Danube Summer School mit Schwerpunkten Management und Europäisches Recht

Schafft die Donau Identität? Ja, sagen Prof. Gerhard Mayer und Paul Langer. Sie koordinieren die Danube Summer School, an der von Montag an 24 Studierende aus Bulgarien, Serbien und Deutschland teilnehmen.

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Ob die EU gut beraten war, im Jahr 2007 Bulgarien und Rumänien als Mitgliedsstaaten aufzunehmen, darüber will Prof. Gerhard Mayer nicht diskutieren. "Diese Frage stellt sich heute gar nicht mehr. Es kann nur darum gehen, die Länder zu integrieren, Entwicklungen anzustoßen, die positive Effekte erzeugen." Genau diese positiven Effekte erhofft sich Mayer als Vorsitzender des Akademierats der Europäischen Donauakademie (EDA) primär über die Bildungsschiene, sprich: über einen Master-Studiengang, der speziell für qualifizierte Bachelor-Studenten gedacht ist und Schwerpunkte wie Management und Europäisches Recht in den Vordergrund rückt.

Warum gerade diese Themen? Weil Ländern wie Bulgarien und Rumänien qualifiziertes Personal fehlt, um Förderprogramme der EU abzurufen und die Lebensverhältnisse zu verbessern, erklärt Mayer. Häufig wanderten gut ausgebildete Menschen in den Westen ab. "Meint man es ernst mit dem Ideal eines Europas der starken Regionen, so muss man diesen Braindrain stoppen", sagt Paul Langer von der Donauakademie.

Der Studiengang mit der Bezeichnung "Master of Danube Studies" soll genau jene Experten hervorbringen, die die Herausforderungen der Region angehen. Die Planungen sind weit fortgeschritten, weitere Gespräche mit Vertretern der Universitäten entlang der Donau, also aus Ruse (Bulgarien), aus Budapest (Ungarn) und Novi Sad (Serbien) sowie aus Krems (Österreich) werden in der kommenden Woche stattfinden. Die Rolle der Donauakademie sei die einer Koordinatorin, sagt Mayer. "Das Antragsverfahren für den Studiengang muss von den Universitäten kommen, die Donauakademie kann lediglich die Akteure zusammenbringen."

Dass die Danube Summer School in der selben Woche ihre Premiere hat, ist freilich kein Zufall. Sie bildet nicht nur ein Modul des künftigen Studiengangs, "die Summer School ist der Ulmer Beitrag, wir stoßen damit das ganze Projekt an". Vom kommenden Montag an werden zwei Dutzend Studenten an der Summer School teilnehmen; in der Hauptsache stammen sie aus Ruse, wo sie derzeit den Studiengang Master of European Studies belegen, und aus Novi Sad. Ein Manko: "Wir haben zu wenige deutsche Studenten", bedauert Mayer. Schwerpunkte sind: der Donauraum als Makroregion, Marke und Identität, Energiewirtschaft und Erneuerbare Energien im Donauraum, Möglichkeiten durch neueste Entwicklungen im IT-Bereich, EU-Politik und die Europäische Donauraumstrategie sowie die Kultur im Donauraum. Als Dozenten konnten Mayer und Langer Professoren der Hochschule Ulm und Neu-Ulm gewinnen, so spricht Prof. Jens Pätzmann, Leiter des Kompetenzzentrum Marketing & Branding an der Hochschule Neu-Ulm (HNU) über Regionalmarketing. Ein Workshop schließt sich an, in dem die Teilnehmer selber eine grundlegende Marketing-Strategie für eines der osteuropäischen Länder entwickeln. Pätzmann unterhält bereits ein Forschungsprojekt mit der Universität in Ruse.

Prof. Elmar Steurer, Vizepräsident der HNU, wird das Konzept erläutern, das hinter dem An-Institut "Id-eee" steht: nicht nur die Energieversorgung zu verbessern, sondern den Menschen die Gelegenheit zu geben, Solarsysteme zu vertreiben und, wenn nötig, auch zu warten und zu reparieren. Dieses An-Institut ist mit der Ulmer und der Neu-Ulmer Hochschule Ulm verbunden.

Prof. Gerd Heilscher von der Hochschule Ulm, der in fachlicher Hinsicht auch die von der Hochschule Ulm getragene Donauhochschule betreut, referiert über Erneuerbare Energien und über Kooperationen mit Partnerhochschulen entlang der Donau. Heilscher initiiert seit Jahren gemeinsame Forschungsprojekte, "sie werden vor allem von Ulm aus angetrieben".

Auf dem Programm stehen Besuche bei dem Ulmer IT-Unternehmen Scan Plus, Car2go stellt sein Konzept vor. Politisch wird es mit Vorträgen zum Thema Donauraumstrategie, das aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird: Peter Langer, Donau-Koordinator von Ulm und Neu-Ulm, referiert ebenso wie OB Ivo Gönner, Dr. Hans-Peter Herdlitschka vom baden-württembergischen Finanz- und Wirtschaftsministerium sowie Hans Harrer und Jochen Ressel vom Senat der Wirtschaft Österreich. Den kulturellen Teil der Summer School deckt Prof. Harald Traue von der Uni Ulm am Feiertag, 3. Oktober, ab; er erläutert die Konzeption hinter der Ausstellung über die europäische Identität durch frühe Migration entlang der Donau. Sie wird nur für diesen einen Tag in der vh aufgebaut.

Die von der Baden-Württemberg-Stiftung mitfinanzierte Summer School wird zunächst auf dem Vöhlin-Schloss in Illertissen stattfinden, weitere Tagungsorte sind das Haus der Donau, das Ulmer Rathaus und die vh.

Zu den Personen

Gerhard Mayer Der 61-Jährige ist Gründungsgesellschafter der Europäischen Donauakademie (EDA) und Vorsitzender des EDA-Akademierats, von 2000 bis 2007 war er Vorsitzender des Hochschulrats der Hochschule Neu-Ulm, 2003 wurde der langjährige Lehrbeauftragte zum Honorarprofessor ernannt.

Paul Langer Der 28-Jährige arbeitet seit 2013 für die Donauakademie, er bereitet den Master-Studiengang und die Summer School 2014 vor. Langer hat VWL in Freiburg studiert, den Master an der University of St. Andrews (Schottland) gemacht. Gegenwärtig arbeitet er an seiner Dissertation.

 

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