Museum der Brotkultur: Die Fenster öffnen

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Uli Westphal zeigt in „Cultivar Series – LYC Guatemala“ von der Natur bizarr geformtes Gemüse und thematisiert damit die Normierung von Nahrung.  Foto: 

Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, dann weitet sich die Perspektive. Dann zum Beispiel ist ein Brot nicht mehr nur ein essbarer, sondern ein diskursiver Gegenstand: „Das Brot ist mit ganz vielen Themen verknüpft, die unsere Gesellschaft prägen und unsere Zukunft ausmachen werden“, so formuliert es die Direktorin des Museums der Brotkultur, Isabel Greschat. Vom Heimatgefühl bis zur sozialen Ungleichheit, von der Welternährung bis zur Ressourcenschonung lässt sich allerhand daran diskutieren. Und genau dies hat das Museum der Brotkultur auch in diesem Jahr vor, natürlich immer auch unter ästhetischen Gesichtspunkten.

Beispielhaft dafür steht die Ausstellung „Feldstudien“ von Uli Westphal (ab 12. März), der ungewöhnlich gewachsenes Obst und Gemüse fotografiert, das es nicht in ein Supermarktregal schaffen würde. „Die Bilder stellen die Frage nach der Normierung von Lebensmitteln“, erklärt Isabel Greschat: „Eine Ausstellung, die Spaß macht, über die man aber auch gut diskutieren kann.“

Ähnliches soll für die Sommerausstellung „Lebensraum Erde“ (ab 9. Juli) gelten, die Nachfolgerin von „Lebensstoff Wasser“ im vergangenen Jahr. Dabei gehe es in zweifacher Hinsicht um Erde: um den Boden als Ressource und um den Planeten als Lebensraum. Denn auch wenn manches Problem die Besucher nicht direkt tangiere, so wisse man in Zeiten der Globalisierung doch: „Das sind auch unsere Themen, denn sie kommen zu uns.“ Isabel Greschat freut sich besonders auf das „Sky Farming Projekt“ der Uni Hohenheim. Dabei wird versucht, Landwirtschaft in einem Gewächs-Hochhaus anzusiedeln.

Die dritte Schau 2017 befasst sich, passend zu Weihnachten, mit zwei Organisationen, die dem Caritas-Gedanken verpflichtet sind. „Für eine bessere Welt“ vollzieht die (Werbe-)Strategien von „Misereor“ und „Brot für die Welt“ seit ihrer Gründung Ende der 50er nach (ab 12. November).

Neben den Ausstellungen wird es weiterhin jeden ersten Mittwoch im Monat den „Kunstschmaus“ geben. Für die Reihe „Kunstkonfekt“ hat man Gast-Kollegen aus der Stadt gewonnen, so stellen Stefanie Dathe und Eva Leistenschneider vom Ulmer Museum je ein Kunstwerk vor. Ganz neu ist die Konzertreihe im dritten Obergeschoss, die mit einem Liederabend der Sopranistin Maria Rosendorfsky beginnt (16. März). In Kooperation mit dem Kino Obscura wird das Museum der Brotkultur Dokumentarfilme zeigen. Eine Vortragsreihe unter dem Titel „Essen in der Zukunft“ beschäftigt sich mit der Frage, wie die Ernährung künftig sichergestellt werden kann, eine andere Reihe widmet sich den kulturgeschichtlichen Folgen der Reformation. Außerdem wolle man verstärkt das praktische Tun zu seinem Recht kommen lassen, sagt Greschat. Auf den Trend zum Selbermachen etwa antwortet das Museum mit Backworkshops.

Und was die eigene Praxis angeht: Der Umbau der Dauerausstellung sei nun für 2018 avisiert, sagt Greschat. Ein halbes Jahr lang werde dann wahrscheinlich geschlossen sein, danach soll das Museum etwas anders aussehen. „Wir wollen die Fenster öffnen“, kündigt die Direktorin an. Die unflexiblen roten Wände, die sie jetzt verdecken, sollen weichen, die Mischung aus Kunst und Archivalien wird aufgelöst. Die Kunstwerke sollen an eigene Wände kommen, die Objekte gruppieren sich dann drumherum. Kein Rundgang also, sondern eher Themeninseln, wir erinnern uns: „Uns geht’s um Kontexte.“

Der nächste Termin in der Reihe „Kunstkonfekt“ steht bereits am Sonntag an und widmet sich der Frage: „Kann ein Reicher in den Himmel kommen?“ Zu Gast ist Eva Leistenschneider, Mittelalter-Kuratorin am Ulmer Museum, die über Frans Franckens bildliche Umsetzung des biblischen Gleichnisses vom „Armen Lazarus und dem reichen Prasser“ sprechen wird. Beginn ist um 11 Uhr.

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