Den Holzhey-Klang im Ohr

Ein spätbarockes Kleinod erstrahlt jetzt wieder in altem Glanz. Am Sonntag startet die Festwoche, mit der die Restaurierung der Holzhey-Orgel im Obermarchtaler Münster gefeiert wird.

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Franz Raml am Spieltisch der restaurierten Holzhey-Orgel im Münster Obermarchtal. Foto: Helmut Pusch

Johann Nepomuk Holzhey, Karl Joseph Riepp und Joseph Gabler. Das sind die bekanntesten Orgelbauer des süddeutschen Barock. Von Gabler sind zwei viermanualige Orgeln in Ochsenhausen und Weingarten erhalten, von Riepp eine in Ottobeuren. "Das sind die absoluten Erstliga-Instrumente in der Region", sagt der Orgelexperte Franz Raml. Danach kommen schon die dreimanualigen Instrumente Holzheys. Das best erhaltene Instrument Holzheys kennt Raml aus dem Effeff - jenes in Rot an der Rot. Dort ist Raml seit Jahrzehnten als Titularorganist tätig. "Ich hab den Holzhey-Klang im Ohr", sagt er lächelnd. Und weil das so ist, war er auch als Sachverständiger bei der Restaurierung der Holzhey-Orgel in Obermarchtal mit von der Partie. Überhaupt: Sachverstand war wichtig - schon im Vorfeld der Restaurierung. Denn viele historische Instrumente sind in der Vergangenheit erst durch unsachgerechte Restaurierungen zerstört worden.

Raml räumt in diesem Zusammenhang auch gleich mit einem Vorurteil auf, dass er selbst jahrzehntelang in Orgelführungen verbreitet hat: "Es war nicht der Wandel des Geschmacks, das Streben nach einem modernen Klang, der die Orgeln zerstört hat", sagt er heute. "Bei meinen Recherchen hat sich gezeigt, das es meistens die fehlende Kenntnis war, wie man ein historisches Instrument wieder in den Originalzustand versetzt."

Überhaupt: Der größte Feind der Orgel ist, dass sie nicht gespielt und nicht gepflegt wird. Das Holz beginnt zu arbeiten, die Metallteile oxidieren, die Dichtungen werden spröde. Um die Instrumente dann wieder spielbereit zu machen, wurden sie eben nach dem Stand der Technik und im Geist der Zeit repariert. Auch das Instrument in Obermarchtal. "Wir haben die Orgel vor der Restaurierung genau erfassen lassen: Von den 2894 Original-Pfeifen waren noch 64 Prozent erhalten." Allerdings nicht im Originalzustand. Die Pfeifen waren alle gekürzt worden, als das Instrument auf den Kammerton mit 440 Hertz umgestimmt wurde. "Jetzt hat das A 426 Hertz", sagt Raml - wofür die Originalpfeifen wieder gelängt werden mussten. Dass die Stimmung im Barock tiefer war, beweist die etwa die Stimmgabel Händels. "Die hat 421 Hertz", sagt Raml.

Eine gute Million Euro hat die Sanierung gekostet. Knapp die Hälfte hat der Orgelbauverein Obermarchtal aufgebracht, ein Drittel die Diözese, der Rest kommt von der Stiftung Deutscher Denkmalschutz und vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Ein stolzer Betrag, der aber gut angelegt ist. Denn das Obermarchtaler Instrument ist der späteste Beleg einer barocken Holzhey-Orgel. Die besser erhaltene Orgel in Rot an der Rot gehört schon in den Klassizismus.

Und wie klingt sie? Herrlich offen und frisch, mit warmem, aber klarem Ton, der Akustik des Münsters bestens angepasst.

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