Die Mauer in den Köpfen ist noch da

"Eisenkinder" nennt Sabine Rennefanz die Generation, die im Osten in der Zeit der Wende aufwuchs. Bei Gondrom stellte sie ihr gleichnamiges Buch vor.

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Es ist ein Thema, das der Aufarbeitung bedarf. Die Generation der "Wendekinder" oder "Eisenkinder" wie sie die Journalistin Sabine Rennefanz in ihrem ersten Buch nennt. Eine Generation, "die während der Pubertät zwischen zwei Ländern hing", heißt es in ihrem Prolog zum Buch, aus dem sie in der Buchhandlung Gondrom las.

Als Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im November 2011 tot in Eisenach aufgefunden wurden und die NSU aufflog, bemerkte Rennefanz Parallelen zwischen Mundlos und sich. Er war nur wenig älter als sie, als die Mauer fiel, und wuchs in ähnlichen Verhältnissen auf. Während Mundlos sich dem Faschismus zuwandte, suchte Rennefanz in den 90er Jahren Halt in einer christlich-radikalen Gruppierung. Angetrieben durch die Frage, wie Mundlos zum Nazi wurde, machte sich Rennefanz auf die Reise in die eigene Vergangenheit. Es ist eine angenehme, geschliffene Sprache mit humorvollen Sprengseln, in der Sabine Rennefanz erzählt.

Sie nahm bei Gondrom die Hörer mit auf eine Reise, die für die meisten der anwesenden Besucher fremd war. Eindringlich beschrieb Sabine Rennefanz die Zeit nach dem Mauerfall. Kurz davor dachte sie noch, mit der Aufnahme auf eine Sprachschule in Eisenhüttenstadt "wäre ihr Leben gesichert". Doch die damals 15-Jährige erlebte, wie ihr Vater seine Arbeit und seinen Lebenssinn verlor, das Geld immer knapper wurde und wie hilflos und verbittert die Eltern auf die auf sie einstürzenden Veränderungen reagierten. Alle bisherigen Werte wurden in Frage gestellt, Sicherheiten gab es nicht mehr.

"Eisenkinder" trägt den Untertitel "Die stille Wut der Wendegeneration". Eine Wut, die Sabine Rennefanz dazu trieb, einen scharfen Prolog über die auch nach über 20 Jahren noch stereotypen Ansichten vieler Westdeutscher zu schreiben, die heute noch meinen, dass aus dem Osten nur Nazis, Stasi-Leute und Arbeitslose kommen. Und dass an der Zwickauer Terrorzelle ausschließlich die autoritäre Erziehung der DDR Schuld sei.

"Taucht ein Problem in Ostdeutschland auf, wird es gleich zum typisch ostdeutschen Thema", resümierte die Autorin. Vorurteile, die auch in der Diskussion nach der Lesung eine Rolle spielten. Die Mauer in den Köpfen ist noch nicht abgebaut.

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