Immer mehr Supermärkte führen Parkplatz-Kontrollen ein

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Seit Februar ist die Parkscheibe bei Rewe in der Wielandstraße Pflicht, sonst droht ein 30-Euro-Knöllchen. Immer mehr Supermärkte reagieren so auf Fremdparker. Manche haben allerdings Schranken wie in Parkhäusern  Foto: 

Zunächst waren die 47-Jährige und ihr Partner ganz einfach baff: 30 Euro sollten sie zahlen, weil sie ihre Parkscheibe vergessen hatten. So stand es auf dem gelben Ticket, das an ihrer Windschutzscheibe klemmte. Nicht nur viel Geld für so ein Vergehen – der Witz dabei: Urheber des Strafzettels war der Rewe-Supermarkt, in dem sie gerade ihren Wocheneinkauf erledigt hatten.

Der Mann, der die Tickets verteilte, stand noch da, „deshalb haben wir ihn aufgefordert, unseren Strafzettel zu stornieren“, erzählt sie. Er habe so ein Gerät wie Politessen in der Hand gehabt und geantwortet, dass dies nicht möglich sei. Daraufhin sei ihr Partner zur Kasse – „und da wurde der Strafzettel dann storniert“. Dass man auf dem Parkplatz vor dem Rewe in der Wielandstraße jetzt eine Parkscheibe brauche, sei ihr zuvor nie aufgefallen. Sie habe die blauen Schilder zwar registriert, aber nicht gelesen.

Ein Fehler, der nur einmal passieren darf, wie die Filialleiterin des Supermarktes auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE erklärt. „Beim ersten Mal wird der Strafzettel ignoriert, vorausgesetzt man hat eingekauft.“ Beim zweiten Mal gebe es trotzdem kein Pardon mehr. „Das sind die Auflagen der Firma, die unseren Parkplatz jetzt kontrolliert.“  Der Geschäftsführer des Marktes hat das Parksystem am 1. Februar eingeführt. Als Notbremse. „Hier haben so viele Leute geparkt, dass unsere Kunden zum Teil keinen Platz mehr fanden“, sagt die Filial­leiterin:  Schüler der Valckenburgschule, Besucher von Messen, von Fußballspielen, Leute, die mit der Straßenbahn weiter in die Stadt fahren, Angestellte einer benachbarten Firma.

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Es wird rigoros abgeschleppt

Das Problem mit Fremdparkern hat nicht nur dieser Supermarkt. Auch Lidl nebendran scheint die Parkplatz-Schmarotzer nicht mehr dulden zu wollen und hat schon länger Parkwächter angeheuert. Auch hier gilt: eine Stunde Parkzeit mit Parkscheibe. „Wir schleppen rigoros ab“, erklärt die Kassiererin. Jeder, der einkauft, werde einmal aufgeklärt und die Autonummer registriert. „Derjenige, der nicht eingekauft hat, wird abgeschleppt. Das ist dann sehr teuer.“ Die Filialleiterin von Rewe nebenan bestätigt das. „Vergangenen Samstag habe ich drüben bestimmt 15 Mal den Abschleppwagen gesehen.“

Abschleppen und Strafzettel sind Michael Droll, Geschäftsleiter bei Marktkauf in der Einsteinstraße, zu wenig kundenfreundlich. Verstehen kann er die Maßnahmen aber schon. „Das ist einfach nicht in Ordnung, wenn einem die Kunden wegfahren, weil sie keinen Parkplatz bekommen.“  Marktkauf, der vor einiger Zeit modernisiert und erneuert wurde, habe in dem Zuge seine Parkmöglichkeiten erweitert und: „Wir haben eine Schranke angeschafft.“ Seitdem kann man dort zwei Stunden parken, danach koste eine Stunde zwei Euro. Viele Beschwerden habe es nicht gegeben. „Es ist ja eine Verbesserung für unsere Kunden.“ Inzwischen hätten sich die Leute dran gewöhnt.

Bereits seit Jahren hat der Rewe-Markt in der Magirusstraße eine Schranke. Auch hier gab das gleiche Problem den Ausschlag: „Leute, die nicht einkaufen, haben hier geparkt“, sagt ein Angestellter. Dort zieht man ein Ticket an der Schranke und hat zwei Stunden Zeit zum Einkaufen. Das Ticket wird an der Kasse entwertet. Wer nicht einkauft, habe 15 Minuten Zeit. „Danach kostet es zehn Euro.“

Eine Schranke sei nicht infrage gekommen, sagt die Filialleiterin von Rewe in der Wielandstraße. „Wir hätten einen Stau verursacht.“ Die Reaktionen der Kunden auf die Parkscheiben-Regelung seien überwiegend positiv, ist ihre Erfahrung. Natürlich gebe es aber auch welche, die das so nicht akzeptierten. Das ist bei der 47-Jährigen der Fall: Sie wird dort nicht mehr  einkaufen. Es gebe schon genug Regelungen und von einem Supermarkt wolle sie nicht erzogen werden: „Mein Vertrauen haben sie verspielt.“

 Für die Stadtverwaltung lohnt sich die Überwachung von Falschparkern: Allein in die Neu-Ulmer Stadtkasse ist am vergangenen Sonntag dank der fleißigen Parkraumüberwachung, die über 100 Verwarnungen verhängt hat, auch viel Geld geflossen – insgesamt fast 2000 Euro.

