Diskussion um neues Gesetz zur Ganzstagsschule

Die Grundschule der Zukunft bietet Unterricht von vormittags bis nachmittags mit freien Zeiten. Die Ganztagsschule solls möglich machen. Neun Ulmer Schulen wollen auf das neue Konzept umstellen.

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Einen "wahnsinnigen Bedarf" an Betreuung, den hat Daniel Scherer, Leiter der Friedrichsau-Grundschule in der Oststadt, über die "letzten Jahre hinweg" beobachtet. Deshalb war für ihn klar, als das Ganztagsschulgesetz für Grundschulen im Gespräch war, das zum 1. August in Baden-Württemberg in Kraft treten soll: Eine perfekte Sache für die Friedrichsau-Schule.

Neu daran ist auch, dass die Gesamtlehrerkonferenz und die Eltern beschließen können, ob auf diese Art des Betriebes umgestellt werden soll. Scherer hat die Konferenz einberufen - letztendlich war man sich einig. So stellt sich der Schulleiter seine Schule von September 2015 an vor: Sieben Zeitstunden soll es täglich für die Grundschüler geben, eine Unterrichtsstunde wird nicht mehr 45 Minuten dauern, sondern 90 Minuten. Dazwischen gibt es längere Pausen plus einer Bewegungspause. 8 Uhr beginnt die Schule, 15 Uhr ist Ende. "Da sind die Hausaufgaben gemacht." Der Rest des Nachmittags ist also frei. Scherer ist überzeugt: "Wir werden einen Ansturm bekommen." Zumal das Angebot für die Eltern kostenlos ist.

Sieben-Stunden-Tage für Sechsjährige - was für manche Eltern nach Schwerstbelastungen für ihre Kinder klingt, sieht Gerhard Semler, Abteilungsleiter Bildung und Sport der Stadt Ulm, als notwendige Entwicklung. "Der Trend geht dorthin." Das sagte er am Mittwoch beim Infoabend zur Ganztagsschule, zu dem die Ulmer SPD in die Räume der AWO geladen hatte. Scherer war der einzige Ulmer Schulleiter, der sich dazu eingefunden hatte. Ebenfalls geladen war der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler, der das Schulgesetz mit auf den Weg gebracht hat. Seine Überzeugung: "Ganztagsschule schafft größere Bildungsgerechtigkeit."

Der Ulmer Landtagsabgeordnete Martin Rivoir moderierte den Abend, zu dem sich vor allem Parteimitglieder eingefunden hatten. Eine von ihnen, Heidemarie Lesiow, Angestellte bei der AWO, kritisierte das Gesetz, das vorsieht, dass eine Person 80 Kinder betreuen soll. Der Lohn beträgt 15 Euro pro Stunde. Lesiow: "Das ist ein Armutszeugnis. Es ist mir peinlich, dass so ein Vorschlag von der SPD kommt." Käppeler wies daraufhin, dass das Gesetz nicht nur für Städte, sondern fürs ganze Land erlassen wurde. "Für kleine Schulen stellt sich die Frage nicht. Da gibt es keine 80 Kinder."

Semler plant bereits eine Qualitätsverbesserung des Gesetzes für Ulmer Schulen. Am 3. Juli will er sein Konzept dem Gemeinderat vorstellen. Allein für die Kosten für Betreuungs- und Mensaräume rechnet Semler mit einer Million Euro. Und: "Über den Betreuungsschlüssel sind wir in Verhandlung. So ist das nicht tragbar." Für ihn ist in Sachen Betreuung klar: "Die Bezahlung ist Sache des Landes. Wer bestellt, zahlt."

Was das Ganztagsschulgesetz vorsieht
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