Festakt zum Uni-Jubiläum: Die Universität tanzt

Zuerst ein Festakt mit ernsten Worten, dann der Ball mit Musik und Showeinlagen. So feierte die Uni im CCU ihr 50-jähriges Bestehen.

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  • Uni-Präsident Michael Weber und seine Frau Karin (Bildmitte) machten den Auftakt, Sekunden später tanzte die akademische Gemeinschaft. 1/2
    Uni-Präsident Michael Weber und seine Frau Karin (Bildmitte) machten den Auftakt, Sekunden später tanzte die akademische Gemeinschaft. Foto: 
  • Prominentester Gratulant beim gestrigen Festakt im CCU: Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Uni-Präsident Michael Weber. 2/2
    Prominentester Gratulant beim gestrigen Festakt im CCU: Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit Uni-Präsident Michael Weber. Foto: 
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Ganze Arbeit hat er geleistet: Karsten Urban ist nicht nur Hochschullehrer, sondern auch passionierter Tänzer. Als solcher hatte er Uni-Präsident Michael Weber und zahlreiche Professoren-Kollegen im Vorfeld Nach­hilfe in Cha Cha Cha, Walzer und Rumba gegeben. Als die Tom-Lehner-Band Punkt 21 Uhr aufs Parkett bat, gab es kein Halten mehr: Die Universität tanzte – und das bis in die frühen Morgenstunden. Gestärkt hatten sich die annähernd 500 Gäste zuvor am Buffet mit Antipasti, Schweinelendchen an Barolosauce oder gedünstetem Lachs. Als Dessert gab es unter anderem Creme brulée, Obstsalat und Törtchen. Der Ball im CCU anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Uni Ulm war der beschwingte Teil des Jubiläums, das bereits am Nachmittag mit einem Festakt begonnen hatte.

Prominentester Gratulant war der Ministerpräsident, der die Uni Ulm als „Erfolgsmodell“ bezeichnete. „Ihre Stärken sind auch die Stärken des Landes“, sagte Winfried Kretschmann und lobte die Gründung der Universität in den 1960er Jahren als „beispiellose Bürgerbewegung“. Was auf dem Oberen Eselsberg über fünf Jahrzehnte entstanden sei, „ist mehr als ein Campus und eine Klinik. Die Wissenschaftsstadt ist ein bundesweiter Leuchtturm“, so Kretschmann, der als Präsent eine finanzielle Zusage mitbrachte: 900 000 Euro für die Forschungsallianz der Unis Ulm und Stuttgart sowie des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung. Ohne den Namen Trump auszusprechen, warnte der Ministerpräsident vor dem Hintergrund der Entwicklung in den USA, „dass die Wahrheit als Währung der Wissenschaft“ unter die Räder kommen könnte. Systematische Lügen bedrohten Demokratie,  Freiheit und die offene Gesellschaft. Gerade Wissenschaftler müssten für eine aufgeklärte Gesellschaft streiten.

Unis in der Verantwortung

In dieselbe Richtung ging auch der hochpolitische Festvortrag von Peter Strohschneider. Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft machte das Aufkeimen nationalistischer wie autoritärer Strömungen in Europa und der Welt zu seinem Hauptthema. „Die Vulgarität des Stammtischs ist – auch dank der a-sozialen Medien – global geworden.“ Damit einher gehe eine „Verächtlichmachung des wissenschaftlichen Diskurses“, so Strohschneider, der als Beispiele, ebenfalls in Richtung USA gemünzt, das Leugnen des Klimawandels und der Evolutionstheorie nannte. Den Unis komme dadurch eine neue Verantwortung zu. „Sie müssen streiten für eine pluralistische Gesellschaft.“

Die Uni sehe sich als „wichtiger Teil der Stadt und deren Geschichte sowie als Partner und Protagonist in der Entwicklung unserer Region“, betonte Uni-Präsident Michael Weber. Vor der Zukunft sei ihm nicht bange, die Hochschule habe sich als „international anerkannte Forschungsuniversität“ etabliert.

Große Herausforderungen

Eine Forschung, die wichtige Beiträge zu den großen Herausforderungen liefere – als da sind: Alterung, Nachhaltigkeit, vernetzte Mobilität sowie Mensch und Gesundheit. Diesen vorderen Platz im nationalen und internationalen Wettbewerb gelte es zu sichern, sagte Weber – und sprach auch ein großes Defizit an: das Fehlen universitärer Geisteswissenschaften zwischen München und Stuttgart. „Ein bemerkenswerter Zustand“, so Weber in Richtung Kretschmanns.

