Ulmer Fischerstechen: Der übergangene Großwesir

Beim Fischerstechen kam es zu einer Panne. Florian Frey wurde nicht korrekt gewertet.

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Der Großwesir, hier noch huldvoll beim Umzug.  Foto: 

Florian Frey (26) stammt aus einer jener Ulmer Familien, die zu den „Räsen“ gehören, wie die alten Fischerfamilien genannt werden. Die Familie ist dem Verein verbunden, was sich beim ersten Stechen am Sonntag mit seinem Umzug so äußerte: Schwester Frances tanzt im Menuett, Mutter Petra ist im Umzug bei den Schifferfrauen dabei, Vater Michael ist einer der Zillenfahrer. Und am Sonntag trat Florian Frey als Fischerstecher an, im historischen Kostüm des Großwesirs.

Für Frey lief das Stechen ausgesprochen gut. Zuerst stieß er den Türkenlouis (Florian Niedt) ins Wasser. Dann hob er den Spatzameez (Joachim Selig) aus der Zille, Frey kam in die zweite Zwischenrunde – und wurde übergangen, so sah es für die Zuschauer aus. „Wir haben einen Scheiß gemacht“, bekennt Susanne Grimmeiß, erste Vorsitzende des Ulmer Schiffervereins. Theo Eckhardt, einer von drei Schiedsrichtern, sagt: „Der Fehler ist mir passiert, ich hab’ Frey im Turnierprotokoll falsch gewertet.“ Eckhardt spricht von einer „Fehlerverstrickung“. Er hat im Protokoll Frey als zweimal nass notiert, was bedeutet, er kommt nicht weiter und was schlicht falsch war. Dagegen haben Eckhardts Kollegen kein Veto eingelegt. Dem Stecherkomitee aus Neu-Ulm sei der Fehler zwar aufgefallen, sie haben sich per Funk gemeldet, jedoch sei das nicht durchgedrungen.

Frey sagt, er sei nicht nachtragend über die Entscheidung, zumal sich anschließend Grimmeiß und viele Stecher bei ihm entschuldigt und mit ihm gefühlt haben. Eine zweite Chance hat er am Sonntag, bei der zweiten Runde des Fischerstechens, 15.30 Uhr. Frey hat sich dafür keine Ziele gesetzt: „Für mich ist der Gewinn nicht wichtig.“ Wichtig sei die Show fürs Publikum und die Tradition.

Haltung gefordert

Jedes Mal Anspannung, jedes Mal Hektik, jedes Mal etwas Besonderes. Das trifft aufs Fischerstechen zu, das der Schifferverein alle vier Jahre gestaltet. Beim jüngsten Durchgang des Fischerstechens ist dem Schiedskomitee ein Fehler passiert: In der Hektik ist das gute Ergebnis des Stechers Florian Frey falsch notiert worden.

Schiffervereinschefin Susanne Grimmeiß hat den Schneid, den Fehler mit deutlichen Worten einzugestehen. Gleichwohl tut sich der Verein schwer mit der Frage, ob überhaupt und in welcher Form es eine Wiedergutmachung für den betroffenen Stecher gibt. Das hat nichts mit übertriebener Entschuldigung zu tun aber etwas mit Fairness.

Schließlich hat Frey sich fair verhalten und hat nicht etwa rumgetöbert, als er am Sonntag am Neu-Ulmer Ufer in der Zille stand und die Entscheidung des Schiedskomitees hingenommen hatte, die sich im Nachhinein als Fehlentscheidung herausgestellt hat. Wie die Wiedergutmachung aussehen könnte, das sollte Frey nicht erst kurz vor dem zweiten Stechen am Sonntag erfahren, sondern Tage zuvor, damit er sich auf eventuelle Zwischenrunden oder Freistöße einstellen kann. Das wäre fair und eine Haltung, die dem Schifferverein angemessen ist. Damit sich alle am Sonntag auf das konzentrieren können, was das Fischerstechen ist: eine unterhaltsame Show, ein sportliches Spiel von Männern in lustigen Kostümen auf dem Wasser.

Ein Kommentar von Beate Rose.

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