Die gefährlichsten Stellen der Stadt: Die Sicht der User und die Antwort der Behörden

Fußgänger und Radfahrer kommen im Verkehr in Ulm und Neu-Ulm zu kurz. Das ist das Ergebnis eines Projekts der SÜDWEST PRESSE, an sich dem 283 Leser beteiligt haben. Hier die wesentlichen Ergebnisse und Stellungnahmen von Stadt und Polizei. Mit Videoumfrage und Kommentar.

|



Vier Monate lang konnten unsere Leser auf einem Stadtplan ihre persönlichen Gefahrenstellen im Straßenverkehr eintragen. 283 Personen haben teilgenommen und ein klares Bild gezeichnet: Für Fußgänger und Radfahrer wird zu wenig getan in den beiden Städten, noch immer genießt das Auto den höchsten Stellenwert im Verkehr.

Hier ein Überblick über die meistgenannten Orte, zu deren Bedeutung wir obendrein Stadt und Polizei befragt haben:

Olgastraße Klarer Spitzenreiter mit 14 Einzelmeldungen ist die Olgastraße. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Viele Fußgänger beklagen die zu kurz geschalteten Grünphasen an praktisch allen Fußgängerampeln. Außerdem wurde mehrfach die nächtliche Raserei angemahnt, die am vergangenen Wochenende bekanntlich zu dem schlimmen Unfall geführt hat, bei dem ein Radfahrer schwer verletzt wurde.

Für die Stadt antwortet Verkehrsplanerin Ute Metzler, ihr sind beide Probleme bekannt. Die Raserei werde „im Rahmen der Möglichkeiten“ überwacht, außerdem gebe es Pläne, einen Blitzer aufzubauen. Zu den Grünphasen sagt sie, dass dies derzeit untersucht und im Herbst im entsprechenden Fachausschuss beraten werde.

Neue Straße Mit 12 Meldungen ist die Neue Straße der zweite Gefahrenpunkt unserer Leser. Die Kritik macht sich wie in der Olgastraße an den Grünphasen der Fußgängerüberwege fest – hauptsächlich bei der Einmündung der Gideon-Bacher-Straße am Übergang der Neuen Straße in die Basteistraße.

Hauptbahnhof Die nächtliche Raserei wird auch hier genannt. Kritik gibt es aber auch an den Fußgängern, die nicht die Überwege zu den Haltestellen nutzen, sondern überall die Straße querten. Radfahrer monieren, dass am ganzen Bahnhofsvorplatz zu wenig Platz für sie vorhanden sei.

Die Stadt will vorerst nichts unternehmen, weil alles mit der Neuplanung im Rahmen des Projekts Citybahnhof zusammenhängt.

Söflinger Straße Radfahrer bemängeln mit 9 Meldungen die zu engen Fahrradwege zwischen Söflinger Kreisel und dem Theodor-Heuss-Platz (früher: Westplatz), ferner seien die Wege oft zugeparkt. Kritisiert wird auch, dass viele Autofahrer beim Abbiegen nicht auf die Radfahrer achten und sie in Gefahr bringen würden.

Die Stadt hat nach Aussage von Frau Metzler bereits reagiert und die Pflicht für Radfahrer aufgehoben, den Radweg benutzen zu müssen. Stattdessen wurden Schutzstreifen auf der Fahrbahn angebracht und zusätzliche Ampelanlagen installiert.

Bismarckring/Zinglerstraße Im Bereich der Zinglerstraße und des Bismarckrings wird hauptsächlich die unklare Spurführung für den Autoverkehr angesprochen. Mit insgesamt 7 Meldungen wird angegeben, dass die Straßenführung nicht oder nur schwierig nachzuvollziehen sei. Auch hier monieren Fußgänger die kurzen Grünphasen an den Ampeln der Überwege.

Ehinger Tor Ein Gefahrenpunkt vor allem für Radfahrer. Fußgänger beklagen wieder die zu kurzen Ampelphasen. Gravierender empfunden werden aber mit ebenfalls 7 Meldungen die zu schmalen Radwege und vor allem die schwer einsehbare Abbiegespur im Bereich (Beyerstraße/Wagnerstraße).

Diese Abbiegeregelung wird sich nach Auskunft der Stadt mit dem Bau der Straßenbahnlinie 2 sowieso ändern. Der gesamte Bereich müsse dann überplant werden. Was die zu schmalen Radwege anbelangt, stellt sie eine Untersuchung in Aussicht.

Allgäuer Ring Auf der Neu-Ulmer Seite macht der Allgäuer Ring Sorgen. Er ist das Problemkind der Verkehrsplaner, die seit Jahren versuchen, etwas mehr Sicherheit zu schaffen. 9 Meldungen kommen von Fußgängern, sie kritisieren die Autofahrer, weil diese an den Zebrastreifen nicht anhalten und den Fußgängern Vortritt lassen. Gerade Schüler hätten es schwer am Allgäuer Ring, an dem die Schilder völlig unübersichtlich seien.

Der Ring mache wegen seiner Größe und der kurz aufeinanderfolgenden Aus- und Einfahrten immer Probleme, weiß der Leiter der Neu-Ulmer Verkehrspolizei, Günter Hohenwarter. Allerdings sei der Ring aus polizeilicher Sicht kein Unfallschwerpunkt. Dennoch werde derzeit mit der Stadt an einem Konzept zu Verbesserung der Verkehrssicherheit gearbeitet.
 

