Das Ende der drei Schaukästen am Bahnhof

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Das Ende der drei Glaskästen naht. Ende Februar werden sie wegen der Straßenbahnarbeiten abgebaut.  Foto: 

Viele werden sie gar nicht wahrnehmen. Oder nur, weil sie ein Hindernis beim Radfahren darstellen. Keiner schaut sie richtig an und sieht, wie altmodisch und doch modern ihre Form ist – sogar ein bisschen an das funktionale Design der ehemaligen Hochschule für Gestaltung erinnert. Trotzdem gehören die drei Glasvitrinen neben der Hauptpost zum Ulmer Stadtbild. Und das immerhin seit 58 Jahren. Ende Februar werden sie Geschichte sein: Die Stadt baut sie wegen der Arbeiten für die Straßenbahn ab.

Wer herausfinden will, wer die Vitrinen in Auftrag gab, warum und wer darin warb, hat Pech.  Weder Stadtarchiv noch das Stadtplanungsamt können Erklärungen liefern. Zuletzt hatte die Fläche einer Berliner Immobilienfirma gehört, die sie wiederum von der Telekom erworben hatte. Jetzt sind sie im Besitz der Stadt. 1971 seien die Kästen bereits in Plänen eingezeichnet, sagt eine Mitarbeiterin der Stadtentwicklung: „Was dafür spricht, dass sie durch die Post errichtet wurden, da es die Telekom an dieser Stelle noch nicht gab.“ Dass sie bereits seit 1959 dort stehen, hat dann noch eine Mitarbeiterin des Stadtarchivs herausgefunden. Das war’s dann aber auch.

Also ein Versuch bei der Familie Vogellehner. Der Friseur wirbt in den Vitrinen seit mehr als zehn Jahren für seine Expertise in Sachen Haarverlängerung und Perücken. Derzeit sind Frauen mit besonders schönen, langen Haaren zu sehen. Vor Jahren waren auch mal Bürsten, Kämme und andere Friseurutensilien ausgestellt. „Für mich gehören die Schaukästen zu den attraktivsten Werbeflächen in Ulm“, sagt Thomas Vogellehner. Täglich passierten jede Menge Leute zu Fuß oder mit dem Auto die Stelle.

Gemietet hat die alteingesessene Ulmer Friseurfamilie die Schaukästen „für etwa 350 Euro im Monat“, sagt er. Wenn Vogellehner die Auslage ändern will, schließt er die Kästen auf und schiebt die Scheibe nach oben. Innen putzt er, außen die Stadt.

Aber auch hier kein Erfolg: Weder Thomas Vogellehner noch sein  Vater Hans wissen mehr über das Dreigestirn. Nur, dass OB Gunter Czisch während des Wahlkampfs dort zu sehen war, erinnert sich der Senior. Also der OB. „Jemand aus meinem Wahlkampfteam hat mir die Flächen empfohlen“, sagt er auf Anfrage. Es sei ein gute Idee gewesen, denn die Plakate an dieser Stelle hätten definitiv viel Aufmerksamkeit erzeugt. So viel, dass auch ein Ulmer Apotheker die Vitrinen gerne zu Werbezwecken genutzt hätte. Ohne Erfolg, der Friseur bleibt Mieter bis zum Schluss. Was Ulm verloren geht, sieht man auch daran: „In Berlin auf dem Kuhdamm stehen genau die gleichen Vitrinen“, sagt Czisch.

Erinnerung

Vielleicht kann sich ja der eine oder andere Ulmer erinnern, was früher in den Glasvitrinen zu sehen war. Noch besser: Wer sie gebaut hat. Wer Informationen hat, soll sich bitte unter u.schleicher@swp.de melden.

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