Das Landesturnfest hat die Stadt bunter gemacht

Das Landesturnfest ist vorbei, und es ist gut gelaufen. Die Ulmer sind stolz, zufrieden und erleichtert, dass es vier unbeschwerte Tage geworden sind.

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Landesturnfest 2016 – das war: Turnübungen überall. Auch an Straßenbahnhaltestellen und Fahrradabstellplätzen.  Foto: 

Vier Tage Landesturnfest sind vorbei, und die Ulmer sind froh, dass sie wieder ein sportliches Großereignis mit Bravour gemeistert haben. Die Gäste waren sehr zufrieden, und das war in diesen Tagen an allen Ecken und Enden der Stadt zu sehen und zu spüren. Überall singende, tanzende und lachende Menschen, besonders viele junge, aber auch die älteren hatten ihren Platz inmitten dieser vielen Veranstaltungen.

Das Landesturnfest hat inzwischen ein Programm, das niemand mehr überblicken kann. Auf dem Münsterplatz, dem Scholl-Platz und vor dem Rathaus schallte von Freitag bis Sonntag Nachmittag die Musik. „Zum Arbeiten musste ich schon das Fenster zumachen“, merkte OB Gunter Czisch zum Abschluss an – es war nicht als Kritik gemeint: „Ulm hat sich bewegt, und zwar im besten Sinne des Wortes.“ Aufgefallen ist nicht nur ihm, dass dieses Sportereignis eben nicht auf einen Punkt fixiert ist, sondern die ganze Stadt erfasst hat.

Geklappt hat alles in den Schulen mit der Unterbringung, bei den Wettkämpfen in den Hallen und Stadien, ebenso wie auf den Bühnen und an den vielen Mitmachstationen. Geklappt hat es auch mit dem Transport. Die SWU hat einen guten Job gemacht. „Die Bahnen und Busse waren zwar voll, aber nicht übervoll. Das war vor 20 Jahren noch anders“, merkte Maria König an. Sie war schon 1996 dabei: „Damals war alles noch ein wenig kleiner und schnuckeliger. Jetzt ist es professioneller“, sagte die 63-Jährige nach dem Besuch der Golden Age Gala.

Chef-Organisator Reinhold Eichhorn hat erstmals nicht selbst mitgemacht. Zu nervös war er, ob auch alles klappen würde. „Aber meine anfängliche Skepsis ist verflogen. Alle Helfer haben funktioniert. Bei dem Aufwand ist es fast schade, dass es nur vier Tage gedauert hat“, meinte er mit einem Augenzwinkern.

Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbundes, war vor allem froh, dass alles friedlich über die Bühne gegangen ist. Es sei richtig gewesen, sich den offenen Charakter der Veranstaltung nicht nehmen zu lassen. Ein Diebstahl aus einer Unterkunft, wo Geld und Handys weggekommen sind, war die einzig negative Meldung der Polizei. Auch die Rettungsdienste berichten von ruhigen Tagen: Schürfwunden, ein paar Prellungen und verstauchte Füße sowie als schwerere Verletzungen zwei Achillessehnenrisse, so die Bilanz.

Was die Zukunft bringt

Ab in die Kurpfalz Das nächste Landesturnfest findet 2018 in Weinheim statt. Dann wieder am traditionellen Termin in den Pfingstferien. Vom nächsten Gastgeber dort hieß es: Ulm hat die Latte hoch gelegt. Für alle, die nicht wissen, wo Weinheim liegt: Ulm ist rechts und unten, Weinheim links und oben.

Wiedersehen geplant Oberbürgermeister Gunter Czisch hat das Fest so gut gefallen, dass er die Turner gleich wieder eingeladen hat. Und zwar zum dazu ihr nächstes Jubiläum in Ulm zu feiern. „Unser Angebot steht, dass Sie 2028 wieder hier sind und wir das 75. Landesturnfest ausrichten.“

Nächste Termine So lange müssen die Turner aber nicht warten, bis sie wieder ran dürfen. 2017 findet vom 3. bis 10. Juni das Deutsche Turnfest in Berlin statt. Außerdem die Kinderturnfeste, die Schwaben und Badener getrennt ausrichten, in Ravensburg (7. bis 9. Juli) und Konstanz (14. bis 16. Juli).

Beeindruckend Gefragt nach dem beeindruckendsten Erlebnis beim diesjährigen Turnfest hatte Gerhard Mengesdorf eine eher ungewöhnliche Antwort parat: „Schon 1996 hat der Gottesdienst im Ulmer Münster bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Das war dieses Mal wieder so.“  

Ein Kommentar von Jakob Resch: Alles gut beim Landesturnfest

Auch wer nicht voll eingetaucht ist ins Landesturnfest, sondern die Geschehnisse stadtbummelnd beobachtet hat, kam nicht daran vorbei: Ulm war tagelang höchst fröhlich, an vielen Stellen abends auch feucht-fröhlich gestimmt. Dem Anlass entsprechend noch beschwingter als an Schwörmontag oder während des Donaufestes. Der Starkregen zum Abschluss auf dem Münsterplatz konnte diesen Eindruck nicht verwässern.

Mitten in einer Zeit voller Sorgen und Ängste hat Ulm den Wonnemonat vom Mai einfach in den Juli verlegt. Das Landesturnfest  bildete das Finale eines Festmonats,  der – ohne es nun überhöhen zu wollen – die ur-menschliche Sehnsucht nach Unbeschwertheit ausdrückte. So offen und frei, unverzagt und bisweilen auch ausgelassen  wollen wir leben. Im Nebeneffekt hat der Breitensport durch die Arten, wie er sich heute bewegt und was er bewegt, Werbung in eigener Sache betrieben. Nichts, was da noch übrig wäre vom Image des ewig Gestrigen.

Respekt den Organisatoren bis hin zu den Stadtwerken, deren Transport tausender Aktiver diesmal klappte wie am Schnürchen. Lob der Polizei und den Sicherheitskräften, die präsent waren, ohne klobig  aufzufallen.

Alles gut also. Auch am Schluss: Der Festzug zum Münsterplatz, noch im Trockenen, war kaum vorübergezogen, fuhr schon die erste Kehrmaschine hinterher. Bei Sauberkeit und Ordnung hört die Ausgelassenheit schließlich auf in diesem Land.

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