Ein Kommentar von Hans-Uli Mayer: Politischer Wille nötig

Die objektiv messbaren Unfallzahlen und das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen liegen mitunter weit auseinander. Beispiel Allgäuer Ring in Neu-Ulm: Der Ring gilt allgemein als gefährlich, die Polizei jedoch sieht in ihm keinen Unfallschwerpunkt. Oder nehmen wir die Fußgängerüberwege in der Olgastraße. Nur ganz wenige Unfälle passieren hier – und dennoch empfinden vor allem ältere Menschen diese Überwege als gefährlich, weil die Ampeln längst auf Rot umgeschaltet haben, bis sie auf der anderen Seite der breiten Straße angekommen sind.

Das sind zwei Beispiele aus dem Verkehrsprojekt der Online-Redaktion der SÜDWEST PRESSE, die nicht repräsentativ sein mag, aber ein deutliches Ergebnis zeigt: Für Fußgänger und Radfahrer wird zu wenig getan, diese beiden Gruppen fühlen sich nicht sicher und gegenüber dem Autoverkehr nach wie vor benachteiligt. Es stimmt schon, das Auto nimmt eine dominierende Rolle im städtischen Verkehr ein – und das oft zum Nachteil anderer Verkehrsteilnehmer.

Das Ergebnis ist auch insofern interessant, als sich die Stadt Ulm selbst zum Ziel gesetzt hat, den Anteil des Radverkehrs und den der Fußgänger am Gesamtverkehrsaufkommen in der Stadt deutlich zu erhöhen. Nimmt man allein das Ergebnis dieser Aktion, ist Ulm weit von seinen selbst gesteckten Zielen entfernt. Um die zu erreichen, braucht es nur den politischen Willen. Die Ulmer machen sicher mit.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

12.08.2015 07:46 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „283 von ca 120.000, ist das repräsentativ?””

Nach den Gesetzen der Statistik kommt es in erster Linie auf das Auswahlverfahren an. Auch mit 20 000 Teilnehmern wäre diese Befragung nicht repräsentativ.

Antworten Kommentar melden

11.08.2015 22:45 Uhr

Antwort auf „283 von ca 120.000, ist das repräsentativ?”

Nach den Gesetzen der Statistik sogar mehr als genug.

Antworten Kommentar melden

11.08.2015 17:20 Uhr

283 von ca 120.000, ist das repräsentativ?

Also ich liebe Fahrradfahren und Autofahren und ich tue auch beides in Ulm! Ich muss sagen das es sehr oft an den Fußgängern liegt oder an der Unaufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer, dass Unfälle passieren. Fußgänger achten weder auf Autos oder Fahrräder und schauen immer nur verdutzt wenn gehupt/geklingelt wird um sie aus ihrem Tiefschlaf zu wecken oder um sie von ihrem Handy wieder ins Reallife zu holen, wenn sie durch die Straßen laufen. Aber da gibt es immer bei jedem Verkehrsteilnehmer solche und solche. Wenn ich es nicht schaffe über die Grünphase zu kommen (bei den meisten der angeblich zu kurzen Phasen!) bin ich zu spät an die Ampel gekommen.
Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist die Gerade, aber das heißt doch nicht das Ulm unbedingt als Fußgänger mit Gewalt von jedem beliebigen Punkt aus auf direktem Wege zu erreichen sein muss. Als Autofahrer oder Radfahrer gibt es schon genügend Hindernisse. Wenn die Leute sich mal wieder auf die Straße konzentrieren würden, bräuchte man nicht tausend Schilder, Ampeln und Sondermaßnahmen schaffen!

Antworten Kommentar melden

11.08.2015 08:57 Uhr

Antwort auf „Oh! 283 zu kurz gekommene dürfen mal Zeitung machen!”

Wechseln sie doch bitte zu einem online " Auto-V8-qualmende Reifen-700PS- 0 auf hundert in 2,3 sekunden Magazin " !

" Aber was will man von der SWP erwarten..." ist wohl als heimliche Liebeserklärung zu deuten, denn warum sonst kommen wir immer wieder in den "Genuss" ihrer Geistesblitze !

Antworten Kommentar melden

10.08.2015 19:22 Uhr

Antwort auf „Oh! 283 zu kurz gekommene dürfen mal Zeitung machen!”

Andreas, du bist wahrlich auch zu kurz gekommen. Wo warst du denn nur, als Gott Hirn verteilte?

Antworten Kommentar melden

10.08.2015 18:23 Uhr

Oh! 283 zu kurz gekommene dürfen mal Zeitung machen!

Vergessen wir nicht die zigtausenden Ulmer, die Auto fahren müssen - und tatsächlich 'zu kurz kommen', weil sie steuern zahlen müssen und mit ihren Steuern ihenn auch noch die Parkplätze und die Fahrspuren weg genommen werden.

DIE sind die wirklich zu kurz gekommenen.

Aber was will man von der SWP erwarten...

Antworten Kommentar melden

10.08.2015 16:42 Uhr

OB-Wahl 29.11.2015

Liebe Ulmer,
die aktuelle und einmalig 100%-ige Chance, daß Wünsche auch außerhalb von Weihnachten in Erfüllung gehen - euer neuer OB wird grün und schon werden eure Wünsche erfüllt - siehe Freiburg, Tübingen und Stuttgart ("S" noch mit ?) und Fahrradfahrer und Fußgänger haben "Narrenfreiheit" ...
also nur "richtig" wählen am 29.11.2015 ...
.. und ich werde weiterhin maximal in der Blaubeurer Strasse schoppen gehen ...

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Teva streicht weltweit 14.000 Stellen

Die Ratiopharm-Mutter Teva will weltweit 14.000 Stellen streichen. In Deutschland hat der Konzern 2900 Mitarbeiter, die meisten arbeiten in Ulm. weiter lesen