Deutsch-Asiatischer Wirtschaftskreis knüpft Kontakte für Mittelstand

Wenn mittelständische Unternehmer in Asien erfolgreich sein wollen, müssen sie kulturelle Eigenheiten beachten und Fettnäpfchen vermeiden. Darum kümmert sich der Deutsch-Asiatische Wirtschaftskreis.

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Dr. Detlef Kröger ist Repräsentant des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises. Foto: Volkmar Könneke

Der Deutsch-Asiatische Wirtschaftskreis will eine Brücke für mittelständische Firmen nach Asien schlagen und dabei verhindern, dass interkulturelle Missverständnisse zum Scheitern geschäftlicher Verhandlungen führen. Vorsitzender Bodo Krüger hat selber einmal einen solchen Fehler begangen, wie er bei der Gründung der baden-württembergischen Repräsentanz in Ulm erläuterte. Ein chinesischer Bauunternehmer hatte ihn nach einem ersten Kontakt in Frankfurt, bei dem auch ein paar Cocktails getrunken wurden, in ein Restaurant nach Peking eingeladen, wo die Gastgeber ein Wetttrinken mit jeweils 40 Cocktails ansetzten. Krüger wollte mithalten, wobei der chinesische Firmenchef wohl nach 29 Cocktails nicht nur fast das Bewusstsein, sondern - in Asien ganz schlimm - infolge der Niederlage das Gesicht verlor. Der Kontakt war zunichte, die Lektion für Krüger: Er hätte sein Gegenüber gewinnen lassen sollen.

Bei einer Podiumsdiskussion im Saal der Volksbank Ulm-Biberach vor etwa 70 Interessierten - Titel: "Das verlorene Gesicht oder der schnellste Weg ins Fettnäpfchen" - erläuterten Sprecher aus China, Indien, Malaysia, Südkorea und Thailand weitere protokollarische Besonderheiten. Der chinesische Unternehmer Roufan Shi beschrieb die Bedeutung des Essens: "Wir mögen keine Snacks." Es sei daher völlig undenkbar, wenn deutsche Manager unter dem Zeitdruck von Verhandlungen ein Mittagessen ausfallen lassen. Unternehmensberater Vinod Talgeri aus Indien gab zum Zeitmanagement die folgende Empfehlung: "Pünktlichkeitswahn hilft nicht." Er empfiehlt in Asien Geduld, Lockerheit und Gelassenheit. Und: Recherchen übers Internet haben ihre Grenzen, man müsse über persönliche Kontakte verfügen.

Ein weiterer Faux-pas betrifft ebenfalls das Essen, wie die Südkoreanerin Dr. Sung-Hee Lee berichtete. Auf einer Delegationsreise, die sie begleitet hatte, wäre beinahe ein Geschäftsessen geplatzt, weil deutsche Teilnehmer auf die scharfe Suppe mit lautem Schneuzen reagierten, was als beleidigend gilt.

Bei solchen Reisen zur Anbahnung von Geschäften in Asien rät Krüger mittelständischen Unternehmern insbesondere dazu, nicht bei den Reisekosten zu sparen, sondern mit einer kleinen Gruppe aufzutreten. Es sei in Asien üblich, dass der Chef als höchste Respektsperson zunächst nicht direkt die Verhandlungen führt, sondern die Assistenten.

Der Wirtschaftskreis organisiert auch selbst solche Reisen - im April nach Nepal, wo Krüger Honorarkonsul ist - sowie Konferenzen und Ausstellungen. Der Verein mit nahezu 2000 Mitgliedern und zehn Repräsentanzen in Asien versteht sich als Kontaktplattform und Netzwerk, das bisher allerdings keine Anlaufstelle in Baden-Württemberg hatte.

Nun hat Krüger jedoch den Neu-Ulmer Firmenberater Dr. Detlef Kröger als Repräsentanten gewonnen, der auch für ein Bündnis von SPD, Grünen, Freien Wählern und FDP 2014 bei der Neu-Ulmer OB-Wahl kandidiert. Kröger hat auch Chinesisch studiert und sieht im kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Asien eine große Aufgabe: "Wir wollen die Leute an Asien heranführen." Es gehe vor allem um Kontakte für die Zulieferindustrie.

Kontakt zur baden-württembergischen Vertretung des Deutsch-Asiatischen Wirtschaftskreises (DAW): hallo@drkroeger.com

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