau auf die Grabsteine und rechne aus, wie alt die Leute geworden sind.“

Ihm sei der Besuch des Familiengrabs und die Erinnerung etwa an seine Mutter wichtig: „Das ist wahrscheinlich altmodisch“, geniert er sich. Er empfinde Respekt vor denen, die dort zur Ruhe gebettet wurden: „Das sind Menschen, die viel geleistet haben.“ Leider gingen Achtung und Rücksicht immer mehr verloren. Und leider habe sich der Söflinger Friedhof sehr geändert: „Er war früher irgendwie heimelig.“ Heute werde schon mal mit Drogen gedealt und Alkohol getrunken. Seine weißhaarige Nachbarin nickt: „Früher war das Tor geschlossen; jeden Tag kam eine Frau und hat morgens auf- und abends zugeschlossen.“ Das habe bestimmt auch Leute abgehalten.

Seit rund zwölf Jahren werden die Ulmer Friedhöfe nicht mehr abgeschlossen. Aus Kostengründen, wie Eisenbarth sagt. „Es geht nicht nur um die Tore, es sind die öffentlichen Toiletten, es sind die Wochenenden...“ Zudem: Gerade an den Feiertagen wie Allerheiligen oder auch Weihnachten besuchten viele speziell am Abend die Gräber ihrer Angehörigen –  „da ist es gut, dass die Anlagen  zugänglich sind.“ Seiner Erfahrung nach werde ohnehin tagsüber gestohlen.

Die Bestohlenen führt der Weg in die Friedhofsgärtnereien. Dort klagen sie ihr Leid, erzählt eine Floristin. Meistens seien es Gräber mit hochwertigem Schmuck. Sie empfindet für die Diebe nur Verachtung: „Tote zu bestehlen – das geht gar nicht.“ Sogar Engelsfiguren von den Gräbern verstorbener Kinder würden gestohlen: „Pfui Teufel.“

Aufgelöste Gräber Werden Gräber aufgelöst und die Angehörigen verzichten auf den Schmuck –  zum Beispiel große Skulpturen und Säulen – wird Rasen gesät und sie bleiben dort stehen. Oder sie werden als Schmuck für Gemeinschaftsgräber verwendet.

Pflege Angehörige sind verpflichtet, die Gräber zu pflegen. Das heißt, keine überwuchernden Sträucher, Unkraut, die zudem benachbarte Gräber in Mitleidenschaft ziehen. Wer sich nicht daran hält, wird aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Im Extremfall wird das Grab sogar eingeebnet.

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Kommentare

31.10.2017 00:07 Uhr

Das sind so armseelige und dumme

Menschen die von Gräbern Blumen und Grabschmuck klauen. Diese Leute haben vor überhaupt nichts mehr Respekt und Achtung. Friedhöfe sind in der Regel rund um die Uhr unbewacht und zugänglich. Sich an anderen Gräbern zu bedienen um das Grab eines eigenen Angehörigen auszustatten ist ein absolutes Tabu. Diese Leute sollten vor Scham im Boden versinken.

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30.10.2017 09:22 Uhr

Deutschland verändert sich

Deutschland verändert sich. Die einen Politiker erfreut das und andere nennen das "modernisieren"

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