Der Zuschauer als Kritiker: „Wie im Himmel“

Einen erfolgreichen Kinofilm auf die Bühne bringen – kann das gutgehen? Die Zuschauer von „Wie Im Himmel“ am Theater Ulm sagen: ja, ein klasse Abend.

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Mit Inbrunst dabei: „Wie im Himmel“ am Theater Ulm.  Foto: 

Adele Tümmers (86), Ulm: Ich bin hellauf begeistert. Wie die Probleme unserer Zeit angesprochen werden und wie sie auf diese Art gelöst werden, das gibt es so bei uns sonst nicht auf der Bühne zu sehen. Als zum Beispiel der Behinderte auftrat und im Chor mitsingen wollte, das war toll. Auch der Zwiespalt zwischen Kirche und Gesellschaft und der Chor mit diesem verlogenen Pfarrer (Wilhelm Schlotterer). Das liegt natürlich auch am  Stück und an der Inszenierung (Cordula Jung). Und die Musik! Wie das Girard Rhoden (musikalische Leitung) hingekriegt hat: fantastisch bis hin zum Aufmarsch der Chöre am Schluss. Also, ich kann nur Hymnen singen, wie das am Ulmer Theater gemacht wurde.

Sylvia Mader (5 6), Elchingen: Vorweg muss ich sagen, dass ich den Film gesehen habe. Im Vergleich dazu haben die Ulmer Schauspieler alle Charaktere super gespielt. Der Höhepunkt war natürlich der Schluss mit dem Auftritt der Chöre. Das war besser als im Film. Vielleicht weil im Theater die Akustik besser ist. In der Aufführung am Theater kam auch besser heraus, dass es dem Dirigenten Daniel (Jörg-Heinrich Benthien) darum geht, seine Musik, die ihn erfüllt, zu finden. Er ist ja ein einsamer, unglücklicher Mensch. Das karge Schulhaus ist dafür ein Symbol, das im Film vielleicht besser gezeigt wurde.  Dafür war die Musik in der Ulmer Aufführung besser als im Kinofilm. Ich war mit einer größeren Gruppe im Theater, und alle waren glücklich über den schönen Abend.

Katharina Plodek (40), Sontheim/Brenz: Mir hat die Aufführung sehr gut gefallen. Ich habe das Buch gelesen und den Film gesehen und schon befürchtet, dass das nicht so funktioniert auf der Bühne. Doch selbst die Szene mit dem Fahrrad,  die für mich sehr zentral ist, wurde gut umgesetzt. Das Bühnenbild (Britta Lammers) ist schlicht, aber zur Handlung passend. Ich mag sowieso die etwas moderneren Inszenierungen lieber, wo mit dem Bühnenbild kein so ein Brimborium gemacht wird. Die Steigerung des Chores im Verlaufe des Abends war auch sehr gut nachzuvollziehen. Das war alles ganz hervorragend, Ulm braucht sich nicht zu verstecken.

Thomas Mahr (58), Langenau: Der „Brechtianer“ in mir musste diesmal hintenan stehen, aber der Romantiker in mir kam voll auf seine Kosten. Wenn so ein großer und bekannter Film auf die Bühne gebracht wird, ist das immer ein Wagnis. Umso mehr hat mich überrascht, wie gut das im Ulmer Theater geklappt hat. Die Musik und die Schauspieler waren gut. Hervorragend fand ich den Daniel Daréus und die Lena (Julia Baukus). Sie hat erfrischend naiv gespielt – und dass Tini Prüfert singen kann, wissen wir ja schon. Den Schauspielern hat man angemerkt, dass sie Lust hatten auf das Stück.

Ralph Ziemann (51), Ulm: Die Inszenierung fand ich klasse. Wie mir auch das absolut minimalistische Bühnenbild sehr gut gefallen hat. Ich habe den Film schon mehrmals gesehen und bin also vorbelastet. Meiner Meinung nach steht nicht Lena (Julia Baukus) im Zentrum des Stücks, sondern die Gabriella (Tini Prüfert). Ihre Entwicklung, sich Dinge einzugestehen, wie etwa die eheliche Gewalt ihres Mannes, das ist hier wichtig. Mut zur Veränderung haben und einen gesunden Egoismus zum Selbstschutz entwickeln, das ist das eigentliche Thema.  Das kam in der Inszenierung nicht gut heraus. Das Manko war, dass Gabriella ihr Lied auf Schwedisch singt.

Julina Garhöfer (16), Lonsee: Ich gehe häufig ins Theater, vor allem in die Oper, und ich habe den Film gesehen. Die zeitliche Darstellung war auch auf der Bühne leicht verständlich umgesetzt, obwohl es da ja zum Beispiel keine Rückblenden gibt wie im Film. Das Stück wurde so inszeniert, dass es den Großteil des Publikums berührte und den meisten sehr gefallen hat. Auch wenn das Stück, wie ich finde, ziemlich kitschig und realitätsfern ist, entschädigt der Schluss mit den Chören doch ein wenig.

Pia Garhöfer (22), Lonsee: Ich fand das Stück echt toll und die Inszenierung beeindruckend. Erwartet habe ich sehr viel, da ich den Film gesehen habe. Meine Erwartungen wurden zum Teil übertroffen. Die Musik fand ich gut, vor allem auch, dass immer wieder die Chöre im Hintergrund zu hören waren. Das Finale mit den Ulmer Chören war dann besonders beeindruckend. Die Inszenierung ist ziemlich nah am Film und mindestens genauso gut. Den Darsteller des  Daniel fand ich extrem gut.

Uli Häussler (54), Erbach: Was mir im Film gefallen hat, fand ich auch im Theater wieder. Mir hat nichts gefehlt, vielleicht auch deshalb nicht, weil mein „Kopfkino“ einiges ergänzt hat. Insgesamt fand ich die Darsteller gut. Für mich persönlich hätte der Daniel Daréus vom Typ her mehr Künstler sein dürfen. Die Idee, die ganz Handlung mit einem Bühnenbild durchzuziehen, fand ich sehr gut. Insgesamt also ein positiver Eindruck.

Klaus Martzy (69), Langenau: Das Ensemble hat mir gut gefallen. Nur der Daniel Daréus: Was der alles auslöst auf seiner Suche nach der Wahrhaftigkeit, dazu war der mir fast ein wenig zu blass. Manche Figur war mir auch zu chargiert dargestellt. Der Pfarrer mit seiner Bigotterie zum Beispiel, allerdings schien mir hier mehr die Rolle das Problem zu sein und weniger die Darstellung. Und noch ein Punkt: Das Brüllen auf der Bühne ist problematisch. Es ist eine Kunst, auf der Bühne zu brüllen und trotzdem verständlich zu bleiben. Das ist nicht gelungen.

Kino auf der Bühne

Aufführungen „Wie im Himmel“, das Musikfilm-Drama von Kay Pollak, war ein internationaler Kinoerfolg und ist jetzt auf der Bühne des Theaters Ulm zu sehen. Weitere Aufführungen: heute, Donnerstag, sowie am 18., 23. und 25. Juni; am 2., 6., 9., 14. und 15. Juli.

Kino auf der Bühne

Aufführungen „Wie im Himmel“, das Musikfilm-Drama von Kay Pollak, war ein internationaler Kinoerfolg und ist jetzt auf der Bühne des Theaters Ulm zu sehen. Weitere Aufführungen: heute, Donnerstag, sowie am 18., 23. und 25. Juni; am 2., 6., 9., 14. und 15. Juli.

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