Day4Soultions: Der Weg zum eigenen Unternehmen

Das Team von Day4Solutions will aus seinem Projekt ein Unternehmen machen. Ihr Ziel ist es eine Organisations-Software für kleinere und mittlere Unternehmen auf den Markt zu bringen.

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Nikola Vidic, Reiner Taglang und Anna Literova (vorne) arbeiten seit einem Jahr an ihrem Software-Projekt Day4Solutions. TFU-Leiterin Ulrike Hudelmaier (hinten) unterstützt die drei in ihrem Vorhaben, aus dem Projekt ein Unternehmen zu machen.  Foto: 

Als die beiden mir damals die Idee vorgeführt haben, habe ich erst einmal Gänsehaut bekommen“, erzählt Nikola Vidic. „Damals“ ist knapp ein Jahr her. Jetzt sitzt der Informatik-Student gemeinsam mit Anna Literova und Reiner Taglang im vierten Stock des Technologieförderungsunternehmens, kurz TFU, in Neu-Ulm und arbeitet an der Entwicklung ihrer Unternehmenssoftware. Day4Solutions heißt ihr Projekt. Die Software dahinter soll kleinen und mittleren Unternehmen etwa die Bearbeitung von Aufträgen oder das Schreiben von Rechnungen und Angeboten erleichtern. „Organisation 4.0“, erklärt Reiner Taglang.

Bislang verdienen die drei mit ihrer Idee aber noch kein Geld. Sie sind das, was ihre Mentorin und Geschäftsführerin des TFU, Ulrike Hudelmaier, ein Paradebeispiel eines Startups nennt. „Ihr Businessplan sieht mustergültig aus.“ Das Konzept sei durchdacht. „So kann das was werden“, prognostiziert Hudelmaier.

Derzeit warten die drei Informatiker auf eine Zusage des Exist-Förderprogramms des Bundeswirtschaftsministeriums. „Damit könnten wir finanziell besser planen“, erklärt Anna Literova. Momentan bringt hauptsächlich Reiner Taglang das Projekt finanziell voran. „Ich arbeite freiberuflich als Entwickler und Berater“, sagt Taglang. Die beiden anderen haben einen Nebenjob oder werden von ihren Eltern oder dem Freund in ihrem Vorhaben unterstützt. Ihr Ziel ist es eine Firma zu gründen.

Eigenes Büro bezogen

Von Nikola Vidics Gänsehautmoment bis heute haben die drei schon hart an ihrem Traum vom eigenen Softwareunternehmen gearbeitet. „Angefangen haben wir auf den Lernflächen der Informatiker an der Uni Ulm“, berichtet Reiner Taglang. Von da ging es zu den Chemikern, dann zu den Zahntechnikern – „immer auf öffentlichen Lernflächen an der Uni West“. Spätestens als die Uni-Leitung bei einem Rundgang nachfragte, ob sie hier ein Büro hätten, und sie auf die Brandschutzrichtlinien hinwies, sei ihnen klar gewesen, dass sie sich einen Raum suchen müssen. „Wir hatten uns schon richtig eingerichtete“, berichtet Literova. Das Whiteboard wurde angekettet und auch eine Kaffemaschine war mit der Zeit unabdingbar. „Sie ist praktisch unser viertes Gründungsmitglied“, sagt Literova lachend. „Die durfte nicht weg.“

Von Bekannten, die das Team in der Startup-Community der Industrie- und Handelskammer kennengelernt hat, bekamen sie dann den Tipp, beim TFU nachzufragen. „In der Vorgründungsphase ist das die beste Lösung für uns“, sagt Taglang. Pro Monat kostet der Raum 150 Euro, in den ersten drei Monaten zumindest. Das können sich die drei leisten. Es lohnt sich für sie aber nicht nur in finanzieller Hinsicht. „Hier haben wir Kontakt mit anderen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden wie wir“, sagt Vidic. „Wenn die Bürotür offensteht, heißt es man kann reinkommen.“ Auf diese Art und Weise profitiere jeder auch vom Fortschritt der anderen.

Dass ihr Projekt nicht nur eine Chance ist, später ihr eigener Chef zu sein, sondern auch Risiken mit sich bringt, darüber sind sich alle drei im Klaren. Wenn man was erreichen wolle, gehöre das eben auch dazu, sagt Taglang. Ihr Plan ist es, in einem Jahr die Marktreife zu erreichen. „Dann sehen wir , wo wir stehen und was geht“, sagt Literova. Drei Jahre Orientierungszeit seien Durchschnitt. Literova, Taglang und Vidic arbeiten seit acht Monaten in Vollzeit an ihrer Software, die die Unternehmensorganisation erleichtern soll. „Etwa so wie SAP“, sagt Reiner Taglang. Von ihm stammt die Idee, ein eigenes Programm zu entwickeln, das kleinen und mittleren Unternehmen entgegenkommt.

Zielgruppe: kleine Betriebe

Existierende Systeme seien dort häufig nicht praktikabel, da sie eine „Vielzahl von Funktionen haben, die nur Sinn machen, wenn man auch weiß, was man tut“, erklärt Taglang. Und, um das zu wissen, brauche es einen großen Schulungsaufwand. „Und am Ende weiß nur der eine Mitarbeiter, was er an seiner Schnittstelle tun muss – das ist ein Problem.“ Eines, das ihre Software lösen soll. Etwa durch eine handbuchartige Dokumentation, in der dargestellt wird, was an welcher Stelle zu tun ist. Mithilfe von aufpoppenden Hinweisen wird der Nutzer geführt. Ähnlich wie ein Steuerhilfeprogramm, das einen durch die Elster-Formulare leitet. „Wir programmieren das Werkzeug und der Kunde kann es weiter modellieren“, erklärt Taglang.

Zunächst gelte es aber eine passende Förderung zu erhalten, damit sie ihr Programm gemeinsam mit einem Pilotkunden weiterentwickeln können. „Das Feed­back ist für uns enorm wichtig“, sagt Literova. Es sei aber nicht einfach, an die Unternehmen ranzukommen. „Die denken meistens, wir wollen ihn gleich was verkaufen.“

Förderung Das Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt Studierende, Absolventen und Wissenschaftler aus Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ihre Idee eines Unternehmens umzusetzen und zu gründen. Das Ministerium fördert innovative, technologieorientierte oder wissensbasierte Projekte, die ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen können. 

Dauer Die Stipendiaten erhalten ein Jahr lang einen monatlichen Betrag, der zwischen 1000 und 3000 Euro je nach Qualifikation des Stipendiaten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Darüberhinaus können die Stipendiaten Geld für Sachausgaben und Choaching beim Ministerium beantragen.

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