Diät für den Hund

Früher wurden in einer Kleintierpraxis Hunde nur kastriert, heute wird ihnen noch eine Diät verschrieben. Dr. Angelika Schäuffelen hat miterlebt, wie sich die Veterinärmedizin in 50 Jahren weiterentwickelt hat.

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Dr. Angelika Schäuffelen kann es gut verstehen, wenn ihre Patienten mit Herzklopfen auf dem Behandlungstisch sitzen. Die Hundeschädel im Hintergrund hat einst ihr Vater Dr. Otmar Schäuffelen präpariert. Foto: Lars Schwerdtfeger

Diabetes war vor Jahrzehnten bei Tieren gar nicht behandelbar. In Kleintierpraxen wurde noch kein Blut abgenommen, kaum ein Knochen geröntgt. Heute gibt es Diätfutter in Hülle und Fülle, nicht nur bei Übergewicht, sondern auch bei Nierenerkrankungen und Harngries. Zur schnelleren Wundheilung wird ein Softlaser eingesetzt, Zahnstein wird per Ultraschall entfernt, und Naturheilkunde ist längst kein Tabu mehr. Vor allem aber werden die Krankheiten am einzelnen Tier komplexer, weil gerade Hund und Katze aufgrund der intensiven Betreuung immer älter werden.

"Nicht nur die Humanmedizin, sondern auch die Veterinärmedizin hat sich in den vergangenen 50 Jahren enorm weiterentwickelt", sagt Dr. Angelika Schäuffelen. Beispielsweise spiele die Prophylaxe heute bei Haustieren eine große Rolle, um etwa den Befall durch Parasiten wie Würmern und Zecken rechtzeitig zu vermeiden.

Die heute 46-Jährige hat 1995 die Praxis von ihrem Vater Dr. Otmar Schäuffelen übernommen, der sechs Jahre später starb. Sie hat nicht nur in ihrem Tiermedizinstudium von 1985 bis 1990 in Berlin erlebt, was für Riesenschritte die Diagnostik in der Veterinärmedizin machte. Sondern sie erlebte schon als Kind, wer und was in die Praxis kam, die anfangs noch in Schäuffelens Privatwohnung untergebracht war. Damals beschränkte sich die Klientel auf Hunde, Katzen, Vögel und Meerschweinchen, auf Kastrationen und Wundbehandlungen. Heute sitzen auch Geckos mit Hautkrankheiten auf dem Behandlungstisch. Außerdem werde viel mehr Geld in Haustiere investiert, weil sie enger zur Familie gehören als früher der Wachhund oder die Katze, die nur zum Mäusefangen angeschafft wurde.

Apropos Familie. Da sich die Tierarztpraxis Schäuffelen seit 40 Jahren in der Bessererstraße befindet, stehen inzwischen die Enkel damaliger Stammkunden ganz unten auf den Karteikarten aus Karton, an denen Angelika Schäuffelen aus Tradition immer noch festhält. Jedoch hat sie 1995 die Praxisräume renoviert, neue Möbel reingestellt und das beeindruckende Gehörn eines Wasserbüffels von der Wand im Wartezimmer genommen.

Ihr Vater hatte es sich in jungen Jahren zum Hobby gemacht, zum Teil "daheim im großen Kochtopf" Tierschädel zu präparieren, auch die von Exoten. Er saß schließlich an der Quelle, weil sein Schwiegervater damals Zoodirektor in Augsburg war. Bereits in seiner Dissertation hatte sich Otmar Schäuffelen 1957 mit der "Anatomie des Chinchillaschädels" befasst. Zum Vergleich: Seine Tochter schrieb ihre Doktorarbeit vor 34 Jahren über "Die lebensmittelhygienische Bedeutung von Plesiomonas shigelloides", einem Darmbakterium, das Menschen und Haustiere befallen kann.

Es gibt noch einen buchstäblich praxisbezogenen Unterschied zu früher: Angelika Schäuffelen macht inzwischen mehr Hausbesuche als ihr Vater. So können todkranke Haustiere in ihrer gewohnten Umgebung eingeschläfert werden, oder es wird schnell mal das Diätfutter vorbeigebracht. "Wir Tierärzte sind auch Dienstleister geworden."

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