IHK-Umfrage: Ulmer Unternehmen mit Standort zufrieden

Bei der Frage nach dem Standort vergeben die Unternehmen der Region gute Noten. Sie wünschen sich allerdings mehr bezahlbare Wohnungen für Mitarbeiter, mehr qualifizierte Mitarbeiter und ein schnelleres Internet.

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Acht von zehn Unternehmer aus der Region würden den Standort Ulm weiterempfehlen. Im Schnitt vergeben die Firmen für die aktuelle Situation auf der Schulnotenskala von 1 bis 6 eine glatte 2,0. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der IHK Ulm unter 6000 Firmen (siehe Infokasten).

Eine Umfrage, über die sich IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle bei der Präsentation in Ulm sehr zufrieden zeigte. Die Umfrage, die alle fünf Jahre und zum dritten Mal stattfindet, sei ein feiner Seismograph und habe insofern eine erhebliche Bedeutung. Ein Grund sei, dass fast jedes dritte befragte Unternehmen in den vergangenen Jahren expandiert habe. Mit der Zufriedenheitsquote von 82 Prozent liegt die IHK-Region Ulm vor den Nachbarregionen Bodensee-Oberschwaben (73 Prozent) und Reutlingen (75 Prozent). Ein Vergleich mit der benachbarten bayerischen Ökonomie sei schwierig, so Studienleiter Simon Pflüger, weil die IHK Schwaben ein anderes Umfrageverfahren anwende.

Der Süden rückt zusammen

Megatrend: Der Ulmer Wirtschaftsraum gewinnt weiter an Bedeutung. So verzeichnet Ulm „Zuwanderung aus dem Raum Stuttgart“, aber auch die Neuansiedlung eines Unternehmens an der A7, das zuvor in München beheimatet war. Durch die neue Schnellbahnstrecke werde Ulm als Wohnort weiter an Bedeutung gewinnen. „Und es wäre schön“, so Sälzle mit Blick auf die dann 30-minütige Fahrtzeit, „wenn es auch Menschen gibt, die in Stuttgart leben und in Ulm arbeiten.“

Noch eine Erfolgsmeldung für die Wirtschaftsvertreter: Jedes dritte Unternehmen plant, in den kommenden drei Jahren flächenmäßig zu wachsen. Eine Folge der guten Geschäfte, doch genau hier fangen die Schwierigkeiten an. Denn fehlende Gewerbeflächen und zu teure Gewerbeimmobilien sind ein Punkt, an dem die befragten Firmen schlechte Noten vergeben. Noch gravierender ist laut Umfrage der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Hier ist die Zufriedenheit im Vergleich zur Umfrage 2012 um fast zehn Prozent gesunken.

Forderung nach Wohnungen

IHK-Geschäftsführer Sälzle hat beim Bau neuer Wohnungen in Ulm und der Umgebung „akuten Handlungsbedarf ausgemacht. Die aktuellen Anstrengungen von Stadt und Kommunen würden „nicht halbwegs“ ausreichen, um den Bedarf zu befriedigen. Sälze, der dazu in Kürze eine neue Studie vorstellen wird, mahnt: „Wir brauchen sozial geförderten Wohnraum:“ Aber auch das langsame Internet macht ihm Sorgen: Gerade in ländlichen Regionen lasse der Breitbandausbau zu wünschen übrig, hier seien Landes- und Bundespolitik gefragt.

Es mangelt an Facharbeitern

Das mit Abstand gravierendste Problem für alle Unternehmer aber ist der gravierende Mangel an Fachkräften. „Wir haben davor seit fünf Jahren gewarnt“, so Sälzle, „jetzt ist es endlich auch in der Politik angekommen.“ Nach dem IHK-Fachkräftemonitor werden in der Region zwischen 2017 und 2030 jährlich mehr als 14 000 Fachkräfte fehlen, darunter zu 90 Prozent beruflich qualifizierte, nicht-akademische Fachkräfte. Denn letztere, so zeigt die Umfrage, werden immer weniger gefragt. „Die Arbeitslosigkeit der Akademiker wird steigen“, prognostiziert Sälzle.

Lebenswertes Ulm

Die Antworten auf die Frage nach den „weichen Faktoren“ schließlich dürften für Freude im Ulmer Rathaus sorgen, denn die Menschen fühlen sich in ihrer Stadt und Region sehr wohl. Ob beim Image Ulms, den Sport- und Freizeitmöglichkeiten, der medizinischen Versorgung oder den Einkaufsmöglichkeiten – überall vergaben die Firmen Bestnoten.

Und noch eine Besonderheit: Die Unzufriedenheit mit Ulms Baustellen stieg nur marginal, für die meisten Firmen ist es offenbar nicht das dominierende Thema.

