Das Ulmer Münster auf Reisen in den USA und Kanada

Als die Ulmer 1377 den Grundstein zu ihrer Bürgerkirche legten, hatte Kolumbus Nordamerika noch gar nicht entdeckt. Ja, das sind Dimensionen - jetzt war das Münster in New York, Dallas und Kanada.

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US-Touristen sind gerne mal ganz still, wenn ihnen die Deutschen vorrechnen, dass die Fachwerkhäuser in den mittelalterlichen Städten schon herumgestanden waren, als die Vereinigten Staaten sich 1776 erst gründeten - und George Washington und Co. noch Palisaden gegen die Indianer bauten. Das ist der Dünkel von Old Europe. Und den Grundstein zu ihrem Münster legten die Ulmer schon im Jahre 1377, als Kolumbus noch nicht einmal geboren war, um Amerika zu entdecken.

Dafür kann das Ulmer Münster mit seinen 161,53 Metern dort niemanden wirklich beeindrucken, jedenfalls nicht in New York. Höchster Kirchturm der Welt, okay. Aber es geht ganz profan höher. Unsere Leserin Ulrike Friebe-Hoffmann hat für die Serie "Das Münster in der Welt" das Modell in die US-Metropole mitgenommen. Tatsächlich - das Getreidesilo der Schapfenmühle (116 Meter) und das Ulmer Münster wären auch aufgetürmt deutlich niedriger als das Empire State Building (381 Meter). Und dann thront in New York ja auch noch das One World Trade Center mit 541 Metern Höhe - und andere Spitzengebäude mehr. In diesem herbstlichen Sommer geht zwar auch das Ulmer Münster locker als Wolkenkratzer durch, aber in den Staaten finden sie sich gewerbsmäßig zahlreich: Robert Dönges von der SÜDWEST PRESSE hat jene in Dallas mit dem Münster fotografiert. Wobei natürlich alles eine Frage der Perspektive ist: Das überragende Münster kann sich dann gut halten, auch gegen das Bank of America Plaza, das höchste Gebäude der texanischen Stadt (281 Meter).

Aber superlativ zeigt sich auch die Natur Kanadas. Die Familie Oßwald aus Böfingen machte dreieinhalb Wochen Urlaub mit dem Wohnmobil: von Calgary durch die Rocky Mountains bis nach Vancouver an den Pazifik, und dann über die Sunshine-Coast weiter nach Vancouver Island. Augenoptiker Thomas Oßwald hatte ein ganzes Jahr lang die Reise akribisch geplant, mit dem Navigationsgerät die Strecken und Ziele ausgerechnet - und das Münster-Modell gehörte auch zum Gepäck. Eine "traumhafte" Landschaft, schildert Andrea Oßwald die Eindrücke. Das glaubt man gern bei diesen Bildern: der Moraine Lake im Valley of the Ten Peaks (Banff-Nationalpark, Provinz Alberta) etwa. Und wie das Mini-Münster vor dem Athabasca-Gletscher in den Rocky Mountains steht - wie eine frühchristliche Trutzburg vor dem Eismeer. Eine archaische Szenerie.

Die großartigen Fotos machte der 18-jährige Michael Oßwald. Der Sohn und die 17-jährige Tochter hätten ja zunächst Vorbehalte gehabt: Nur Täler, Berge und Wälder, das sei doch "langweilig", sagt die Mutter. Aber das habe sich sehr schnell geändert. Bären hätten sie auch viele gesehen - nur hätten diese nicht stillgehalten für Aufnahmen mit dem Münster.

Und das Wetter in Kanada? "Man darf es ja in Ulm gar nicht sagen, aber es herrschte fast durchweg Sonnenschein bei Toskana-Temperaturen", schwärmt Andrea Oßwald.

Fotos der Sommerserie

Online-Bildergalerie Nächstes Jahr feiert Ulm das Münsterturmjubiläum. Wir schicken in diesem Sommer schon mal das Münster auf Reisen, und Leserinnen und Leser bringen uns Fotos mit dem Modell vor Sehenswürdigkeiten aus aller Welt mit. Alle Bilder versammeln wir in einer Online-Galerie: swp.de/muensterinderwelt

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