Nahverkehr: Der E-Bus funktioniert

Beim Fachtag für innovativen ÖPNV wurden eine „Tram auf Gummi“ und ein strombetriebener Linienbus aus Aalen vorgestellt. Und es flitzten E-Carts lautlos und emissionsfrei durch einen Parcours.

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Busfahrer Peter Schaluda ist mit seinem E-Linienbus extra aus Aalen auf den Münsterplatz gekommen. Im Hintergrund sieht man etwa ein Drittel des 21 Meter langen Daimler-Busses.  Foto: 

Ihn zu fahren sei kein Problem – „und die 18 Grad Steigung bei uns im Ostalbkreis packt er einwandfrei.“ Voller Begeisterung hat Busfahrer Peter Schaluda aus Aalen über seinen E-Bus gesprochen. Pünktlich um 13.30 Uhr traf er am Donnerstag mit dem zu 100 Prozent  mit Strom betriebenen Linienbus auf dem Münsterplatz ein. Anlass war der Ulmer Fachtag für innovativen Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV).

Die Veranstaltung der Lokalen Agenda Ulm löste den bisherigen E-Mobilitätstag ab, bei dem im vergangenen Jahr „nur“ E-Autos vorgestellt wurden. Verschiedene Modelle des Autohauses Hanser und Leiber waren jetzt zwar wieder zu begutachten, aber eben auch zwei innovative Busse.

Alle Batterien unterm Dach

„Der E-Bus funktioniert?“, wollte ein skeptischer Ulmer wissen. Schaluda nickte. Der Aalener E-Bus fährt seit Dezember „auf Linie“ und schafft 240 Kilometer pro Tag. Dann wird er am städtischen Baubetriebshof bei 32 Kilovolt (32 000 Volt) wieder an die Steckdose gehängt und sechs bis acht Stunden aufgeladen. Der bei Bussen übliche Motorraum ist jedoch leer, denn die relativ schweren Lithium-Eisenphosphat-Batterien sind in einem Aufbau auf dem Dach untergebracht. „Deshalb muss man mit einem E-Bus bewusster um die Ecke fahren, weil er wegen des Gewichtes im Dach leichter umkippen kann“, erklärte der Busfahrer.

In Aalen erlebe er immer wieder, dass die Fahrgäste an der Haltestelle die Dieselbusse durchfahren lassen und auf den E-Bus warten. Denn er fährt nahezu geräuschlos. Gab es deswegen schon heikle Situationen mit Passanten? Schaluda: „Die hat man mit dem Dieselbus auch, weil die Leute nur auf ihr Handy gucken.“

Wer am Donnerstag auf dem Münsterplatz auf sein Handy guckte, lief Gefahr, gegen das 21 Meter lange, dort geparkte BRT-Modell des Daimler-Konzerns zu laufen. BRT steht für Bus Rapid Transit (schneller Busverkehr). Über dieses Nahverkehrsmodell, das bereits in Straßburg und Amsterdam erfolgreich im Einsatz ist, berichtete Max Witzel in einem der acht Fachvorträge, die nachmittags im Ulmer Stadthaus gehalten wurden.

Witzel betreut Produktplanung und -management bei BRT Daimler Buses und erklärte den Zuhörern anschaulich, warum sich die „Tram auf Gummi“ schon vielfach bewährt hat: weil der BRT zwar im Mischverkehr fährt, streckenweise aber auf eigenen Trassen unterwegs ist „und daher schneller und pünktlich ist“. Außerdem werde Kraftstoff wie Gas gespart, wenn er am Stop-and-go-Verkehr vorbeifahren kann. Und das Modell sei trotz Bus-Trassenbau kostengünstiger als Schienenprojekte. Das Vorabticket wird an Automaten der Bushaltestellen gelöst oder per App.

Ein ganz anderes und nicht unbedingt zum Nahverkehr gehörendes Fahrzeug wurde ebenfalls auf dem Münsterplatz vorgestellt: elektrisch betriebene Carts aus dem Ecodrom auf dem ehemaligen Mercedes-Areal in der Industriestraße in Neu-Ulm. Die tiefergelegten Gocarts flitzten lautlos durch einen Parcours zu Füßen des Münsters. Und vor allem fahren sie emissionsfrei, weshalb das Ecodrom überdacht und für Zuschauer schön warm ist. Übrigens: Firmen können die gesamte Kartbahn mieten – für 594 Euro pro Stunde.

Nahverkehr Auch über den „Pfiffibus“, ein Rufbussystem der Donau-Iller-Nahverkehrs-GmbH (DING), wurde gestern im Stadthaus informiert. Er springt zu Zeiten ein, in denen der Linienverkehr ruht, etwa am späten Abend und an den Wochenenden. Beispiele: Der Pfiffibus ist seit Dezember 2013 zwischen Weißenhorn und Roggenburg unterwegs. Und im südlichen Landkreis ist seit Dezember 2014 dieser „Nahverkehr auf Anfrage“ im Bereich Altenstadt/Illertissen im Einsatz.

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