Kommentar: Der Wirtschaftswachstum Ulms und seine Grenzen

Ulm boomt. Finanzbürgermeister Martin Bendel hatte schon sprudelnde Steuermehreinnahmen prognostiziert, nun legt die Industrie- und Handelskammer (IHK) nach. Die Lobby der Unternehmen, die den Finger gerne auch mal in die Wunde falsch dimensionierter Verkehrsprojekte oder das innerstädtische Baustellenchaos legt, meldet nach nüchterner Analyse: Es läuft einfach gut!

1600 Unternehmen geben der Wirtschaftsregion unterm Strich die Note 2,0. Eine beeindruckende Zahl. Doch zu Recht hat der IHK-Geschäftsführer umgehend auf die Schattenseiten des Erfolgs verwiesen. Ob Flächen für Erweiterungen, bezahlbare Wohnungen für Angestellte oder die so dringend benötigten Facharbeiter: An vielen Ecken und Enden wird es richtig eng.

Gleichzeitig melden Unternehmer massiven Expanisonsbedarf. Jeder Dritte der Befragten will seinen Betrieb in den kommenden drei Jahren erweitern, schon drängen erste Betriebe aus den überfüllten Wirtschaftsräumen Stuttgart und München in die Region Ulm.

Aber wohin? Nicht nur in Ulm werden Gewerbeflächen knapp. Gleichzeitig steigt auch die Belastung durch Schwerlastverkehr und die Zahl der Pendler. Gleichzeitig gilt es, die anerkannt hohe Lebensqualität der Region hochzuhalten und nicht Wälder und Wiesen zu Gewerbegebieten zu planieren. Es wird die Aufgabe der Politik sein, diese Tücken des Wachstums klug auszupendeln.

Ein Kommentar von Harald John.

Meinungsmonitor Alle fünf Jahre befragt die IHK Ulm-Biberach in Kooperation mit dem EWAS-Institut die Unternehmen. 6004 Firmen meldeten sich zurück, aus der Region Ulm mit Blaubeuren, Blaustein, Ehingen, Erbach, Laichingen, Langenau, Laupheim, Ochsenhausen, Riedlingen, Stadt Biberach und natürlich der Stadt Ulm waren es rund 1600 Firmen.

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Kommentare

01.09.2017 17:19 Uhr

Antwort auf „Immerwährender Wohlstand setzt einen politischen Entscheid voraus”

In meinem vor wenigen Minuten von der SÜDWEST PRESSE veröffentlichten Leserkommentar müsste es "Rückwärtsgewandtheit" heißen und nicht "Rückwärtsgewandheit". Weshalb der fragliche Buchstabe beim Hochladen verloren ging, bleibt mir ein ewiges Rätsel, das ich jedoch in meinem mir verbleibenden Leben nicht mehr lösen will. Offenkundig bereitet künstliche Intelligenz (KI) Probleme, die mit dem menschlichen Verstand nicht zu fassen sind.

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01.09.2017 17:05 Uhr

Immerwährender Wohlstand setzt einen politischen Entscheid voraus

Qualitativ und nicht allein quantitativ betrachtet, könnte die Ulmer Region im globalen Wettbewerb der geeigneten Standorte für eine äußerst produktive Verausgabung menschlicher Arbeitskraft sich einen uneinholbaren Vorsprung sichern, falls die dortige Bevölkerung wenigstens in Teilen die ohnehin vom Souverän gebotene Vernunft walten lässt und schleunigst in Praktiken innehält (siehe zum Begriff des notwendigen Innehaltens insbesondere Horkheimer/Adorno, 2016: 86, 22. Aufl.), welche die Pfade für eine höhere und rationalere Lebens- und Produktionsweise versperren, weil mit aller Gewalt längst überkommene Formen aufrecht erhalten werden, über die aber die Bedürfnisse vor allem der Metall- und Elektroindustrie als dem Herzen der hiesigen Ökonomie bereits bei weitem hinausgewachsen sind. Gelingt die Überwindung solch einer Rückwärtsgewandheit zugunsten eines zukunftsträchtigen Handelns, hätten konkurrierende Metropolregionen wie Stuttgart oder München keine Chance, potenziellen Betrieben jene materiellen und ideellen Vergünstigungen zu bieten, die ihnen die Region in Ulm und um Ulm herum dadurch einräumen kann. Wenn man so will, lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass jeder einzelne Bürger zumindest der Stadt Ulm es selbst in der Hand hat, ob die momentane Prosperität bloß ein kurzer Traum bleibt. Für einen immerwährenden Wohlstand hingegen, der ausnahmslos allen in der Region ansässigen Menschen zugute kommt, wären die Voraussetzungen sozialer Effizienz im Zuge eines politischen Entscheids noch grundlegend zu ändern.

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