Die Uni-Gründung habe die Entwicklung der Gesellschaft hin zur Wissensgesellschaft vorgezeichnet, sagte OB Gunter Czisch. Und sie habe Ulm nachhaltig verändert. „Man mag sich heute nicht ausmalen, wo Ulm ohne Universität stünde.“ Czisch kündigte an, die Stadt werde eine Stiftungsprofessur „Vernetzte Mobilitätssysteme“ ins Leben rufen. Mit dem Ziel, das Thema „Digitale Mobilität“ zu vertiefen, das, so der OB, „eines der ganz großen Themen der künftigen städtischen Entwicklung“ sei.

Leitartikel: Grund zum Feiern

Jubiläen stehen hoch im Kurs. Eine runde oder mit Ach und Krach rundgeschliffene Zahl findet sich immer. Auch in Ulm vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht feierlich und ausgiebig zurückgeblickt wirkt auf Vergangenes: Reformation, Einsteins Geburt, Münsterturmbau, Stadtbibliothek, Großer Schwörbrief . . .  Puh! Gibt’s da etwa etwas zu meckern? Nein. Zumindest nicht, solange der mit solchen Jubiläen oft einhergehende Hang zur Selbstbeweihräucherung auf ein erträgliches Maß reduziert ist und das Erinnern nicht zum Ritual verkommt.

Jetzt also die Uni. 50 Jahre wird sie am Samstag. Und das ist tatsächlich ein Grund zum Feiern. Man muss nur etwas zurückblicken. Vor 100 Jahren war Ulm eine Militär-, vor 50 Jahren eine Industriestadt. Beides mag man sich nicht zurückwünschen, beide Male war das Ende unschön.

Die Uni-Gründung am 25. Februar 1967 war kein Geschenk. Unnachgiebige, der hohen Politik über Jahre hinweg gehörig auf die Nerven gehende Ulmer (Bildungs-)Bürger hatten sie dem Land abgerungen. Mit viel Selbstbewusstsein und Weitblick. Hut ab! Dass es klappte, ist dennoch ein Wunder, bedenkt man, dass der damalige Ministerpräsident Kurt Georg  Kiesinger noch Anfang der 60er Jahre beschworen hatte: „Ulm wird nie und nimmer eine Universität bekommen.“

Wenn die Stadt heute summt und brummt, finanziell so gut dasteht wie wenige andere Städte dieser Größe, so hat sie das auch zu einem guten Stück der Uni zu verdanken: dem, inklusive Klinikum, mit Abstand größten Arbeitgeber. Aber es geht nicht bloß um Arbeitsplätze. Ulm ist durch die Menschen, die die Uni und den sie umgebenden Speckgürtel aus Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen ausmachen, auch jünger, moderner, akademischer, ideenreicher, internationaler geworden. Man darf behaupten: Ohne Uni wäre Ulm das, was es bis in die 60er Jahre war: schwäbische Provinz.

Das darf nicht dazu verleiten, die Uni als sakrosankt anzusehen. Der Obere Eselsberg ist kein Heilsbringer per se. Er hat es verdient, dass man sich kritisch mit den dortigen Entwicklungen auseinandersetzt: angefangen bei der Verschulung des Studiums bis hin zur zunehmenden Abhängigkeit der Wissenschaft von der Wirtschaft.

Jetzt aber erst mal Glückwunsch zum Jubiläum. Ihren Lehrbetrieb aufgenommen hat die Uni übrigens erst 1969. Da könnte man in zwei Jahren eigentlich getrost nochmal . . .

Gäste nahmen am Festakt im Congress Centrum teil, darunter unter anderem die Alt-OB Ernst Ludwig und Ivo Gönner, Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel, Rabbiner Shneur Trebnik, die IHK-Spitzen Peter Kulitz und Otto Sälzle, Gold-Ochsen-Chefin Ulrike Freund, Sparkassenchef Manfred Oster, die Bundes- und Landtagsabgeordneten Ronja Kemmer, Hilde Mattheis, Jürgen Filius und Martin Rivoir.

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