Dorf hilft bei der Suche nach Hund

Seit Montag um 6.15 Uhr fehlt Flecki. Der Collie-Mischling entwischte auf dem Autobahn-Parkplatz bei Temmenhausen. Seine Besitzer warten dort und suchen ihn im Wald – unterstützt vom halben Dorf.

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Wird seit Montag im Wald bei Temmenhausen gesucht: der Collie-Mischling Flecki.  Foto: 
Sven Hossalla machte auf der Rückfahrt vom Kroatien-Urlaub einen Stopp auf dem Parkplatz Kemmental bei Dornstadt-Temmenhausen. Er wollte Flecki gerade an die Leine nehmen, um ihn zum Pinkeln ins Grüne zu führen. Dann ein Schlag „als ob ein Flugzeug auf die Autobahn fallen würde“. Sven Hossalla erschrak. Flecki erschrak – und nahm Reißaus. Seit dieser Sprengung auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Rand des Imbergtunnels der Bahn-Neubaustrecke am Montagmorgen kehrte der rund 20 Kilogramm schwere und etwa 40 Zentimeter hohe Rüde nicht mehr zurück.

Sven Hossalla und seine Partnerin Lisa Metzler sitzen neben ihrem schwarzen Cabrio und warten, denn der Parkplatz ist der einzige Hinwendungsort für den Vierbeiner. Doch die Bindung zu der Familie ist noch nicht stark, auch wenn der Hund schon mit im Bett übernachtet hat. Die beiden Urlauber aus Trier haben das Tier von einer Bekannten in Kroatien übernommen, die ein größeres Rudel hält. „Da ging es ihm nicht so gut“, sagt sein neuer Besitzer.

Sven Hossalla und Lisa Metzler wandten sich gleich am Montagmorgen ans örtliche Rathaus und machten den zuständigen Jagdpächter ausfindig, um ihn zu bitten, das Tier nicht zu erschießen. Der Temmenhausener Jäger Alfred Sperr gehört jetzt zu denen, die alles daran setzen, Flecki zu finden. Bei Kontrollfahren hat er ihn schon zweimal gesehen. Doch der Hund ist scheu, lässt sich von Fremden nicht anlocken. Sperr hat in der Nähe des Parkplatzes im Wald eine Lebendfalle aufgestellt, wie sie für Füchse verwendet wird. In der Nacht zum Mittwoch kam der Köder, bestehend aus bester Leberwurst, weg, doch der Schließmechanismus wurde nicht ausgelöst. Weitere Erkenntnisse erhofft sich Sperr von einer Wildkamera, die er am MIttwochabend aufstellte. Er hat seine Jagd-Kollegen informiert, auch die Polizei weiß von dem vermissten Hund. „Eine richtig verzwickte Sache“, sagt Sperr, der in seinem Revier schon öfters Hunde aufgegriffen hat, die ausgesetzt worden waren. Doch diesmal liegt der Fall anders. Fleckis Besitzer wollen auf keinen Fall ohne ihn in Richtung Heimat fahren, obwohl dort die Arbeit wartet. Sven Hossalla hat nachts stundenlang auf einer Decke im Wald gelegen, weil nach Ansicht eines Fachmanns der Hund so am ehesten wieder zu ihm zurückkehrt. „Vergangene Nacht saß ich sechs Stunden auf Hochsitzen, habe ihn aber nicht gesehen“, berichtete Hossalla am Mittwoch.

Etliche Leute vom Dorf unterstützen mittlerweile die Suche und versorgen die Hundebesitzer. Ein Feuerwehrmann suchte nachts mit einer Wärmebildkamera, ein Mädchen brachte am Morgen Kaffee, eine Frau später eine Pizza. „Wir haben alles in Bewegung gesetzt“, sagt Alfred Sperr, bei dem die Urlauber auch duschen dürfen. „Die Leute können ja nicht noch tagelang festsitzen“, sagt der Jagdpächter. Mit jedem Tag im Wald werde der Hund noch scheuer. Wie er sich ernährt, wo er seinen Durst still, ist nicht bekannt. „In dem Wald gibt es nicht einmal eine Pfütze“, sagt Sperr.

Sven Hossalla und Lisa Metzler haben jetzt Blätter kopiert. Jemand brachte einen Klammerapparat vorbei, um die Zettel mit einem Foto des Hundes und der Handynummer der Besitzer an Pfosten und Bäumen befestigen zu können. Lisa Metzler schrieb noch handschriftlich hinzu: „Bitte bei Sichtung uns kontaktieren, nicht nachlaufen oder rufen!“ Flecki sei scheu und gehe nicht auf Menschen zu. Das Erlebnis der Sprengung hat dies wohl verschärft, meint Alfred Sperr. „Der Hund ist traumatisiert.“

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