Der Zuschauer als Kritiker: "Bernarda Albas Haus"

Die Botschaft der Frauentragödie kommt an, sind sich die Zuschauer einig. Neben großem Lob gab es aber auch Kritik an Donald Berkenhoffs Inszenierung. Lena Herrmann sprach mit Theatergängern.

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Die von Bernarda Alba (Ulla Willick, Mitte) mühsam aufrechterhaltene Fassade täuscht: Pepe (William Nascimento Lima) trifft sich heimlich mit Adela (Johanna Paschinger). Foto: Ilja Mess

Heinz Straub (76), Ulm: Die Schauspielerinnen haben ihre Rollen richtig gelebt. Vor allem die gehandicapte Martirio (Aglaja Stadelmann) war beeindruckend. Die Szene, in der sie der Magd (Sibylle Schleicher) von oben herab die Putzeimer umwirft, hat mir besonders gefallen. Den ganzen Abend auf Krücken zu laufen, war sicher anstrengend. Fesselnd waren auch die Gebete, die gemeinsam von der Familie geschrien wurden. Eine Inszenierung (Donald Berkenhoff) voll strenger Erziehung und unterdrückter Gefühle, besser kann man es nicht machen. Nur das Ende kam mir nach der Pause zu schnell.

Monika Häberle (57), Ulm: Als Magd war Christel Mayr sehr überzeugend. Trotzdem hat mich das Stück nicht wirklich mitgerissen. An manchen Stellen war ich aufgeschmissen und konnte mit Anspielungen, wie den vom Himmel fallenden Schuhen, einfach nichts anfangen. Die Tanzsequenzen waren dafür sehr sinnlich. Eine schöne Choreografie, in der die heimlichen Träume der Mädchen dargestellt wurden. Mit den Videos konnte ich leider nichts anfangen. Und Ulla Willick hätte als Bernarda Alba ruhig noch härter sein können.

Melanie Kohlmann (19), Senden: Die Inszenierung war mir etwas zu langatmig. Auch die Videoeinspielungen und die Tanzeinlagen haben für mich nicht wirklich in den Zusammenhang gepasst. Gut gefallen hat mir aber Aglaja Stadelmann, die die Martirio mit ihrer Gehbehinderung wirklich authentisch gespielt hat. Und der Vorhang aus schwarzer Spitze, der wie ein Trauerschleier aussah, hat zwischen den Szenen sehr gut gepasst.

Eckhard Steger (76), Ulm: Das Bühnenbild (Mona Hapke) war fantastisch, da konnte man richtig die Hierarchie unter den Frauen ablesen. Von den Schauspielerinnen hat mir Christel Mayr als Magd am besten gefallen. Sie hat für einen Ausgleich in der Familie gesorgt. Der Tänzer (William Nascimento Lima) war unheimlich gut. Toll wie auch immer wieder der extreme Katholizismus gezeigt wurde. Es war deutlich zu spüren, dass Bernarda Alba die schöne Fassade wichtiger ist als die Gefühle ihrer Töchter.

Michael Aue (62), Nürnberg: Allgemein hat mir an der Inszenierung etwas die Atmosphäre gefehlt. Für mich war das Eingesperrtsein und die Unterdrückung im Hause Alba nicht deutlich genug. Die Schauspielerinnen waren aber alle gut, vor allem Ulla Willick als Bernarda Alba. Den Bezug zu heute, dass gesellschaftliche Unterdrückung immer noch aktuell ist, fand ich gelungen. Nur der Tänzer und die Videos haben den Spannungsbogen leider immer wieder unterbrochen.

Susanne Schneider (39), Heidenheim: Das Bühnenbild ist gleich ins Auge gestochen, das hat die Unentrinnbarkeit und das Eingesperrtsein im Haus sehr gut widergespiegelt. Die uniformhaften Kostüme (Mona Hapke) der Töchter passten auch gut zum Stück. Das rote Kleid von Adela ist da richtig herausgestochen. Diese und die anderen Anspielungen auf die unterdrückte Sexualität der Frauen haben mir gut gefallen. Besonders gelungen war der Auftritt der Nachbarin (Martha Dewal). Die Tanzeinlagen zu der schönen Musik und die Videoeinspielungen fand ich toll. Aber der aufgeschnittene Augapfel war zu heftig.

Wolfgang Beck (64), Ay: Ein beklemmendes Stück mit all den unterdrückten Frauen. Richtig in ihrer Rolle gelebt, hat vor allem Aglaja Stadelmann als Martirio. Die Szene, in der sie das Bild von Pepe gestohlen hat und danach von ihrer Mutter bestraft wird, fand ich besonders gelungen. Die Traumsequenzen mit dem Tänzer und die Videos haben die Inszenierung noch richtig aufgepeppt. Toll war auch die im Keller eingesperrte Großmutter, die ihre Wahrheiten herausgeschrien hat.

Jürgen Bauer (51), Ulm: Die Inszenierung war stimmig. Das Bühnenbild fand ich sehr interessant, Bernarda Alba hat immer ganz oben gethront. Auch den aktuellen Bezug mit den Kopftüchern, die an den Islam erinnerten, fand ich gelungen. Das Stück hat einen sehr bewegt. Toll war die kindliche Szene mit Magdalena (Renate Steinle) im Traum.

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