Der Kini von Ulm

Hat der Ulmer Oberbürgermeister noch alles im Griff? Im Rathaus gibt es abtrünnige Tendenzen. Dort wird dem Bayernkönig gehuldigt.

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Den kennt man doch? König Ludwig II. von Bayern. Und das in einer Ulmer Amtsstube! Foto: Volkmar Könneke

Natürlich kann man in Ulm Bayernfan sein, schließlich spielt der VfB Stuttgart derzeit nicht so toll und der SSV 46 halt noch in der vierten Liga. Was aber im Rathaus zu sehen ist, ist noch mal eine ganz andere Nummer. Dort hängt groß und mächtig ein Plakat des Kini, König Ludwig II. von Bayern, und seinen Schlössern. Was ist da los? Sind die städtischen Mitarbeiter fahnenflüchtig? War es drüben einfach doch besser, wie man sich aus der guten alten Zeit von 1802 bis 1810 erzählt, als Ulm bayerisch war?

Möglich, aber schlimmer noch: Der stolze Kini ist in der städtischen Botenmeisterei zu finden. Wird folglich die Poststelle unterwandert? Werden Depeschen und Dekrete der Stadtspitze mitgelesen und gar fehlgeleitet. Naaaa! Bist deppert? Nix davon! Es ist Andreas Liebhardt, der den König, also das Poster von ihm, aufgehängt hat. Und der ist über jeden Verdacht erhaben.

Liebhardt ist als Stadtbotenmeister nämlich eine der wichtigsten Figuren in der Ulmer Schaltzentrale neben dem Rat-Hausmeister und vielleicht dem Oberbürgermeister noch, obwohl: Liebhardt ist schon 32 Jahre dabei. "Ich bin hier einer der ältesten." Er hat schon unter drei Oberbürgermeistern gedient. Oder drei Oberbürgermeister über ihm: Liebhardt sitzt in der Botenmeisterei drunten im Erdgeschoss. Weswegen der Kini auch für jeden passierenden Bürger zu sehen ist.

"Das ist mein Ding", sagt Liebhardt souverän zu seinem Poster mit dem König, an dem er vor allem seine Schlösser schätzt: "Ich hab sie alle gesehen." Bis zum Chiemsee hinunter. Und nicht nur das. "Ich war auch in Potsdam." Wobei er sich eine Büste des gerecht-gestrengen Alten Fritz, also Preußenkönig Friedrich II., der dort in Sanssouci logierte, im Dienstzimmer an der Donau dann doch verkniffen hat.

Und wie vertritt er nun Ludwig II. auf altreichsstädtischem und neuwürttembergischem Ulmer Hoheitsgebiet in nächster Nachbarschaft zu den bayerischen Amtskollegen? "Da habe ich keine Berührungsängste." Modern wie Ludwig eben. Für Zweifler gibt es in der Botenmeisterei im Rathaus aber ein weiteres Plakat, das auch die letzten Bedenken zerstreut: Es zeigt das Ulmer Münster in vollendeter Blüte nach einem würdigen alten Stich.

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