Der Kabarettist Muhsin Omurca im Stadthaus zu Gast

Seine Karriere fing 1985 im Kornhaus an. Mit Sinasi Dikmen gründete Muhsin Omurca das erste deutsch-türkische Kabarett: "Knobi-Bonbon". Seit 1997 tourt er allein - nun war er im Stadthaus zu Gast.

|
Muhsin Omurca widmet sich dem Thema Integration. Foto: Oliver Schulz

"Wir Türken schaffen Arbeitsplätze, denn 600 000 Sozialarbeiter leben von der Integration." Und Mushin Omurca, der seinen Namen in Mussin geändert hat, weil Deutsche stets die mittleren Buchstaben wie ein "sch" aussprachen, plaudert über seine Familie. Dort seien "inzwischen alle Deutsche, nur nicht Mama." Sie sei an den 300 Fragen des Integrationsbogen gescheitert. Trotzdem behandle die Familie sie nicht wie eine Türkin. Sie dürfe am jährlichen Integrationsfest ihre Kultur singen und tanzen. Omurca macht sich auch über Türken in der Oper lustig: "Seid doch froh, dass es eine türkenfreie Zone gibt und die Türken nicht die Opernhäuser als Hochzeitssäle benützen."

Als Deutsch-Türke darf er eben ungestraft beiden Landsmännern den kabarettistischen Spiegel vorhalten und auch mal schmerzende verbale Pfeile in empfindliches Fleisch stecken. "Wir Türken sind ein pubertierendes Volk", bemerkte er knochentrocken, als er von Adam und Eva und dem verbotenen Apfel erzählte. Verbote lösten bei Türken nur Trotzreaktionen aus. Für ihn ein Argument für die Tatsache, dass Adam und Eva Türken gewesen wären, wie es in der "Deutschen Bibel", dem "Spiegel", gestanden sei. Urfa, nahe der syrischen Grenze, sei die Wiege der Menschheit, das Paradies, zu dem man ja zurück will - und damit ein "Türkenhimmel".

Nicht alle Gags kamen richtig an oder wirkten vielleicht nur dann gut, wenn man die kurzen türkischen Zwischenbemerkungen auch verstand. Der Tipp, den Burka-Schleier mit Sonnenbrille zu benutzen, um sich in der Türkei ungestraft dem Alkoholkonsum zu frönen - nun ja. Auch der Gag über die Suche nach inneren Werte mit einem Frommomat, der die Gottesliebe messen sollte, einem Patriomat, einem Liebomat und natürlich dem Integomat für die Messung des Integrationsstandes, verlor sich in der Häufung.

Einen lehrreich-lustigen Integrationsansatz gab es dann als Zugabe. Türkische Sprichworte direkt ins Deutsche übersetzt und mit der eigentlichen türkischen Bedeutung erklärt: Eine Blume auf der Nase tragen, heißt zum Beispiel frisch verheiratet sein. Von solch poetischer Sprache könnte man tatsächlich lernen - bei gelungener Integration auch außerhalb der Bühne.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mieter entsetzt über Kahlschlag in grüner Oase

Mieter einer Villa am Michelsberg sind entsetzt über den Kahlschlag ihrer Grünflächen, die eine Oase für Pflanzen und Tiere gewesen sein soll. Die Ulmer Wohnbaugenossenschaft UWS hat die Maßnahmen angeordnet. weiter lesen