Der Ulmer Fastnachtsruf von 1524 und die Arten, sich unkenntlich zu machen

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Der älteste im Ulmer Stadtarchiv erhaltene Fastnachts-Erlass, der einem eindeutigen Datum zugeordnet werden kann, ist der Fastnachts-Ruf vom 20. Januar 1524. Er enthält Wörter, die man heute nicht mehr versteht. Die meisten sind in der folgenden Wiedergabe durch neue ersetzt - bis auf ein paar, welche die Arten der Verkleidung betreffen. Sie werden anschließend erklärt.

"Meine Herren Bürgermeister und ein Ehrsamer Rat lassen jedermann ernstlich gebieten, dass zu künftiger Fassnacht, so lang die währt, niemand mehr weder mit Pfeifen oder Pauken zu nachts auf den Gassen gehen, sich auch weder bei Nacht oder Tag nicht verbutzen, verkleiden oder verwelchen oder verstellen sollen, wodurch sich jemand unbekannt machen möchte. Es soll auch jedermann die Scham erregenden und unschicklichen Lieder zu singen unterlassen. Welche diesen Punkten zuwiderhandeln, sollen in jedem Punkt um einen Gulden gestraft und dabei niemand verschont werden. Danach habe sich jedermann zu richten."

Verbutzen ist abgeleitet vom Butz. Das ist ein Kobold (Bi-Ba-Butzemann). So nannte man aber auch den Maskierten, zum Beispiel den Fastnachtsbutz. "Sich verbutzen" heißt mithin "sich maskieren".

Verwelchen bedeutet "verfremden". Denn darin steckt der Walch(e) oder Welsche. So nannte man die Ausländer romanischer Herkunft. Ziel des Verwelchens war also ebenfalls, sich unkenntlich zu machen.

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