Die Stunde der Stimme

Kontrabass und Stimme, nicht mehr, nicht weniger. In dieser Besetzung begeisterten Andreas Schaerer und Bänz Oester im Stadthaus ihr Publikum.

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Ein kongeniales Duo: Andreas Schaerer und Bänz Oester. Foto: Udo Eberl

Ob als explosiver Beatboxer, Mund-Instrumentalist oder Sänger, Andreas Schaerer verzichtete im Stadthaus gänzlich auf den Einsatz von Kompressoren und Effekten, um das Mögliche, aber auch das Unmögliche zu realisieren. Da wurden Klangwelten gezaubert, Expressives und zum freien Tun hintreibende Hysterie wurde von einer Ballade aufgefangen, Kunstsprachen bewegten sich in die Nähe des Schwyzerdütsch, Extremes wurde mit Leisem und fast Durchsichtigem verbunden.

Derweil sorgte Bänz Oester am Bass nicht nur für die Grundierung, er setzte gekonnt perkussive Effekte, ließ die Saiten schon mal trocken scheppern oder ließ den breiten Rücken seines Kontras mittels einer mit einem weichen Gummiball modifizierten Fußmaschine für Schlagzeuger zur Bassdrum werden. Schaerer denkt schräg, maß während des Konzerts die Diagonale von seinem rechten Schuh zur Münsterspitze aus und ähnliches passierte auch in der Musik. Ein Hauch von Bass, darüber ein mundgeblasenes jazziges Trompetensolo, von dem so mancher Blechvirtuose träumt. Fast nebenbei auch noch in Rücklage gespielte Drums mit reichlich Groove und Swing auf den Lippen, endend mit einem gewaltigen Trommeldonnerwetter. Wo waren sie nur bei dieser mundartistischen Lehrstunde, die Beatboxer der HipHop-Szene?

Mehr als unterhaltsam, dass Schaerer stets auch den Schalk im Nacken hatte, besonders wenn er eine Art Comic-Kunstsprache bewegt inszenierte, um sich dann in die weltmusikalischen Weiten Afrikas oder gipfelstürmende Höhen zu begeben. Grandios auch, was er der kleinen Maultrommel an Sounds und perkussiver Power zu entlocken vermochte. In der heftig herbeigeklatschten Zugabe bewegte sich das Duo noch auf den Spuren Thelonious Monks, kontemplativ und tief im Kern der Musik. Auch das war trotz aller Aha-Effekte eine Stärke dieser Zwei.

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