Dentler-Ehrenpreis 2012 geht an die "Kulturenküche"

Zum Schwörmontag gehört die Thronrede vor der Dentler-Goldschmiede dazu. Zumindest seit 25 Jahren. An diesem Schwörmontag konnte sich Prinzessin Ira Gehör verschaffen - trotz DJ-Beschallung aus den Gassen.

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Dieser Mann hat Selbstbewusstsein: Walter Spira, Liedermacher aus Ulm, klampfte am Schwörmontag vor, zwischen und nach der Thronrede von Ira Dentler. Als Spira kurz vor 21 Uhr den ersten Ton anstimmte, grölte bereits das angetrunkene Publikum der benachbarten"Nudeloper" lautstark dazwischen. Spira dazu:"Hallo Ulm, meine Fans drehen durch."

Doch dann kam sie: Ira Dentler, Goldschmiedin und Tochter des legendären Rudolf"Rex" Dentler. Barfuß, im roten Kleid, auf dem blonden Haar ein Diadem, so stieg sie die Leiter empor zum Thron, der an der Außenwand der Goldschmiede ganzjährig befestigt ist. Ihre Rede war ein Zustandsbericht zu Ulm, stark ironisch gefärbt. Etwa so:"Findet ihr es auch so schön, dass Ulm so viele Baustellen hat?" Sie wandte sich direkt an den Gemeinderat:"Wie bekommt man das Fischerviertel wieder schön?" Später dann erzählte sie von ihren Träumen. Etwa, dass sie davon träume, dass das Fischerviertel wieder eine Fußgängerzone wird. Oder davon, dass es möglich sei, einmal im Jahr eine ungestörte Thronrede für eine Stunde zu halten. Gestern jedenfalls war die Rede von DJ-Gewummer unterlegt, dassich aus den Gassen zusammenmischte.

Bei der Preisverleihung half Iras Mutter Gisela Dentler mit. Sie erzählte, dass beide wegen eines Artikels der SÜDWEST PRESSE auf die"Kulturenküche" aufmerksam geworden. Das ist ein Projekt der AG West, in dem mittlerweile 17 Ausländerinnen und Deutsche gemeinsam kochen. Das passiert einmal im Monat, die Frauen tischen Gerichte aus ihrer Heimat auf - zum Essen ist jeder willkommen.

Mutter und Tochter Dentler haben sich auf den Weg ins Dichterviertel gemacht, dort ist die Kulturenküche beheimatet. Die Dentlers haben einen Raum vorgefunden, in dem die Tische liebevoll gedeckt gewesen seien, in dem für sie flugs zwei Gedecke aufgelegt wurden. Für die"Vielfalt des kulturellen Reichtums der Ulmer Bürgern" mit der Kulturenküche geboten wird, erhielt die Einrichtung den Preis.

Den silbernen Ring mit goldenem Kreuz nahm stellvertretend die Projektleiterin Ute Brischar an. In ihrer Rede machte sie klar:"Die Kulturenküche ist mehr als ein spannendes Mittagessen. Dort entsteht ein neues Stück Ulmer Kultur." Sie und die anwesenden Frauen der Kulturenküche waren stolz auf die Auszeichnung. Brischar forderte alle Anwesenden auf, sich auf den Weg zu machen,"das Fremde kennenzulernen".

Nach der Thronrede waren alle glücklich - vielleicht bis auf Spira, der maulte, dass er kein Bierzeltmusiker sei. Ira Dentler war erleichtert, schließlich war sie froh, dass wenigstens die benachbarte"Nudeloper" die DJ-Musik für die Dauer der Thronrede leiser gestellt hatte. Ihre Überlegungen, dass diese Thronrede eventuell die letzte gewesen sei, waren hinfällig. Eine Thronrede zum Schwörmontag 2013 wird es auf jeden Fall wieder geben.

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