Dekan Ernst-Wilhelm Gohl wird heute 50

Kirche hat mit Menschen zu tun - das hat viele schöne, aber auch schwierige Seiten. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl pflegt den kollegialen Umgang, hat stets ein offenes Ohr und ist ein "großer Freund von Normalität".

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Ernst-Wilhelm Gohl feiert heute seinen 50. Geburtstag. Foto: Lars Schwerdtfeger

"Ich wusste, dass das Münster eine große Kirche ist, aber nicht, was Bürgerkirche bedeutet und dass das so einen breiten Raum einnimmt." Sagt Ernst-Wilhelm Gohl, der jetzt seit sieben Jahren Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Ulm ist und heute seinen 50. Geburtstag feiert. Bürgerkirche heißt, dass sich die Ulmer mit dem Münster identifizieren, selbst wenn sie gar nicht evangelisch sind oder zur Kirchengemeinde gehören. "Das Münster ist kein Wahrzeichen, sondern Teil der Identität dieser Stadt."

Das heißt auch, dass "alle mitschwätzen wollen", wenn es ums Münster geht. Zum Beispiel Schwörglocke: Ihr Riss ist mit Klammern geflickt und sollte im Zug der Sanierung des Glockenstuhls geschweißt und professionell repariert werden. Aber Ulmer Bürger setzten sich hartnäckig dafür ein, die Glocke so zu belassen, wie sie ist - letztlich mit Erfolg. Für Gohl ist dieses Engagement ein hohes Gut.

Der gebürtige Stuttgarter wurde im November 2005 als Chef der rund 45 Pfarrer des Kirchenbezirks gewählt und hat am 1. Mai 2006 seinen Dienst angetreten. Zuvor war er Pfarrer in Böblingen und Plochingen. "Ich bin gern Pfarrer und sehe mich als Kollege", beschreibt er sein Amtsverständnis. Das Miteinander im Ulmer Pfarrkonvent empfindet er als "ausgesprochen angenehm".

So antwortet er auf die Frage, an was er sich während seiner bisherigen Amtszeit gern erinnert mit: "Es ist die hohe Kultur im Umgang miteinander im Bezirk, auch bei schwierigen Themen." Und fügt fast entschuldigend hinzu: "Ich bin ein großer Freund von Normalität."

Doch dann fallen ihm doch zwei Höhepunkte ein: Als am Ostersonntag 2009 die Glocken im Münsterturm nach dreieinhalbjährigem Schweigen wieder läuteten, hat er sie zum ersten Mal gehört. "Das war beeindruckend." Und die Gründung des Rats der Religionen 2012.

Die sieben Jahre sind für Gohl "eine schöne Zeit". Zu den heiklen Punkten darin gehören die langjährigen Probleme in der Münsterbauhütte mit der vorigen Leiterin, die aber seit Ende 2012 ausgestanden sind. "Wir leben nicht im Paradies, sondern jenseits von Eden", sagt Gohl. "Kirche hat viel mit Menschen zu tun, da gibt es auch Konflikte. Das muss man nicht dramatisieren, sondern Lösungen finden oder nicht. Es ist dann aber auch schön, wenn sich Dinge weiterentwickeln." Dazu passe auch die Ulmer Mentalität, die "enspannter ist als im Talkessel von Stuttgart, wo alle aufeinanderhocken".

Die Familie, zu der Ehefrau Gabi und die Kinder Michael (17) und Katharina (12) gehören, hat sich an der Adlerbastei gut eingelebt. Und das Laufen hat Gohl hier erst entdeckt, als er den Einstein-Marathon 2010 mitlief. Er joggt immer noch gern, am liebsten frühmorgens an der Donau. "Weil es mir gut tut."

Gohls Amtszeit ist zeitlich nicht begrenzt. Er kann also bis zum Rentenalter hier bleiben, sofern ihn kein anderes Amt in der Landeskirche reizt. Aber das tut es nicht, versichert er. "Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen als das Ulmer Dekanamt, weil es eine gute Größe hat: Es ist nah dran an den Leuten, auch an den Ehrenamtlichen."

Auch die Ökumene ist ihm eine Herzensangelegenheit. "Ich wünsche mir ein unbeschwertes Miteinander. Es hat sich schon viel bewegt. Und ich bin zuversichtlich, dass sich noch manches weiterentwickelt."

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