Die Firma ist seine Mission

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Thomas Striegl ist ein digitaler Held - zumindest heißt so die von ihm geleitete neue Beratungseinheit seiner Firma Mission One. Das Internet, E-Mails, Online-News und Online-Shops, Streaming und Downloads von Medien, Apps ohne Ende, Facebook, am besten noch mobil - all das ist zumindest für die jüngere Generation heute völlig normal und gehört zum Alltag. Als Striegl damit begann, sich mit dem Medium Internet zu beschäftigen, gehörte er jedoch zu den Pionieren. Der gebürtige Esslinger, der nach einem Volontariat bei der Stuttgarter Zeitung als Neu-Ulmer Lokalredakteur zur SÜDWEST PRESSE kam und danach zu Radio 7 wechselte, gründete schließlich Mitte der neunziger Jahre zusammen mit seiner Frau Claudia das erste digitale Stadtmagazin, das, wie er sich erinnert, sogar von Oberbürgermeister Ivo Gönner offiziell gestartet wurde: Look Online.

"Das war so wie ein Wochenblatt", erzählt der 52-Jährige - mit Texten, Fotos, bezahlter Werbung und einer Einwahlmöglichkeit für private Nutzer in den damaligen Zeiten langsamer Modems.

Das Team von Look Online mit fünf Leuten saß in einem Büro in der Zeppelinstraße, später in der TFU in Neu-Ulm - ein Standort, dem Striegl mit der Internet-Spezialagentur Mission One in der Messerschmittstraße treu geblieben ist. Look Online lief nicht besonders gut, Striegl macht daraus kein großes Geheimnis: "Die Zeit war noch nicht reif."

Er verkaufte das Magazin an den Neue-Markt-Star Cybernet, heuerte dort zunächst mit seiner Frau an, ging jedoch vor dem Aus weg zu Xipolis nach München, einer Wissensplattform von Holtzbrinck und Brockhaus, die in erster Linie die Inhalte des Lexikons online vermarkten sollte. Aber dann kam das kostenlose Internet-Lexikon Wikipedia und hat das mit großem Aufwand lancierte Geschäftsmodell nach Striegls Worten einfach "gekillt".

Bevor es so weit kam, wechselte Striegl freilich in eine Startup-Firma, die seine Frau zu Hause aufgebaut hatte. Es sollte darum gehen, auf einzelne Empfänger zugeschnittene Werbemails - also nicht etwa Massenaussendungen oder schlimmstenfalls Spam - zu versenden, und zwar mit eigener Software und Grafik, als Fullservice-Agentur.

So etwas gab es im Gründungsjahr 1999 anscheinend nur noch in Paris: "Wir waren einer der ersten in Europa, absolute Pioniere." Die Idee war individualisierte Kommunikation: eine E-Mail, die nur eine einzige Person in dieser Form erhält, daher Mission One. "Das Gegenteil dazu ist die Zeitung", sagt der gelernte Print-Journalist Striegl: "Das ist ein Inhalt für alle." Ein nicht zu unterschätzender Vorteil in Zeiten verbotener Werbeanrufe: Jeder, der einen Newsletter von einem Anbieter im Internet bekommen möchte, hat vorher Amazon und Co. online sein Einverständnis gegeben. Computerprogramme werten das Bestellverhalten entsprechend aus. Es gibt nach den Worten Striegls Versandhändler, die keine herkömmlichen Kataloge mehr verschicken, sondern ihre Produkte nur noch per Mail vermarkten.

Mission One verschickt heutzutage monatlich etwa 200 Millionen Mails, beschäftigt in der Gruppe 130 Mitarbeiter, davon 80 in Neu-Ulm - "wir sind die größte Agentur zwischen München und Stuttgart" - und erzielt einen Umsatz von rund 7,5 Millionen Euro. Lediglich die Insolvenz des Großkunden Neckermann verhinderte im vergangenen Jahr den schon geplanten Sprung über die Acht-Millionen-Schwelle. Auf der Kundenliste stehen überregionale Namen wie Adler Mode, Sto, Wella, Vertbaudet; regional Uzin, Inhofer, Liqui Moly, Drogerie Müller. Insgesamt sind es etwa 100.

Die Agentur versendet für sie jedoch längst nicht mehr nur Mails, sondern erzielt fast ein Drittel der Erlöse mit Verkaufsförderung und Kundenbindungsprogrammen. Es geht darum, dass Kunden für ihren Internet-Einkauf Bonuspunkte bekommen, die sie später in Prämien umwandeln können. Das Modell gibt es auch für erfolgreiche Außendienstler, die auch Fortbildungskurse als Prämie erhalten können. Bei Mission One wurde dafür sogar ein eigenes Callcenter aufgebaut.

Über die klassischen Werbeformen im Internet wie Banner hinaus gewinnen soziale Netzwerke wie Facebook zunehmend an Bedeutung. Die Netzwerke sind dazu gedacht, dass Freunde Neuigkeiten oder Fotos austauschen, werden allerdings zunehmend von Unternehmen genutzt. Entsprechende Kampagnen - als Erfolgsbeispiel gilt Coca Cola - können eine enorme Dynamik entfalten, weil wie bei einem Schneeball-Effekt immer mehr Freunde von Freunden einbezogen und über die Firma und ihre Aktivitäten informiert werden.

So hat auch Mission One für die Bundesliga-Basketballer von Ratiopharm eine erfolgreiche Kampagne durchgezogen. Über die eigentliche Zielsetzung hinaus, mehr Facebook-Freunde als Tübingen aufweisen zu können, wurde ein Netzwerk aufgebaut, das direkt mit Neuigkeiten zum Ratiopharm-Basketball und den Spielen versorgt werden kann. Mission One tritt übrigens auch als Sponsor für den Basketball auf, mit einem kleinen Schild auf dem Wischer, mit dem in den Spielpausen das Parkett saubergemacht wird. Manche nennen die Firma daher scherzhaft "Wischen one".

Für das Marketing in Unternehmen stellt sich nach Striegls Worten generell die Frage, auf welchem Weg sich überhaupt noch Zielgruppen erreichen lassen, die zur Internet-Gemeinde gehören: "Ist Facebook auch für einen Mittelständler interessant?" Dabei geht es auch darum, dass Nachrichten von Freunden nicht etwa wie Mail-Newsletter bestellt wurden und möglicherweise nicht dieselbe Aufmerksamkeit der Empfänger erhalten.

In letzter Konsequenz stellt sich für die Marketing-Verantwortlichen die Frage, welche finanziellen Mittel für welche Werbeform bereitgestellt werden. Die Verunsicherung in den Firmen ist gewaltig, berichtet Striegl aus der Praxis der Beratungsgespräche: "Marketing wird durch das Internet immer komplexer." Er verstehe sich zunehmend als Bergführer, der die ihm Anvertrauten durch schwieriges Terrain vorbei an Gletscherspalten führt.

Ein digitaler Held eben.

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