Die spinnen, die Briten!

Vom Schwarzwald bis ans Schwarze Meer in einem Ruderboot - das haben sich die beiden Briten Mark Hughes und Jonathan Cowie vorgenommen. Nur das Hochwasser hatten sie nicht auf der Rechnung.

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    Noch sitzen Mark Hughes (vorne) und Jonathan Cowie auf dem Trockenen. Foto: Oliver Schulz
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Gebannt schauen Mark und Jonathan auf das, was sich auf dem Vereinsgelände des Ulmer Ruderclubs Donau (URCD) tut. Denn die beiden 32-Jährigen sitzen ungern auf dem Trockenen. Seit Sonntag warten sie darauf, dass sie mit ihrer "Fight & Spirit" in See, genauer gesagt in den Fluss, stechen können. Heute soll es endlich soweit sein.

"Katastrophenalarm", das Wort haben die beiden Briten gelernt - der wichtigste Untertitel bei Fernseh-Berichten übers Hochwasser. Der Anblick der Donau bei ihrer Ankunft am Sonntag hat sie beinah aus den Schuhen gehauen. "Schlechtes Timing", meint Mark. Bei diesem Pegelstand war nicht an einen Start zu denken, obwohl ihr Boot hochseetauglich ist. "Aber es ist besser hier zu sein, als von der Flut eingeholt zu werden", stellt Jonathan fest. Immer positiv denken.

So steht die "Fight & Spirit" auf einem Bootswagen im Hof des URCD. Sieben Meter lang, 600 Kilo schwer ist das Ungetüm. Der Innenraum sieht aus wie ein zu breit geratenes Rennboot. Rollsitze, Stemmbretter, Ausleger an den Seiten. Geschlafen wird in einer kleinen Kajüte im Heck. "Es ist wie Camping", sagt Mark. Der Vergleich mit einem Sarg wäre vielleicht passender.

Gerudert wird vom ersten Sonnenstrahl bis zur Dämmerung. 100 Kilometer am Tag sollten es sein, denn bei 3200 Gesamt-Kilometern ist nicht viel Zeit. "Wir sind spät dran", meint Mark mit einem Anflug britischen Humors. Nachts liegt das Boot vor Anker. Essen wollen sie aber auf dem Fluss. "Nudeln und Porridge", verrät Jonathan den Speiseplan. Vom schottischen Whisky ihres Sponsors Ardbeg haben sie nur eine Flasche dabei. "Vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer" ist ein ehrgeiziges, auch ein verrücktes Projekt. Eigentlich sollte es eine Umrundung der britischen Inseln werden. "Anfangs waren wir acht Leute, die das machen wollten, dann ist einer nach dem anderen abgesprungen. Wir beide sind übriggeblieben", fasst Jonathan kurz zusammen.

Rund um Großbritannien hätte allerdings Monate gedauert, deshalb suchten der Schotte Jonathan und der Engländer Mark ein neues Ziel: "Die Donau klang spannend. Viele verschiedene Länder und dann noch das Schwarze Meer", erzählt Mark. Ulm wurde als Startpunkt auserkoren, weil man beim URCD schnell Anschluss fand. Dass das mit dem Schwarzwald geografisch nicht so ganz passt, störte die Briten wenig.

Zweifel am Misslingen der Mission kennen die beiden nicht, auch wenn der Start ins Hochwasser gefallen ist. "Wir sind hier in Ulm toll aufgenommen worden", erzählt Mark: "Ohne Jörg wären wir sowieso nie angekommen." Mit einer Mail an den Verein, die bei Jörg Haußer gelandet ist, hat alles begonnen. Der hat bei der Logistik geholfen, auch von den Ulmer Donaufreunden kam Unterstützung.

Größtes Hindernis sind die Schleusen, denn umtragen kann man die mit dem 600-Kilo-Boot nicht. Die vergangenen Nächte haben Mark und Jonathan bei der Familie Leibinger verbracht. Damit leidet auch das Reisebudget nicht - schließlich sind sie ja für einen guten Zweck unterwegs.

Bislang ist nur eine weitere Station sicher: Beim Ruderklub in Vukovar werden die Briten erwartet. "Dazwischen wird sich was finden. Wir sind Ruderer, und wir wissen, dass alle Ruderer gute Jungs sind", sagt Mark. So wollen sie sich heute aufmachen in Richtung Istanbul. Mit einer britischen und einer Ulmer Flagge an Bord, falls sich letztere noch auftreiben lässt.

Info Gestern durfte die "Fight & Spirit" die Schleuse bei Böfingen wegen des Hochwassers auf der Donau noch nicht passieren. Auf swp.de werden wir über die Tour berichten.

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