Das Rathaus macht Probleme

Alles Gute kommt von oben? Nicht beim Ulmer Rathaus. Es droht den Ulmern auf den Kopf zu fallen. Jetzt sorgt ein Gerüst für Sicherheit.

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Baugerüst für einen neuen Schwörbalkon? Nö: Schutz vor bröckelndem Rathauszierrat und damit auch Carport für die Stadtboten.  Foto: 

Im Südwesten des Ulmer Rathauses liegt der Dienstboteneingang. Naja, eigentlich gehen da auch die höheren Tiere rein und raus. Seit kurzem steht ein Gerüst über der Tür. Ist der Bau eines neuen Schwörbalkons geplant, damit es der Oberbürgermeister nicht mehr so weit von seinem Büro zur Schwörfeier auf dem Weinhof hat? Nein, die Sache ist von höherer Gewalt. Das Gerüst sichert den Eingang, da Brocken vom Rathausgiebel gestürzt sind. Schier hätte es Sozialplaner Markus Kienle erwischt.

Das Problem ist leider nicht neu, das heißt, genau genommen stellt es sich auf neue Weise, wie Herbert Häußler mit der Sache hadert, der Mann für den Bauunterhalt bei der Stadt. Es geht mal wieder um Frostabsprengungen am Terrakotta-Giebelschmuck, die schon vor 15 Jahren die Sanierung der Rathausfassaden ausgelöst haben. Nach einer Untersuchung mit dem Landesdenkmalamt war man damals vom harten Zementputz abgekommen und ist einem neuen Baustoff verfallen, „der scheinbar alles kann“, erinnert sich Häußler. Aber: „Er hält nicht, was er versprochen hat.“

Nach dem harten Winter 2012/13 kommen wieder handtellergroße Putzstücke runter. Das Problem ist, dass die Ziegelsteine im Kern der gemauerten Türmchen Feuchtigkeit ziehen, die sich zu Eis erstarrt Platz macht. „Mir scheint, je stärker der Putz, desto eher knallt er ab.“

Häußler hat gute Lust auf eine Rolle rückwärts: „Vielleicht müssen wir zurück zu 150 Jahre alten Baustoffen.“ Schließlich ist auch für das Rathaus nicht alles schlecht, was früher war. Wie der Romanzement, zumal dieser mit eine Ulmer Erfindung des Apothekers Gustav Leube sei. Dieser unechte Zement, mit Wasser erhärteter Kalk, ist wegen bauphysikalischer Vorteile heute wieder gefragt, auch bei der Restaurierung der Ulmer Bundesfestung. Ohnehin hat Häußler die Betonköpfe der reinen Zementschule auf dem Kieker: Auch für die Donau-Stadtmauer hat er die Zementfugen durch Mörtel mit viel Kalk ersetzt.

Erst mal aber wird mit dem Hubsteiger jetzt der Zierrat der Rathaus-Südseite auf weitere Schäden untersucht. Hochzeiter übrigens, die den Aufgang im Norden nehmen, bleiben unbehelligt. Sie haben mit dem Treppendach den Segen von oben.

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