Der Alltag in den Zeiten des Krieges

Sie waren beide bei den Filmfestspielen Biberach erfolgreich. In Kooperation mit der Film Commission Region Ulm zeigte das Festival "Die Brücke am Ibar" und "Ein Augenblick in mir" jetzt in der Lichtburg.

|
Bei den Filmfestspielen Biberach mit zwei Preisen ausgezeichnet: Regisseurin Michaela Kezele in der Ulmer Lichtburg. Foto: Volkmar Köneke

Für "Die Brücke am Ibar" von Regisseurin Michaela Kezele gab es 2012 bei den Filmfestspielen Biberach gleich zwei Preise: den "Publikumsbiber"und den "Debütbiber". Letzteren hatte die Jury um die Vorsitzende Marie-Héléne Lefevre vergeben - unter anderem mit einer Jurorin aus Ulm: Andrea Wieland. Und die schilderte in der Lichtburg, wo das Festival jetzt zwei der 2012 in Biberach ausgezeichneten Filme präsentierte, ihre Erfahrungen. Für sie sei das 2012er-Festival dunkel und anstrengend, aber doch besonders abwechslungsreich, farbenfroh und aufregend gewesen. Danach sei sie erst einmal in ein Loch gefallen, weil sie plötzlich nicht mehr jeden Tag zu jeder freien Minute einen Film sah.

Apropos Filmfestspiele Biberach: Was es heuer dort zu sehen geben wird, schilderte der Festspielvorsitzende Vereins Werner Krug und Pressesprecher Johannes Riedel. Die nächsten Filmfestspiele finden vom 30. Oktober bis 3. November statt. Dabei werden ausschließlich deutschsprachige Filme präsentiert, die bisher nicht im Kino oder Fernsehen zu sehen waren.

Doch zu den Filmen: Zunächst wurde der 13-Minüter "Ein Augenblick in mir" von David M. Lorenz gezeigt. Der handelt von einem Mann, der sich gerade in seiner Wohnung erhängen will, als er plötzlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinter einem Fenster einen kleinen Jungen entdeckt, der ihn beobachtet. Er versucht den Jungen aufzumuntern und weiß dabei selbst noch nicht, was diese Begegnung für ihn selbst schließlich bedeutet. Der Film wurde mit dem "Kurzfilmbiber" ausgezeichnet.

"Die Brücke am Ibar" handelt vom Kosovokrieg. Der Fluss Ibar ist dabei die natürliche Grenze zwischen den Serben und den Albanern. Das Land wird von der Nato bombardiert. Die Serbin Danica ist alleinerziehende Mutter von zwei Söhnen, denn ihr Mann starb im Krieg. Eines Tages rettet sich der verletzte Albaner Ramiz in ihr Haus. Sie verrät ihn nicht, pflegt ihn stattdessen gesund, schließlich kommen sie sich näher. Kann so eine tragische Liebe gut gehen? Den Hass zwischen den Volksgruppen zeigt eine Szene, in der eine Albanierin mit ihrem Kleinkind während eines alliierten Luftangriffs von Serben aus einem Luftschutzkeller vertrieben und ausgesperrt wird.

Der Film zeigt zugleich erschreckend und einfühlsam den Alltag, die aus dem Krieg resultierenden Probleme und Ängste der Menschen. Besonders deutlich wird dies an den Kindern, die die Schule schwänzen, rauchen. Danicas jüngerer Sohn, der Grundschüler Danilo, spricht seit dem Tod des Vaters nicht mehr, wird von den Mitschülern und den Lehrern ausgegrenzt. Erschütternd sind auch die mehrfach gezeigten Szenen, in denen Väter aus dem Krieg zu ihren Familien heimkehren.

Wie sehr der Vater fehlt, zeigt Regisseurin Michaela Kezele, die Tochter eines albanisch-kroatischen Paares, am Beispiel Vlados, Danicas älterem Sohn. Der hat auf ein Fahrrad gespart. Die erste Anzahlung wird vom Händler aber unterschlagen, der von dafür niemandem zur Rechenschaft gezogen wird.

Info Weitere Infos zu den Biberacher Filmfestspielen unter www.filmfest-biberach.de. Karten für das Festival gibt es ab 27. Oktober an der Kinokasse, unter www.traumpalast.de oder telefonisch unter 07351/13050.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Wahlkampf-Endspurt: Angela Merkel auf dem Ulmer Münsterplatz

Zwischen 3000 und 4000 Menschen sind am Freitagnachmittag zur Kanzlerin auf den Münsterplatz gekommen. Darunter auch gut 200 Protestierer mit AfD-Plakaten. weiter lesen