Das Vier-Stunden-Angebot um Schönes zu kaufen

Für das Flüchtlingsprojekt "Before I Die" wird noch Geld gebraucht. Deshalb kann man jetzt an verschiedenen Orten und nur kurz Schönes kaufen.

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Im Schaufenster auf der Insel 7 in Neu-Ulm präsentieren Cecilia Espejo und zwei andere vom Tanzprojekt "Before I Die" die Artikel, die man zur Unterstützung des Projektes am Samstag im Fischerviertel kaufen kann.  Foto: 

Für einige Kulturschaffende zumindest mag der Betrag lachhaft klingen: 11.900 Euro. Aber für Cecilia Espejo und Pablo Sansalvador ist es viel Geld. Sie brauchen es, um das Tanzprojekt "Before I Die" (Bevor ich sterbe) zu verwirklichen. Es ist kein Projekt wie andere. Vielmehr hat das Künstlerkollektiv Moving Rhizomes - das sind Espejo und Sansalvador - Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan ins Boot geholt. Elf junge Männer, die bislang zwar auf Festen in ihrer Heimat ausgelassen traditionelle Tänze tanzten. Aber beileibe nichts mit modernem Ausdruckstanz zu tun hatten. Das genau aber tun sie seit Monaten und es macht ihnen nicht nur Spaß - sie verarbeiten auf diese Weise auch ihre traumatischen Erfahrungen von Krieg und Flucht.

"Es ist aber auch faszinierend, was wir alle zusammen voneinander lernen", sagt Cecilia Espejo. Das gemeinsame Ziel - drei Aufführungen im und um das Stadthaus Ende Juli - schweißt zusammen. Man ist sich näher gekommen, versteht einander besser, wodurch "das Projekt jeden Tag mehr gewachsen ist".

Aber neben diesen schönen Erfahrungen muss sich die 40-jährige IT-Spezialistin um so schnöde Angelegenheiten wie Geld kümmern. Obwohl viele, die involviert sind, auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, muss einiges bezahlt werden: etwa die Miete für das Stadthaus während der Aufführungstage. "Sie ist freundlicherweise auf das Minimum reduziert worden", sagt sie. Jetzt kosten die drei Tage mit der gesamten Infrastruktur 1500 Euro.

Auch die professionellen Künstler, Musiker Andreas Usenbenz, Lichtkünstler Andreas Hauslaib sowie Profitänzer, haben ihre Gage deutlich reduziert. Trotzdem: "Sie müssen ja auch leben", unterstreicht die zierliche Frau, die selbst kostenlos für das Projekt arbeitet.

Natürlich hat Cecilia Espejo auch Subventionen beantragt. Insgesamt 12 Anträge habe sie ausgefüllt. Das Ergebnis: 1000 Euro von der Stadt Ulm, 1200 Euro von der Koordinierungsstelle "Ulm: Internationale Stadt" für die Produktion eines Begleitfilmes. Dass nicht mehr ging, macht die 40-Jährige an zwei Aspekten fest: "Zum einen werden bereits viele Flüchtlingsprojekte unterstützt. Zum anderen hat sich der Vorfall in Köln an Silvester auch irgendwie ausgewirkt", bedauert sie.

Also mussten andere Ideen her. Dass ein Teil des Geldes über Crowdfunding (viele Menschen finanzieren gemeinsam ein Projekt oder Unternehmen) gesammelt werden soll, war von Beginn an klar für das Künstlerduo. Die landesweit größte Plattform "Startnext" stellt die Infrastruktur dafür bereit und war für Cecilia Espejo nicht nur wegen der großen Reichweite eine Option: "Das ist ein positives Beispiel für den Sinn von sozialen Medien."

Wie das funktioniert? Der Organisator beschreibt seine Idee, legt fest, wie viel Geld er sammeln will - bei "Before I Die" sind es 3800 Euro - und eine Laufzeit für die Kampagne (hier der 4. Juli). Wer will, kann Geld spenden oder die Idee durch den Kauf eines Produktes der Kampagne unterstützen.

Bei einem Tanzprojekt ist Letzteres ja nicht vorhanden. Sollte man wenigstens meinen. Aber das aus Madrid stammende Organisationstalent Cecilia Espejo kreierte ein weiteres Standbein: "Wir haben unter anderem T-Shirts, Tassen, eine Tafel und Postkarten mit dem ,Before I Die'-Logo herstellen lassen." Socken sollen noch folgen, der Kalender mit Fotos von Flüchtlingen, die von der Ulmer Fotografin Sandra Rausch gemacht wurden, ist fertig. "Er passt wunderbar zu unserem Erscheinungsbild, weil er schwarz-weiß ist", sagt die 40-Jährige. Außerdem sei er ohne Jahreszahl, so könne man ihn lange nutzen. 100 Kalender seien bereits verkauft über den Online-Shop. Außerdem wolle der Souvenirladen im Stadthaus die Produkte ab Juni in sein Sortiment aufnehmen, erzählt Cecilia Espejo.

Stichwort Shop - "diese Verkaufsmöglichkeit möchten wir ausbauen. Deshalb suchen wir so genannte Pop-Up-Stores." Soll heißen: Wenn ein Laden in Ulm Lust und Platz hat, kann er die Fan-Artikel auf bestimmte Zeit bei sich präsentieren und so Leuten die Gelegenheit geben, sie zu kaufen.

Eine erste Gelegenheit, die Sachen zu präsentieren, bot sich bei der Messe "Unusual Design" in Neu-Ulm vor wenigen Wochen. Die nächste gibt es jetzt am kommenden Samstag: Karten für Vorstellungen im Juli, die schwarzen T-Shirts und alles andere sind dann im Laden der Damenmaß-Schneiderin Annemarie Brückner im Fischerviertel zu kaufen. In "Fischerins Kleid" verkauft sie ansonsten Damenbekleidung - von sich selbst und anderen Labels. "Sie kam auf uns zu", freut sich Cecilia Espejo.

Weil ein Pop-Up-Store per se eine eher kurzfristige Angelegenheit ist, kann man die "Before-I-Die"-Produkte am Samstag auch nur vier Stunden lang einkaufen: von 12 bis 16 Uhr. "Ich muss eine Ecke vom Laden dafür freiräumen und meinen Nähtisch hergeben", sagt Annemarie Brückner auf Anfrage. Ansonsten hätte sie den Platz länger zur Verfügung gestellt: "Ich bin begeistert von diesem Projekt, bei dem Menschen aus allen möglichen Ländern zusammen tanzen."

Termine und Tickets

Vorstellungen Auftritte sind am 21., 22. und 23. Juli im und ums Stadthaus. Karten gibt es bei der SÜDWEST PRESSE, SWU Traffiti, im Stadthaus und online unter swp.de/ticketshop. Zu sehen sind die Fanartikel auch auf der Insel 7 in Neu-Ulm bei Cigköftem. Zu kaufen auch beim Internationalen Fest der Stadt Ulm am 4. Juni oder unter movingrhizomes.com. Der Erlös kommt dem Verein Menschlichkeit zugute.

 

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