Das Akademietheater zeigt Simon Stephens Stück "Pornographie"

Großereignisse wie ein Terroranschlag oder ein Großkonzert haben auch auf Unbeteiligte ihre Auswirkungen bis ins Private. Das zeigt das Stück "Pornographie" am Ulmer Akademietheater.

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Gewalt statt Ordnung: "Pornographie" am Akademietheater. Foto: Sophie Krauss

Es geht nur am Rande um Sexualität. Das Stück "Pornographie" des angesagten englischen Dramatikers Simon Stephens, das am Akademietheater Premiere feierte, schaut in Wohnzimmer, Büros und einen Kinderwagen. Sex ist in dem Stück ein einzelnes Puzzleteil einer Gesellschaft, in der es um Macht, Selbstbehauptung und Zerstörung geht. Der Mensch entmenschlicht sich selbst.

Stephens zeigt Londoner Bürger, die 2005 zwei Ereignissen ausgesetzt sind: London feiert den Zuschlag für Olympia 2012, und im Hyde Park findet das Benefizkonzert "Live8" statt. Das Theaterstück dreht sich um Großstädter, die von diesen Ereignissen tangiert werden und nicht wissen, dass einer von ihnen einen Anschlag plant. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Alle sind etwas gestört und schon zerstört, bevor es zum Showdown, dem Selbstmordanschlag, kommt.

Es ergibt sich ein flirrendes Mosaik aus austauschbaren Menschen mit austauschbaren Biographien: einen unter Minderwertigkeitsgefühlen leidenden größenwahnsinnigen Halbitaliener (Matthias Happach), eine Firmengeheimnisse verratende Managerin (Joana Gamburzew-Dadoun), ein ineinander verliebtes Geschwisterpaar (Bernadette Hug, Simon Elias). Die Figuren drehen sich um sich selbst und bemühen sich zu Beginn, auf dem Boden verstreute Holzbrettchen, die als Spielkarten, Puzzleteile oder Aktendeckel gedeutet werden können, in eine Ordnung zu bringen. Es gelingt nicht. Im Hintergrund stehen Monitore, flimmernde Beobachter der Szene. Die fünfte Figur ist der Attentäter (Andreas Laufer), der sich erst wäscht, dann in die Stadt fährt und seine Aggressionen an einem Lederkissen boxend auslässt.

Regisseurin Mirijam Kölberer spickt das Stück mit guten Einfällen, zu denen auch das Essen eines rohen Stücks Fleisch gehört: Der Attentäter reißt sich mit den Zähnen animalisch Stücke aus dem Fetzen. Bei zwei Stunden ohne Pause gibt es aber auch ermüdende Passagen an der ansonsten temporeichen Inszenierung, die ein Schlaglicht auf um Selbstbehauptung ringende Existenzen wirft. Der Anschlag ist dann nur noch Vollzug. Zum Schluss rufen die Darsteller die Nachrufe der Attentatsopfer ins Publikum. Es wird so weitergehen wie zuvor.

Info Nächste Termine: Freitag und Samstag, jeweils 20.15 Uhr. Kartenvorbestellung: 0731/ 38 75 31.

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