Der Blautopf wird zum Funk-Geysir

Locker, flockig auf dem Punkt. Mezzoforte sind seit fast 40 Jahren der Inbegriff für handwerklich starken Jazzfunk. In Blaubeuren war das nicht anders.

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Jonas Wall (links) und Friðrik Karlsson von Mezzoforte.  Foto: 

Okay - ausgerechnet beim großen Hit "Garden Party" musste es doch noch sanft zu tröpfeln beginnen, aber das Nass schüttelten sich die begeisterten Besucher auf der vollen Tribüne sehr schnell aus den Haaren. Schließlich bewegte sich zum altbewährten Sound von Mezzoforte so einiges. Die Isländer, die so gar nichts mit dem feenhaften und dunkelgefärbten Popsound ihrer Heimat am Hut haben (obgleich Drummer Gunnlaugur Briem in frühen Jahren auch für Björk die Trommelstöcke bediente), haben den feinen Mix aus Präzision im Arrangement und solistischer Klasse eben raus.

So ganz konnten sie mit den Fusion- und Jazzfunk-Helden aus den USA ja nie wirklich mithalten, dafür hatten sie aber stets die griffigen Melodielinien und Harmoniewechsel parat. Gefällig, aber eben auch mit kleinen solistischen Leckerbissen aufgepeppt und bisweilen auch kantig, gingen sie stets ihren Weg. Als die Luft mal so richtig raus war, belebte übrigens vor elf Jahren Wolfgang Haffner die Band, die an vier Positionen noch immer in der Originalbesetzung unterwegs ist - seit 38 Jahren.

Mit Jonas Wall am Saxofon hat man die "schwedische Mauer" für starke Unisono-Parts und angetäuschte Bläsersätze gefunden. In Blaubeuren war er in der letzten halben Stunde auch solistisch warm gespielt. So richtig im Rampenlicht stand sowieso meist Friðrik Karlsson, ein Gitarrist der neben Mezzoforte in diversen Musicals in London oder selbst für Madonna als versierter Sechssaiter tätig war. Das klang zwar nach den bewährten Fusion-Mustern, war aber gekonnt gespielt.

Und da waren ja noch der versierte und charmante Eyþór Gunnarsson an den Keyboards und Slap-Master Johann Asmundsson am Bass, der sich im Finale auch mal die Saiten betrommeln ließ. Das Publikum vor der Sommerbühne war begeistert, der Blautopf wurde sozusagen zum Funk-Geysir. Klatschend und tanzend ging's feuchtfröhlich in die Nacht - natürlich mit "Garden Party" im Ohr.

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