Kommentar zu Knöllchen: Im Zweifel für den Kunden

Es gibt wohl keine effektivere Methode der Kundenabwehr als arglose Konsumenten mit Tickets kräftig abzukassieren. Die Methode, private Park-Sheriffs auf Einkäufer ohne Parkscheibe anzusetzen, ist nun auch in Ulm angekommen. Leider.

Natürlich haben auch Discounter berechtigte Interessen. Deren Parkplätze werden von Anwohnern und Veranstaltungsbesuchern zweckentfremdet. Kunden mit Auto bleibt oft nur minutenlanges Kreisen rund um zugestellte Flächen, gelegentlich auch das resignierte Wegfahren. Kunden auf diese Weise zu verlieren, kann sich kein Markt leisten. Zu hart ist der Wettbewerb der Discounter, die in ihren Kalkulationen oft um winzige Centbeträge ringen.

Aber der Weg, Privatfirmen gezielt auf Falschparkerjagd zu schicken, ist ganz sicher der falsche. Kontrolleure, deren Einnahmen an die Zahl der verteilten „Knöllchen“ gekoppelt sind, sind an der Maximierung ihres Gewinnes, nicht an der des Einkaufsvergnügens, interessiert. Wenn Discounter achselzuckend auf ihre Konkurrenz zeigen, die ebenso barsch verfährt, ist das zwar legitim. Aber klug ist es gewiss nicht. Die Hüter der begehrten Stellplätze wären sicher besser beraten, zunächst das Gespräch zu suchen und die schwarzen Schafe von vornherein abzuweisen. Alle anderen könnten stressfrei einparken – im Zweifel für den Kunden.

Ein Kommentar von Harald John.

Umfrage Eine kleine Umfrage unter den Discountern im Umland hat ergeben, dass die meisten noch ohne Parkplatzregelung auskommen. Bei Rewe in Erbach und Blaustein, bei Kaufland in Erbach, Edeka in Vöhringen und Netto in Blaustein kann man frei parken.

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Kommentare

09.05.2017 16:22 Uhr

Parkplatzkontrollen

Hier muss man Verständnis für die Supermärkte aufbringen. Auch ich bin schon nach Senden gefahren, weil bei Veranstaltungen in der Arena ( Basketball ) alle Parkplätze bei REWE,,Lidl und Aldi in der Memminger Str. belegt waren. Und das waren sicher keine Kunden.
Ähnliches konnte ich in der Wielandstr. beobachten, wenn im Stadion Veranstaltungen stattfanden.
Die Fahrzeuge der Autofahrer, die am liebsten in die Arena und bis ins Stadion fahren wollen, weil sie zu faul zum Laufen sind, soll man abschleppen.
Die Kunden werden es danken.

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09.05.2017 14:51 Uhr

Datenschutz???

Vor langer Zeit war ich in der Entwicklung eines der ersten freien Systeme der kommunalen Verkehrsüberwachung involviert.
Ich frage mich wie es mit dem Datenschutz steht?

1: „Jeder, der einkauft, werde einmal aufgeklärt und die Autonummer registriert.“ Geht’s’s noch!!! Da kauf ich ein und lande in einer Kartei, die bei einer privaten Servicegesellschaft weggespeichert wird, womöglich mit Einkäufen anderenorts abgeglichen und letztlich anhand einer bescheuerten PayBack Karte ein Kunden(bewegungs)profil angelegt? Die Daten werden dann verkauft und man bekommt Werbung für ein Verkehrssicherheitstraining, dem ADAC, der Lottogesellschaft, allen möglichen Logangeboten eben der Märkte auf die ich reingefallen bin ....

2: Kann eigentlich eine private Firma sich einfach an das Kraftfahrtbundesamt wenden, Kennzeichen von Fremdparkern abliefern und so einfach die kompletten Datensätze bekommen?

Verständlich ist es schon wenn Märkte zerknirscht reagieren, dann sollen sie eben Schranken hinbauen, da gibt es keine ‚Missverständnisse’.

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09.05.2017 11:57 Uhr

Hr. Harald John

Wenn ihre gemütlichen Gedanken in der Praxis doch nur auch funktionieren würden.

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