Dr. Grub oder: Die Kontinuität in der Ulmer Justiz

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Dr. Friedrich Grub setzt seine Karriere nach Kriegsende fort. Foto: Archiv

Fast schon typisch zu nennen ist die Karriere des Juristen, der Joseph Weiss zum Tode verurteilte: Während der NS-Zeit überzeugter und zuverlässiger Nationalsozialist, was er unter anderem als Amtsgerichtsdirektor und Vorsitzender des Standgerichts Ulm bewies, kam Dr. Friedrich Grub relativ schnell wieder nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Karriereleiter voran. Als "Führungspersönlichkeit der Ulmer NS-Justiz", wie Ulrich Scheib in seinem Buch "Justiz unterm Hakenkreuz" schreibt, war Grub zwar etwas mehr als ein Jahr lang interniert, die Spruchkammer ging allerdings sanft mit dem Juristen um: Sie stufte ihn als "Minderbelasteten" ein. Wie so viele Nationalsozialisten wollte Grub "vielleicht mehr als irgendein Beamter in Ulm der Partei bei Übergriffen immer wieder Widerstand geleistet haben", wie er selber sagte.

Wer war dieser Friedrich Grub (1890-1971)? Nationalistisch und republikfeindlich zeigte sich der gebürtige Stuttgarter schon während der Weimarer Republik. Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg, wegen Dienstuntauglichkeit aber aus dem Heer ausgeschieden, gehörte er dem Schwabenbanner an, einer Vereinigung, die "notfalls auch mit der Waffe in der Hand gegen die kommunistische Gefahr" kämpfen wollte. Am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei und avancierte bald zum Kreisredner, der nur in Uniform auftrat. Grub war Mitglied in verschiedenen NS-Organisationen und -Vereinigungen; aus der evangelischen Kirche trat er 1943 aus und bekannte sich als "gottgläubig".

Bereits Anfang 1948 wurde Grub als juristischer Hilfsarbeiter übernommen, etwas mehr als zwei Jahre später war er wieder in Amt und Würden: zunächst als Amtsgerichtsrat, dann als Landgerichtsrat und schließlich als Landgerichtsdirektor. Nach der Pensionierung wird er zum Geschäftsführer der Ulmer Bezirksgruppe des Verbandes Württembergisch-Badischer Metallindustrieller berufen. In einem Nachruf der Schwäbischen Donauzeitung, der Vorgängerin der SÜDWEST PRESSE, wird der NS-Jurist im Juli 1971 als "vorbildliche Richterpersönlichkeit" geehrt und insbesondere seine "Menschlichkeit und ausgewogene Urteilskraft" gelobt.

Seine Aktivität als Vorsitzender des Standgerichts war übrigens im Spruchkammerverfahren nicht beanstandet worden, schreibt Scheib. Grub rechtfertigte sich nur einmal kurz in Bezug auf den Fall Weiss: ". . .jede andere Erledigung hätte sich mit meinem Beamteneid nicht in Einklang bringen lassen".

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