Das Ende des Theatercafés

Für Fritz Schäfer war das "Capriccio" ein Riesenärgernis. Zwei Jahre nach dem Tod des Architekten soll das Theatercafé jetzt abgerissen werden.

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"Capriccio" - so hieß einmal das Bistro des Ulmer Theaters. Ein Wort, das man mit "Kunstwerk", "lustvoller Regelverstoß" oder auch mit "Laune" übersetzen kann. Überhaupt nicht scherzhaft, sondern verbittert äußerte sich der Architekt Fritz Schäfer über diesen Glasaufbau auf der Terrasse überm Haupteingang: "Das sieht aus wie eine überdimensionale Bedürfnisanstalt." Bis zuletzt hatte der 2011 verstorbene Schäfer gegen diesen "Sündenfall" gewettert und den Abriss des für ihn nicht "lustvollen" ästhetischen Regelverstoßes gefordert.

Das Politikum: Das Baugesuch für das 1991 eröffnete Theatercafé wurde damals auf den Weg gebracht und durchgesetzt, als Theater-Architekt Fritz Schäfer wegen eines schweren Autounfalls handlungsunfähig war. Posthum gewissermaßen will die Stadt jetzt wieder das Baudenkmal "Ulmer Theater" so herstellen, wie es von Schäfer geplant und 1969 eröffnet worden war. Der Kulturausschuss des Gemeinderats beschloss einstimmig, das Ex-Theatercafé abzubrechen. Der Aufbau sei in einem miserablen Zustand, energetisch und sanitär sowieso eine Katastrophe, und eine umfangreiche Sanierung lohne sich nicht. Schon seit 1999 war das mehr als 1,5 Millionen Mark teure "Capriccio", das dann auch mal "Requisite" hieß, als Bistro geschlossen worden und diente als Spielort des "Jungen Forums" und zuletzt als kleine Probebühne für Schauspielproduktionen.

Es war eine Initiative der "Freunde des Ulmer Theaters" gewesen, dem Haus auch eine gastronomische Bühne zu verschaffen. Und so sammelte der Verein für ein Bistro, das jedoch architektonisch umstritten, auch unpraktisch war, nie richtig lief und Stadt, Gold Ochsen und Theaterfreunden Verluste und Ärger brachte. Der erste Wirt kam schon nach Monaten abhanden, dann scheiterte Manfred Zauter ("Aquarium") mit Schickimicki und Carpaccio im Capriccio. Eher kurios, dass auch mal die sich offen bekennende transsexuelle Saskia Zeeb Café-Betreiberin war.

Der ungeliebte "architektonische Verhau" auf dem "Theatervorfahrt-Dach" also wird nun für auch nicht gerade schlappe 120.000 Euro entfernt. Auf der wiederhergestellten Foyer-Terrasse darf man dann mit einem Glas Sekt anstoßen.

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Kommentare

28.04.2013 15:58 Uhr

Ein überteuerter Spaß

Kritische Experten hatten beim Bau schon festgestellt: Der Bau hätte allenfalls die Hälfte kosten dürfen. Es macht einen sauer, wenn man mitansehen muss, wieviel Geld so versemmelt wird - und wir Künstler dürfen weiter arm bleiben, damit wir mehr Kunst machen ...

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